50 Quadratmeter Anbaufläche

Eichwaldhof in Seligenstadt vermietet Ackerparzellen an Hobbybauern

Maksim Milosevic zeigt die ersten Pflänzchen, die die Hobbygärtner auf dem Acker am Eichwaldhof gesetzt haben.
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Maksim Milosevic zeigt die ersten Pflänzchen, die die Hobbygärtner am Eichwaldhof gesetzt haben.

Der Wind braust über den staubigen Acker an Neubauers Eichwaldhof und zerrt an den Blättern der jungen Pflänzchen, die bisher nur vereinzelt aus der Erde ragen. Die Ziegen haben sich längst in ihren Unterstand verzogen. Zum Gärtnern wird an diesem ungemütlichen Tag wahrscheinlich niemand mehr vorbeischauen. Doch es ist früh in der Saison und noch genügend Zeit, eine der rund 50 Quadratmeter großen Ackerparzellen, die der Eichwaldhof seit Mai vermietet, zu bestücken.

Seligenstadt – „MainAcker“ haben Stephan und Elke Neubauer gemeinsam mit Maksim Milosevic, dem Freund von Tochter Anna, das Angebot getauft. Für 215 Euro pro gepflügter Parzelle und Saison (bis 1. Februar) kann hier jeder seine Kleinbauernträume verwirklichen. In abgesteckten Bereichen, getrennt durch Schnur und Trampelpfade, darf zu jeder Zeit nach Lust und Laune gepflanzt werden.

Bedarf gibt es, die Interessenten bilden eine bunt gemischte Gruppe. Es kommen Familien mit Kindern, die in Corona-Zeiten eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung suchen, junge Leute, die sich zusammengetan haben, um eine Parzelle zu beackern, und natürlich solche, die seit Jahren auf der Suche nach einem Schrebergarten sind. „Wir haben auch erfahrene Selbstversorger dabei, denen die eigene Gartenfläche nicht ausreicht“, sagt Maksim Milosevic, der die Mietäcker bei anderen Landwirten entdeckt hat und das Konzept in diesem Jahr erstmalig auf dem Eichwaldhof testen will.

19 Parzellen sind bereits belegt, das Angebot kann auf dem acht Hektar großen Acker beliebig erweitert werden. Wer hier gärtnern will, erhält einen Einweisungstermin bei Milosevic und darf sich eine Fläche aussuchen.

19 Parzellen sind bislang belegt, in dieser wächst das erste Grün heran.

Anschließend bleibt es den Kleinbauern überlassen, welche Pflanzen sie setzen und womit sie düngen. „Manche ziehen ihre Pflanzen ja auch selbst zuhause, da wollten wir nicht reinpfuschen“, sagt Milosevic. Nur Pflanzenschutzmittel und mineralische Dünger sind verboten – Gartenpartys und Grillen übrigens auch. Für die Wässerung der Felder stehen gefüllte Tonnen auf dem Gelände bereit, Gießkannen können geliehen werden.

„Bisher wurden Radieschen, Karotten und verschiedene Kohlsorten eingesät und Bohnen, Erbsen und Kartoffeln gesteckt. Es dauert bis zu drei Wochen, bis die Pflanzen aus der Erde kommen, bis dahin sind die Nachtfröste vorbei“, sagt Milosevic. Er weiß: Der größte Anfängerfehler ist die Ungeduld. Vor den Eisheiligen Mitte Mai sollten sich die Kleinbauern hüten – wer vorher schon Zucchini, Kürbis oder Tomaten pflanzt, tut dies nicht ohne ein gewisses Risiko. „Leute sagen oft, sie hätten keinen grünen Daumen. Das ist Quatsch. Über die Zeit lernt man dazu, beobachtet, sammelt Erfahrung. Im Internet kann man sich informieren, zur Parzelle bekommt man bei uns auch einen Aussaatkalender.“ Und wer Hilfe braucht, muss nur fragen.

Für den Austausch untereinander haben die Eichwaldhof-Kleinbauern eine eigene Facebook-Gruppe. Den Ehrgeiz sollen zwei Wettbewerbe wecken: Gesucht werden die größte Zucchini und das schönste Gartenfoto, wenn denn mal alles gewachsen ist und blüht. Für Letzteres kann bei Facebook abgestimmt werden.

Ein Hingucker sollen auch die Bienenwiesen werden. Hierfür können ebenfalls Ackerflächen gemietet werden, die Mitarbeiter des Eichwaldhofs pflanzen dann eine Auswahl heimischer Blumensorten wie Kapuzinerkresse, Lavendel und Schafgarbe und übernehmen die Pflege. „Damit kann man noch etwas Gutes tun“, sagt Maksim Milosevic. Als Masterstudent für Umweltingenieurwesen liegt ihm bei seiner Arbeit auf dem Hof das Thema Nachhaltigkeit am Herzen. An den Blühwiesen haben bereits einige ortsansässige Firmen Interesse gezeigt.

Rehe und Kaninchen soll künftig ein Wildzaun vom Knabbern abhalten, ansonsten ist das Gelände aber für jeden frei zugänglich. Angst vor Dieben und Vandalen haben die Gärtner laut Milosevic nicht. Sie hoffen, dass sich das Hegen und Pflegen lohnt und sie mit einer guten Ernte belohnt werden. (Von Franziska Jäger)

Weitere Informationen zum Mietacker auf der Website des Eichwaldhofs, unter der Telefonnummer 06182 932590 und über die E-Mail-Adresse neubauer@eichwaldhof.com

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