Photovoltaikanlagen-Streit am Beispiel der Delp-Betreuung

Einsparungen mit Sol 330

Betreuungs-Neubau der Alfred-Delp-Schule in Froschhausen: Eine Photovoltaikanlage unverschattet auf dem Flachdach unterbringen.
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Betreuungs-Neubau der Alfred-Delp-Schule in Froschhausen: Eine Photovoltaikanlage unverschattet auf dem Flachdach unterbringen.

Seligenstadt – Kleinere Kommunen sind mit einer kompletten Energiewende oftmals überfordert, dennoch gelten Photovoltaikanlagen als Lackmustests. Auch in Seligenstadt. Für die einen freilich mehr, für die anderen deutlich weniger. So versuchen die Grünen mit Verweis auf das Klimaschutzkonzept von 2013 und das Erneuerbare-Energien-Postulat jede auch nur halbwegs geeigneten städtischen Dachfläche mit einer Anlage zu beplanen, während vor allem die Rathausspitze zwar grundsätzlich nichts gegen auf diese Weise gewonnene Energie hat, die Aufbauten aber lieber privaten Investoren überlässt und sich mit einem Pachtzins zufrieden gibt. Auch die Erweiterung der Schulbetreuung der Alfred-Delp-Schule in Froschhausen war in diesem Punkt lange strittig, verlor sich schließlich in Details wie den Grad der Verschattung durch Bäume in der Nähe. Der Streit endete zunächst ohne Fotovoltaik-Anlage. Doch zuletzt eine überraschende Wende: Nach der Aussetzung der sogenannten Drittelfinanzierung übernimmt der Kreis Offenbach nun doch die Betriebs-/Bewirtschaftungskosten der Betreuung. Heißt für Froschhausen, wohl auch die Investition in eine Anlage. Wenig verwunderlich, dass die Seligenstädter Dreier-Koalition auf dieser Grundlage jüngst einen Antrag vorlegte, nach dem der Magistrat mit dem Kreis entsprechende Gespräche führen soll. In der Begründung heißt es, das neue Gebäude werde nach Fertigstellung in den Besitz des Kreises übergehen, dem ja auch das Grundstück gehöre, „und deshalb ist es Aufgabe des Kreises, auf dem Dach des Gebäudes eine Photovoltaik-Anlage zu installieren.“ Die Initiative fand einhellige Zustimmung im Plenum, allein die Redebeiträge sprachen eine andere Sprache: Während SPD-Fraktionschef Marius Müller betonte, seine Fraktion setze sich schon lange für Solaranlagen ein, und der Antrag sei ein positives Zeichen, hatten die Grünen nur beißende Kritik übrig. Zwar habe ihre Fraktion ebenfalls zugestimmt, doch sei die Initiative schlichtweg überflüssig. Schließlich habe sich herausgestellt, dass der Kreis von Seiten der Stadt schon vorab angeschrieben worden sei.

Gerade bei der Alfred-Delp-Schule, so Adina Biemüller, habe ihre Fraktion das Ziel Photovoltaikanlage mit großer Vehemenz verfolgt, doch seien alle Initiativen „in schöner Regelmäßigkeit mit Alibibeschlüssen vom Tisch gewischt und dafür gesorgt worden, dass stattdessen Investoren zur Umsetzung gesucht werden sollen.“ Dafür habe die Stadt „hohe Fördermöglichkeiten als eine der 100 Kommunen für den Klimaschutz“ verschlafen. Ein nun vorliegender Bericht verdeutliche jedenfalls dass eine ausreichend große Anlage größtenteils unverschattet auf dem Flachdach untergebracht werden könne, um die Bewirtschaftungskosten der Betreuung zu reduzieren. Inzwischen sei es natürlich sinnvoll, dass der Kreis selbst eine Photovoltaikanlage installieren sollte. „Rein wirtschaftlich betrachtet, wird er das vermutlich auch tun, da dies auf den meisten Schulen mittlerweile sowieso Standard ist.“

Der Bericht, der auf Initiative der Grünen erarbeitet wurde, besagt, dass die Anlage Sol 330 Wp zur Modellrechnung für ein rund 250 Quadratmeter großes Flachdach herangezogen wurde. Die Kosten für die Anlage werden mit 60 000 Euro inklusive Gerüstkosten und Blitzschutz angegeben, die laufenden Instandhaltungs- und Versicherungskosten mit 600 Euro pro Jahr. Bei einem Stromverbrauch von rund 15000 Kilowattstunden (KWh) pro Jahr entstehen ohne PV-Anlage Kosten in Höhe von 3700 Euro. Die Sol 330 produziert etwa 25600 KWh im Jahr. Durch die Stromeigennutzung können pro Jahr 2600 Euro eingespart werden, durch den Verkauf des überschüssigen Stroms 1200 Euro.

Von Michael Hofmann

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