Einst gab es schon massive Überschwemmungen

Stadtparlament gibt Fließpfad- und Starkregenkarte in Auftrag

Problematischer Starkregen
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Problematischer Starkregen: Um auf mögliche Überschwemmungen künftig besser reagieren zu können, soll eine Starkregenkarte erstellt werden.

Die schockierenden Hochwasserbilder aus dem Ahrtal in Rheinland-Pfalz, die Spuren der dortigen Verwüstung und die mühsamen Versuche, das Ausmaß der Zerstörung einzudämmen, haben auch in der Einhardstadt für besorgte Gesichter gesorgt.

Seligenstadt – Die Stadtverordnetenversammlung beschloss nun, beim Land Hessen die Modalitäten für die Erstellung einer Fließpfadkarte zu eruieren „und, sofern ohne größeren Aufwand möglich, auch unverzüglich zu beauftragen“. Dem entsprechenden Antrag der CDU/FDP-Koalition stimmte das Plenum ebenso zu wie einer Ergänzung von Grünen und SPD, auch eine Starkregen-Gefahrenkarte in Auftrag zu geben. Letztere kann bis zu 100 Prozent bezuschusst werden.

Als langjähriger Stadtbrandinspektor begründete Stadtverordnetenvorsteher Richard Georgi (CDU) höchstpersönlich den Koalitionsantrag. Demnach ist die Stadt planerisch gut vorbereitet, der Pegel Obernau ein guter Indikator. Doch sei ein Thema nicht beachtet worden: Starkregen!

CDU und FDP erinnern an Überschwemmungen in Seligenstadt vor mehr als 60 Jahren

In ihrer Begründung verweisen CDU und FDP darauf, dass es in der Stadt vor mehr als 60 Jahren aufgrund von Starkregen zu einer massiven Überschwemmung gekommen sei, bei der das damalige Kreiskrankenhaus an der Dudenhöfer Straße in Mitleidenschaft gezogen worden sei. „Die Situation ist durch die seitdem stattfindende Besiedelung und die klimatischen Veränderungen eher schwieriger geworden. Auch in Seligenstadt kann es in bestimmten Gebieten aufgrund von Wetterereignissen zu erheblichen Überflutungen/Überschwemmungen kommen.“

Um diese Gefahren besser beurteilen zu können, sei im ersten Schritt eine sogenannten Fließpfadkarte notwendig. Diese stellt dar, wo im Fall von extremen Regen-/Naturereignissen besonders gefährdete Gebiete entstehen. Erst nachdem eine solche Karte erstellt wurde, könne in einem zweiten Schritt für die besonders gefährdeten Gebiete ein Maßnahmenkatalog erstellt werden. Auf jeden Fall, so Grünen-Politiker Detlev Debertshäuser, sollte zudem eine Starkregen-Gefahrenkarte beauftragt werden, da für Orte mit größeren bebauten Flächen die Fließpfadkarten alleine nicht ausreichten.

Starkregen-Gefahrenkarten berücksichtigen auch kleinräumige Strukturen

Dort werden neben der Topographie und der Landnutzung (Wald, Landwirtschaft, Wohnen) auch Senken und Gräben sowie kleinräumige Strukturen wie Gartenmauern, die den Oberflächenabfluss beeinflussen, berücksichtigt. Starkregen-Gefahrenkarten werden durch Ingenieurbüros anhand der Daten des Hessischen Landesamts für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG), die frei zur Verfügung stehen, erstellt und können zusätzlich zu den Fließwegen auch Senken darstellen, in denen sich Wasser sammeln kann, und die Wassertiefe, die bei einem angenommenen Starkregen entstehen kann.

Mit einer Starkregen-Gefahrenkarte kann genau aufgezeigt werden, wo sich das Wasser im Fall eines Starkregen-Ereignisses sammeln würde und welche Gebäude oder Infrastrukturen besonders gefährdet sind.

Feuerwehr Seligenstadt mit Schutzsystem im Hochwasser-Notfall ausgerüstet

Bereits im August hatten die Grünen eine Anfrage zum Thema Hochwasserrisikomanagement an den Magistrat gestellt. Zur Frage nach einem „Schutzbauwerk“ antwortete Bürgermeister Daniell Bastian, die Feuerwehr führe entsprechende Einsatzunterlagen, die bei jedem Hochwasserereignis fortgeschrieben werden. Zudem halte die Wehr „ein mobiles, sandgefülltes Schutzsystem Quickdamm für 400 Meter Länge und einen Meter Höhe vor“. Damit könne beispielsweise „um die mainseitigen Grundstücke des Schleifbachwegs herum bis zur K185 ein provisorischer Schutzzaun errichtet werden“, doch sei das aufgrund der Geländeunebenheiten, vor allem der steilen Böschung des Mainradwegs, recht schwierig.

Auf die Frage nach der Gewährleistung von Binnenentwässerung und Rückstauschutz antwortet der Rathauschef, solche Vorkehrungen könnten sich nur hinter Hochwasserschutzmauern ergeben, entsprechende Barrieren gebe es in der Einhardstadt aber nicht. „Somit entspricht der Wasserstand im Kanalsystem immer auch dem Wasserstand an der Oberfläche. Eine Schutzklappe oder sonstige Verschlüsse in ein solches Kanalsystem einzubauen, wäre somit gehaltlos.“ (Von Michael Hofmann)

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