Personalmangel bei Inklusion

Emmaschule: Kaum Grund zum Klagen

+
Besuch von Landtagsvize Frank Lortz (links) an der Emmaschule: (von links) Susanne Meißner (Leiterin des Staatlichen Schulamtes für Stadt und Kreis Offenbach), Ute Simon (Schulleiterin), Anja Fittkau (stellvertretende Vorsitzende des Schulelternbeirats), Olaf Heeg (Kassenwart des Fördervereins) und Sabrina Brumloop (stellvertretende Schulleiterin).

Seligenstadt - Inklusion, Integration, Elternarbeit, Lehrerversorgung: Viele Themen kamen gestern beim Besuch des Landtagsvizepräsidenten Frank Lortz an der Emmaschule zur Sprache. Von Katrin Stassig

Das Fazit: Abgesehen von kleineren Problemen herrscht in der Schulgemeinde derzeit weitgehend Zufriedenheit. „Momentan können wir nicht klagen.“ Der abschließende Satz von Schulleiterin Ute Simon ist für Frank Lortz „für deutsche Verhältnisse eigentlich das größte Lob“. Der Vizepräsident des hessischen Landtags besucht regelmäßig Schulen im Beritt, um sich vor Ort zu informieren, „ob alles so ist, wie es in Wiesbaden gesagt wird“. Denn „wir sind in Wiesbaden weit weg“, räumt Lortz ein und fordert explizit dazu auf, auch Probleme anzusprechen, sofern es denn welche gibt. Gemeinsam mit Schulamtsleiterin Susanne Meißner suchte Lortz gestern das Gespräch mit Schulleitung, Elternbeirat und Förderverein der Emmaschule in Seligenstadt.

Die Grundschule entstand zu Beginn des Schuljahres 2009/10 durch die Zusammenlegung der ehemaligen Hans-Memling- und der Matthias-Grünewald-Schule und bezog zum Schuljahr 2012/13 den Neubau an der Giselastraße. Knapp 300 Schüler besuchen dort 13 Klassen (plus Vorklasse). Herausforderungen wie Inklusion und Integration hat auch die Emmaschule zu schultern, allerdings nicht in dem Umfang, wie es an manch anderen Schulen der Fall ist. Fünf Zuzüge von Schülern nicht-deutscher Herkunft verzeichnet die Grundschule allein in den vergangenen Wochen. Mit etwa zehn Prozent ist der Anteil von Schülern mit einer anderen Staatsangehörigkeit allerdings insgesamt nicht sehr hoch. Nicht eingerechnet sind dabei die Vorklasse und der Vorlaufkurs, in denen der Anteil naturgemäß bis zu 95 Prozent beträgt.

Probleme bei der Integration gibt es kaum; in der Regel seien auch die Eltern sehr engagiert, berichtet Rektorin Simon. Bei den Flüchtlingskindern ist das mitunter schwieriger, zumal manche Familien wegziehen müssen, weil sie nach ihrem Auszug aus der Gemeinschaftsunterkunft keine Wohnung im Einzugsgebiet der Schule finden. In einem Einzelfall haben Eltern einen Konflikt aus der Unterkunft in die Schule getragen, sodass auch die Polizei eingreifen musste.

Ein wenig Bauchschmerzen bereitet das Thema Inklusion. Zwei Lernhilfe-Schüler werden an der Grundschule unterrichtet, bei drei weiteren wurde ein sonderpädagogischer Förderbedarf festgestellt. Allerdings kann die Schule derzeit nur eine Stelle mit viereinhalb Stunden für die Inklusion besetzen, weil sie darüber hinaus schlicht kein Personal dafür findet. Ob Inklusion gelingt, hängt laut Ute Simon davon ab, ob das Kind sich in der Klassengemeinschaft wohlfühlt und sich nicht als Außenseiter empfindet.

Bilder: Einschulung 2017 in Seligenstadt, Hainburg und Mainhausen

Froh ist die Schulleiterin, dass ab dem kommenden Schuljahr eine halbe Sozialpädagogenstelle eingerichtet wird, die bei Bedarf erhöht werden kann und für die es bereits vielversprechende Interessentinnen gibt. Ab 1. Mai beschäftigt die Emmaschule außerdem zwei Referendarinnen. Für eine Grundschule dieser Größe sei das viel. Der Großteil der rund 15 Lehrerinnen im Stammkollegium arbeitet in Teilzeit, drei befinden sich aktuell in Elternzeit. Viele Projekte an der Grundschule sind nur durch die Mithilfe der Eltern und durch finanzielle Unterstützung von Elternbeirat und Förderverein möglich. Dazu gehört zum Beispiel die Aktion „Rollerkids“ zur Verkehrserziehung, die derzeit läuft. Die Bereitschaft zum Engagement sei grundsätzlich groß, berichtet Anja Fittkau vom Schulelternbeirat, stößt jedoch durch die Berufstätigkeit der meisten Mütter und Väter an Grenzen. Manche nehmen sich Urlaub, um bei mehrtägigen Projekten mithelfen zu können.

Die Betreuung („Die kleinen Strolche“) ist an der Emmaschule in städtischer Hand. „Wir werden oft gefragt, warum wir uns noch nicht auf den Weg gemacht haben Richtung Ganztagsschule“, sagt Ute Simon. Mit der Betreuung bis 17 Uhr sowie AGs am Nachmittag decke die Emmaschule ohnehin schon viele Angebote einer Ganztagsschule ab. „Eigentlich sind momentan alle zufrieden damit, wie es läuft.“ Und solange das so bleibt, spricht für die Schulleiterin wenig dafür, dieses funktionierende System zu ändern.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare