Arbeitsgemeinschaft engagierter Abiturienten

Einhardschüler übernehmen Patenschaft und Instandhaltung vom jüdischen Friedhof

Einsatz für jüdisches Leben in Seligenstadt: Lehrerin Barbara Koch, Schulleiter Dieter Herr, Klaus Werner sowie Gisela Meutzner (rote Jacke) mit ihren AG-Schützlingen (von links) Marie Haas, Lena Zawada, Anastasia Dimitriou, Josephine Petrovic, Christian Mohrig, David Hövels und Katharina Nüßlein
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Einsatz für jüdisches Leben in Seligenstadt: Lehrerin Barbara Koch, Schulleiter Dieter Herr, Klaus Werner sowie Gisela Meutzner (rote Jacke) mit ihren AG-Schützlingen (von links) Marie Haas, Lena Zawada, Anastasia Dimitriou, Josephine Petrovic, Christian Mohrig, David Hövels und Katharina Nüßlein

Zwei Gärtner, eine Leiter, einen Sack Blumenerde, ein paar Werkzeuge und einen Baum – mehr brauchte es nicht, um dem Seligenstädter jüdischen Friedhof neuen Glanz zu verleihen. Außer vielleicht ein paar engagierte Einhardschüler. Deren Arbeitsgemeinschaft (AG) zum jüdischen Leben in der Einhardstadt kümmert sich um den Baum - und noch viel mehr.

Seligenstadt – Die Aufgabenliste, die der 19-jährige David seinen Mitschülern im Klassenraum der Einhardschule in Seligenstadt vorliest, hat noch mehr Punkte als die Baumpflege. Sie reicht von einer Patenschaft für den Friedhof bis hin zur Planung einer digitalen Führung zum jüdischen Leben in Seligenstadt. Obwohl die AG nur aus wenigen Oberstufenschülern besteht, hat sie also alle Hände voll zu tun.

Wenn deren Leiterin Gisela Meutzner ihren Ordner aufschlägt, wird rasch deutlich, worauf die AG ein besonderes Augenmerk legt. Er ist gefüllt mit Berichten von Zeitzeugen des Nationalsozialmus. Mehrere von ihnen, darunter Persönlichkeiten wie Heinz Hesdörffer oder Éva Fahidi-Pusztai, waren bereits zu Gast an der Einhardschule und haben den Schülerinnen und Schülern von ihrer Vergangenheit berichtet.

Geburtsstunde der AG an der Einhardschule in Seligenstadt

Hesdörffers Besuch vor zwei Jahren war zugleich die Geburtsstunde der Schul-AG. Er hatte erwartet, dass alle Schüler vorher sein Buch lesen. Dies war grundsätzlich eine sinnvolle Idee; bei mehreren hundert Schülern, die ihm zuhören sollten, erwies sich die Umsetzung indes als nahezu unmöglich. Eine kleine Gruppe von damals 13- und 14-Jährigen zeigte jedoch das nötige Engagement, das Buch zu lesen. Sie trafen sich, um sich mit Hesdörffer und später mit anderen Zeugen auszutauschen und Bücher zu lesen – die AG war geboren, wenngleich noch nicht offiziell.

Zunächst fanden die Treffen bei Gisela Meutzner zuhause und – untypisch für eine Schul-AG – sogar in den Ferien statt. Und Schüler, die sich freiwillig in den Ferien engagieren, interessieren sich wohl wirklich dafür.

Nach und nach begann die Gruppe, die jüdische Geschichte Seligenstadts aufzuarbeiten. Eine Umfrage der AG an der Schule bewies, dass mehr als die Hälfte der Befragten tatsächlich wusste, was sich hinter der Mauer an der Einhardstraße verbirgt – der jüdische Friedhof. Um den kümmert sich die Gruppe ebenfalls. Umso erschreckender, was die AG bei regelmäßigen Aufräumarbeiten gefunden hat. Mehrfach ergab sich der Eindruck, dass einige Seligenstädter ihre Restmülltonne übergangen und den Hausmüll stattdessen auf Friedhof oder Synagogenplatz geworfen hatten. Von Zigarettenstummeln über eine Felge, ein Küchenmesser und eine Fleischwurst bis zu einem zusammengeknüllten – vermutlich weniger gut ausgefallenen – Vokabeltest war schon alles Mögliche zu entsorgen.

Rücksichtsloses Verhalten auf dem jüdischen Friedhof in Seligenstadt

Solch skurrile Funde wirken auf den ersten Blick vielleicht lustig, doch den Schülern wäre es am liebsten, überhaupt keinen Müll auf Friedhof oder Synagogenplatz zu finden. Inzwischen lasse das rücksichtslose Verhalten aber nach, heißt es.

Deren Ziel war lange eine Patenschaft der Einhardschule für den jüdischen Friedhof – damit sich auch in Zukunft Schüler an der Instandhaltung beteiligen können. Dieser Wunsch wurde der AG beim Pflanzen des Baums gewährt. Etwa 20 Zuschauer fanden sich dazu ein. Nicht nur die Klarinettenmusik, die da erklang, vor allem das Engagement der Schüler stimmte die Besucher, darunter Schulleiter Dieter Herr, positiv. Lob gab es auch von Klaus Werner, Landesverband der jüdischen Gemeinden. Er betonte, die Patenschaft müsse unterstützt werden. Mit der Baumpflanzung ist ein wichtiger Punkt abgehakt. (Von Lucy Gruß)

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