Chirurg will Sterne-Hotel aus „Mainterrasse“ machen

Nächtigen in Einhard- und Emma-Suite

Mainterrassen-Motiv auf dem Davidoff-Triptychon im Rathaus: Dr. Ahmed Hadidi mit seiner Frau Petra (Mitte), Bürgermeisterin Nonn-Adams (dahinter), Hotel-Direktor Klaus Wolfgang Krense (ganz links) sowie Architektin Esther Radnóczy und Berater Professor Dr. Karl Radnóczy.  (c)Foto: Hampe
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Mainterrassen-Motiv auf dem Davidoff-Triptychon im Rathaus: Dr. Ahmed Hadidi mit seiner Frau Petra (Mitte), Bürgermeisterin Nonn-Adams (dahinter), Hotel-Direktor Klaus Wolfgang Krense (ganz links) sowie Architektin Esther Radnóczy und Berater Professor Dr. Karl Radnóczy.

Seligenstadt - Die Werbung für eine Pilcher-Verfilmung könnte nicht verheißungsvoller klingen: „Weltweit anerkannter Kinderchirurg übernimmt Gastronomiebetrieb mit 500-jähriger Geschichte und verwandelt ihn in ein Vier-Sterne-Hotel und zwei Restaurants“. Von Michael Hofmann

In Seligenstadt ist das bald Realität.

Professor Dr. Ahmed T. Hadidi hat die „Mainterrasse“ erworben und Großes vor mit dem geschichtsträchtigen Gebäudekomplex am Mainufer. Mehr als eine Million Euro will der Leiter der Kinderchirurgie an der Seligenstädter Emma-Klinik und des Sana-Klinikums Offenbach Anfang kommenden Jahres in das dreigliedrige Kulturdenkmal (Barock, Gotik, Neuzeit) in prominenter Lage investieren.

Geplante Eröffnung schon im Mai 2014

Die Chancen stehen gut für den geplanten Eröffnungstermin im Mai 2014, denn bei einem gemeinsamen Termin Ende vergangener Woche sollen Untere und Obere Denkmalschutzbehörde durchaus angetan gewesen sein von den Umbau-Vorstellungen des Mediziners und seiner Planer.

Nach Überzeugung von Bürgermeisterin Dagmar B. Nonn-Adams besteht in der Einhardstadt dringender Bedarf an einem Hotel für gehobene Ansprüche. Immer wieder werde der Mangeln an Hotelbetten deutlich, auch „würden viele Touristen länger bei uns bleiben, wenn sie nur könnten.“

Das neue Konzept sieht den behutsamen Umbau der „Mainterrasse“ in ein Vier-Sterne-Hotel mit 18 Zimmern und vier Suiten vor. Dabei sollen die Räume im neuen „Hotel Main Château“ nicht durchnummeriert werden, sondern Namen aus der Seligenstädter Geschichte erhalten: Einhard- und Emma-Suite, Palatium, Leinreiter, Schlumber oder Löffeltrunk und Maingold.

Das kulinarische Konzept Hadidis sieht eine Zweiteilung vor: Das gehobene Restaurant „Palatium“ und ein mediterranes Restaurant mit erschwinglichen Preisen für Einheimische und Touristen. Zusammen mit seinem Berater, dem Münchener Anwalt Professor Dr. Karl Radnóczy, und dessen Ehefrau Esther, einer Architektin, hat Dr. Hadidi die Konzeption zusammengestellt. „Familienmanagement“, nennt das Dr. Radnóczy lächelnd und spricht von einem „mutigen Schritt“.

Gut bürgerliches Restaurant für Einheimische

Allein die Berücksichtigung der Denkmalschutzbelange dokumentiere die Ernsthaftigkeit des Ansatzes. Dennoch fordere das Seligenstädter Projekt einiges ab, gelte es doch diesen Denkmalschutz mit eigenen Ideen und den geldgebenden Banken in Einklang zu bringen.

„Wir schaffen ein gehobenes, gutbürgerliches Hotel, das nicht abgehoben ist“, betont Dr. Radnóczy. Im „Restaurant Palatium“ finden 30 bis 40 Gäste Platz, die Karte soll frische, regionale und hochwertige Gerichte anbieten. 80 bis 100 Plätze hält das mediterrane Restaurant mit wechselnder Wochenkarte und Sonntags-Brunch bereit. Weitere 120 Gäste finden auf der Terrasse Platz.

Seit sechs Jahren lebt Dr. Hadidi mit seiner Familie in Seligenstadt, fühlt sich der Stadt „seit dem ersten Tag verbunden“. Mit der Investition schafft er sich ein zweites Standbein - „Es gibt in der Kernstadt kein Vier-Sterne-Hotel“ - er legt aber großen Wert darauf, dass er mit seinem Vorhaben der Stadt und der Region auch als Bewahrer dieses Gebäudes „etwas Bleibendes“ (zurück-)geben möchte.

Dr. Hadidi behandelt kleine Patienten aus der ganzen Welt, ihre Familien äußern nach dem Eingriff oft den Wunsch, länger in der geschichtsträchtigen Einhardstadt zu bleiben. Für sie sind Hotel und Restauration geeignet, aber auch für Tagungen, Workshops und Kongresse. Für 2015 kündigt der Chirurg den „1. Internationalen Seligenstädter Hypospadie-Workshop“ an. Hypospadie ist die angeborene Fehlbildung der Harnröhre bei männlichen Neugeborenen, und Dr. Hadidi ist Spezialist in der Behandlung.

Schaffung von 20 Arbeitsplätzen

Die Einbeziehung regionaler Erzeuger und Produkte in die Speisekarte kündigt der künftige Hoteldirektor Klaus Wolfgang Krense an. Er hat in Südamerika gearbeitet, war lange Zeit selbstständig, im früheren Intercontinental-Hotel Leipzig beschäftigt und zuletzt als „Senior Consultant“ Berater der privaten Hotellerie. Krense gefällt der Vergleich der Restaurant-Servicepalette mit einem Flugzeug: Für jede Klasse sei ein Angebot dabei. Beim Hotel stehe Individualität an erster Stelle. Im Betrieb sollen bis zu 20 Personen Arbeit finden, ein Drittel davon Auszubildende (Koch, Hotel- und Restaurant-Fachleute).

Im Mittelpunkt der kurzfristig geplanten Umbau- und Strukturmaßnahmen am Mainufer stehen die Erneuerung des Dachs und der Ausbau des Dachgeschosses, die Neugestaltung des Eingangsbereichs und des Hofs mit Blick auf das angrenzende Palatium, die Stauferpfalz aus dem 12. Jahrhundert, sowie die Modernisierung der Zimmer und der Haustechnik (Blockheizkraftwerk, Elektrizität, Sanitäranlagen). Also jede Menge Arbeit, auch für die örtlichen Handwerker, wie Dr. Karl Radnóczy ankündigt.

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