ADFC-Plakataktion:

„Eisstadt statt Fahrradstadt“

+
Mainuferweg: Schrittgeschwindigkeit auf dem Schild, „Langsam Fahren“ als Schriftzug auf dem Asphalt. „Wann die Schrittgeschwindigkeit anfängt, kann man an vielen kleinen Schildern sehen. Wann sie aufhört, an keinem“, kritisiert der ADFC.

Seligenstadt - Fünf Jahre nach der Ankündigung, Seligenstadt wolle eine „Fahrradstadt“ werden, macht sich Frust beim ADFC breit. Danach sehe es nun wirklich nicht aus.

In einer Art Aprilscherz-Aktion wies die Gruppe Seligenstadt/Hainburg/Mainhausen mit vielen Plakaten und im Internet auf Fehlplanungen oder Mängeln hin. „Vielleicht sollte sich Seligenstadt besser zu einer Eisstadt erklären lassen. Dann könnte man im Rathaus wunderbar darüber philosophieren, wo man denn am besten Eis essen gehen kann, um nicht zum Thema Radverkehrsplanung beraten zu müssen.“ Jaap Knoblich vom ADFC Seligenstadt/Hainburg/ Mainhausen erinnert an die einstige „Fahrradstadt“-Vision und behauptet: „Aus Sicht des ADFC hat sich wenig geändert. In Hainburg und Mainhausen sieht die Situation ähnlich aus.“

Unter dem Motto „Das Radverkehrsnetz in Seligenstadt soll sicherer und attraktiver werden“ kündigte die Stadt in der Tat Anfang April 2011 an, „die vorhandenen Radverkehrsanlagen zu einem attraktiven und sicheren Netz auszubauen.“ Prof. Dr. Jürgen Follmann von der Hochschule Darmstadt wurde im März mit der Fortschreibung des Radverkehrsnetzes beauftragt. „Wir wollen im Kreis Offenbach die Radverkehrsstadt werden“, so Erste Stadträtin Claudia Bicherl damals. Der ADFC bilanziert: Radverkehr werde nach wie vor nicht geplant, sondern, so Jaap Knoblich, „eher dem Zufall überlassen, was durch Anordnung oder Aufhebung von Benutzungspflicht und Ähnlichem entsteht. Wenn wir Fehlplanungen oder Mängeln bei den Behörden melden, werden wir oft ignoriert und nur selten ernst genommen.“

Aus diesem Grund hatte sich der ADFC zu einer Aprilscherz-Aktion entschlossen und Plakate aufgehängt. Ein Internet-Link gibt einen Überblick, zeigt Fotos von neuralgischen Punkten und erläutert im Textanhang die „Sünden“ der Kommunen aus Sicht der Radler. Dies, „damit die Rathäuser und die Bürger einen kleinen Überblick darüber erhalten, was man da so alles ,vergessen’ hat.“ Ihre Kritik äußern die Radfahrer auch grundsätzlich: „Hätte eine Planung stattgefunden, dann wäre man durchaus vorbereitet gewesen, als das hessische Verkehrsministerium 2013 forderte, dass im Westring die Benutzungspflicht des Radwegs aufgehoben werden muss.“ In Tempo-30-Zonen dürfen seit 2001 keine benutzungspflichtigen Radwege ausgewiesen werden. Das bedeute: „Normalerweise müssen Radfahrer die Fahrbahn benutzen“.

Groß, massiv und hip: Die Welt der Lastenfahrräder

Auch hätte man nach ADFC-Überzeugung nicht bis 2014 gebraucht, die Benutzungspflicht in der Tempo-30-Zone „Trieler- und Berliner Ring“ aufzuheben. „Anscheinend hatte das Verkehrsministerium darüber keine Kenntnis“, und der ADFC habe nachgefragt, ob man diese vergessen habe. „Vergessen ist der zutreffendste Ausdruck, wenn man sich genau die Radverkehrsplanung in unserer Region anschaut“.

Damit ihr Aprilscherz auf der Straße auch wahrgenommen werde, hatte die ADFC-Gruppe im Ostkreis „illegal“ eine Reihe von Plakaten aufgehängt. „Nachdem Behörden auch Schilder aufhängen oder hängen lassen, die zum Teil nicht stimmig sind, dachten wir: An diesem Tag dürfen wir uns das auch mal erlauben.“ Eine positive Meldung gibt es allerdings auch, sagt Knoblich: „In Tempo-30-Zonen dürfen wir in unserer Region demnächst legal die Straße beradeln. Wie lange das noch dauern kann? Das kommt darauf an, was man im Rathaus unter ,zeitnah’ versteht. In Hainburg wurde angekündigt, bis zum 30. März die blauen Schilder zur Radbenutzungspflicht an fünf Radwegen in Tempo-30-Zonen zu entfernen.“ (mho)

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare