Stadt senkt Wasserpreis und erhöht Abwassergebühr

Ein Nullsummenspiel?

Das ZWO-Wasserwerk Lange Schneise im Seligenstädter Wald speist seinen Bedarf aus 29 Brunnen, die das kostbare Nass aus 25 bis 40 Metern Tiefe fördern. Die Jahreskapazität liegt bei 7,6 Millionen Kubikmetern.
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Das ZWO-Wasserwerk Lange Schneise im Seligenstädter Wald speist seinen Bedarf aus 29 Brunnen, die das kostbare Nass aus 25 bis 40 Metern Tiefe fördern. Die Jahreskapazität liegt bei 7,6 Millionen Kubikmetern.

Seligenstadt – Ob’s ein Nullsummenspiel wird, steht noch nicht fest. Allein, die Seligenstädter müssen sich zum 1. Januar mit höheren Kosten für Schmutz- und Niederschlagswasser anfreunden, dürfen sich aber gleichzeitig über einen gesenkten Wasserpreis freuen. Die Stadtwerke-Betriebskommission hat dem Vorhaben bereits zugestimmt, das letzte Wort hat die Stadtverordnetenversammlung.

In seiner Beschlussvorlage zur neuen Preisgestaltung schlägt der Magistrat folgende Festlegung beim Wasserbezug vor: Der Kubikmeterpreis für Frischwasser soll ab 1. Januar von 1,30 auf 1,11 Euro netto gesenkt werden. Brutto beträgt der Preis zuzüglich sieben Prozent Mehrwertsteuer 1,19 Euro. „Die Notwendigkeit einer Senkung der Verbrauchsgebühr wurde im Zuge der Gebührenkalkulation der Wirtschaftsprüfer-Firma Schüllermann und Partner ermittelt“, begründet dies das Kollegialorgan.

In der Tat hat sich der Preis für das kostbare Nass verändert. Veranlasst durch den Zweckverband Wassererversorgung Stadt und Kreis Offenbach (ZWO), der nach Angaben von Bürgermeister Daniell Bastian den Wasserbezugspreis für die Stadt gesenkt hat. Bedeutet für die Stadt: „Da Gebührenkakulation Gebührenkakulation kostendeckend sein muss, dürfen wir nicht mehr Geld nehmen.“ Zwischenzeitlich entstandene Rücklagen konnten nicht abgeschmolzen werden, also war eine Preissenkung nötig.

Die Abschmelzproblematik ploppte im Dezember 2018 hoch. Da stellten die Schüllermänner fest, dass die Verbraucher in den Jahren 2014 bis 2017 insgesamt 570 000 Euro zu viel an Wassergeld bezahlt hatten. Die Fachleute fanden einen cleveren Ausweg: Zu diesem Zeitpunkt wäre beim Wasserpreis, der sich im Städtchen seit 2009 bei 1,30 Euro pro Kubikmeter plus sieben Prozent Umsatzsteuer befand, wohl schon einige Zeit vorher eine Erhöhung fällig gewesen.

Da die Bürger aber unwissentlich „vorgespart“ hatten, blieb die Wasserversorgungssatzung unverändert, mithin galt weiter der bisherige Preis. Warum? Weil die Beimischung der zu viel gezahlten Gelder in den allgemeinen Gebührentopf einen Preis von 1,30 Euro pro Kubik kostbares Nass ergab.

Ganz anders sieht die Situation beim Schmutzwasser aus. Dort hebt die Stadt die Sätze an, verweist auf große Investitionen in der jüngsten Vergangenheit. Allein das Pumpwerk an der Steinheimer Straße steht mit mehr als fünf Millionen Euro zu Buch. In seiner Vorlage schlägt der Magistrat diese neuen Gebühren für Schmutz- sowie Niederschlagswasser zum 1. Januar vor: Niederschlagswasser wird pro Quadratmeter von 0,49 auf 0,55 Euro angehoben, die Gebühr für Schmutzwasser von 2,50 auf 2,68 Euro je Kubikmeter.

Begründung: Bei der Abwasserentsorgung wird seit Januar 2014 eine unveränderte Gebühr von 2,50 Euro je Kubikmeter und 0,49 Euro je Quadratmeter befestigter Fläche berechnet. Auch in diesem Fall verweist der Magistrat auf die Wirtschaftsprüfer von Schüllermann und Partner, die „die Notwendigkeit einer Anhebung der Gebühren“ ermittelt hätten.

Von Michael Hofmann

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