Geschäftsleiter Schmidt weist Grünen-Kritik zurück

Erasmus-Schule: „Nur Toiletten sind privat“

+
Die ehemalige Hans-Memling-Schule

Seligenstadt - Halb Seligenstadt spricht über die Erasmus-Schule, die Interesse am Areal der leer stehenden Hans-Memling-Schule bekundet - Am Samstag nun bezieht die Schule erstmals selbst Position. Vor allem polemische Äußerungen im Vorfeld ärgern die Geschäftsleitung. Von Michael Hofmann 

In der Diskussion über die Zukunft der leer stehenden Seligenstädter Hans-Memling-Schule (HMS) meldet sich erstmals die Offenbacher Erasmus-Schule zu Wort, die sich bekanntlich für eine schulische Nutzung des HMS-Areals interessiert. Geschäftsführer Rolf Schmidt beschwert sich in seiner Stellungnahme freilich in erster Linie über die Seligenstädter Grünen, die mit überaus polemischen Äußerungen („nicht Bildung für alle, sondern Bildung für einige Privilegierte“) an die Öffentlichkeit getreten seien, obwohl sie „zu keinem Zeitpunkt mit uns, der Erasmus-Offenbach-gGmbH, das Gespräch gesucht und auch nicht über die Idee und Konzeption einer Erasmus-Gründung in Seligenstadt gesprochen haben.“ 

Privat, so Schmidt merklich verärgert, „sind bei uns nur die Toiletten.“ Vielmehr handele es sich um eine gemeinnützige Jugendhilfeeinrichtung mit dreisprachigen Krabbelstuben und Kindertagesstätten und einen gemeinnützigen Schulträger in freier Trägerschaft „mit dem öffentlichen Bildungsauftrag einer Grundschule.“ Die Grundschule arbeite ganztägig, auch in den Schulferien, mit nur 25 Schließtagen im Jahr. Mit ihren Äußerungen, so der Geschäftsführer weiter, manövriere sich Grünen-Politikerin Natascha Maldener-Kowolik aus dem Grundsatzprogramm ihrer Öko-Partei („Die Zukunft ist grün“) hinaus. Denn dort heiße es, dass die Schulen in freier Trägerschaft „eine wertvolle pädagogische Bereicherung des Schulangebots darstellen; wir wollen deren Existenz fördern.“

Die Erasmus-Bildungshäuser in Frankfurt und Offenbach, so fügt Rolf Schmidt hinzu, seien 2006 und 2009 mit wesentlicher Unterstützung der Grünen-Dezernentinnen Jutta Ebeling und Birgit Simon entstanden. Offenbachs Ex-Bürgermeisterin Birgit Simon, heute Grünen-Parteivorsitzende in der Lederstadt, sei zudem „bis heute Schirmherrin der Einrichtung.“ Schmidt fügt eine ausdrückliche Einladung an die Seligenstädter Grünen nach Offenbach hinzu, um sich ein Bild von der Einrichtung und ihrer Arbeit zu machen. „Falls der Weg zu weit ist, kommen wir auch gerne ins schöne Seligenstadt.“

Bekanntlich steht die Erasmus-Schule im Kontakt mit Seligenstädter Politikern und dem Rathaus. Ohne auf Zahlendetails eingehen zu wollen sagte Bürgermeister Dr. Daniell Bastian gestern, die Erasmus-Schule sei an einem langfristigen Mietverhältnis interessiert und auch, wie in Offenbach, bereit einen „angemessenen Quadratmeterpreis“ zu zahlen. Dies betreffe allerdings nur den schulischen Bereich, für Krippe und Kita werde keine Miete entrichtet. „Kein freier Träger aus diesem Bereich zahlt in Seligenstadt Miete“, fügte Bastian hinzu und verwies auf die „Wilde 13“, die ein städtisches Gebäude im Zuge des kommunalen Gebührenmodells kostenfrei nutze.

Bilder: Einschulung 2017 in Seligenstadt, Hainburg und Mainhausen

Lesen Sie dazu auch:

Unterschriftenaktion, Schulkonzept, ehrenamtliches Potenzial

Nutzung der Hans-Memling-Schule: Entscheidung im Sommer

Die Geschäftsleitung der Erasmus-Schule, so Bastian weiter, plane auch in Seligenstadt die Gründung einer gemeinnützigen GmbH, habe also keine Gewinnabsichten. Da die Schule über keinen Riesen-Kapitalstock verfüge, sei auch in Seligenstadt eine Anmietung geplant. Die Schule selbst erfahre, wie auch die Freie Schule Seligenstadt-Mainhausen, als sogenannte Ersatzschule eine 75-prozentige Förderung vom Land Hessen, ermögliche entsprechende Bildungsabschlüsse. Das demzufolge auftretende 25-prozentige Delta schließe die Erasmus-Geschäftsleitung mit Spenden und über Schulgeld.

Zu den HMS-Sanierungskosten gibt es im Rathaus noch keine exakte Auskunft. Im Raum freilich steht ein Gutachten der Architektin Gudrun Laber-Vahedi (2013/2014), in dem von drei Millionen Euro die Rede ist. Wie bereits SPD-Fraktionschef Michael Gerheim, so rechnet auch der Bürgermeister in der inzwischen hochemotionalen Diskussion über die HMS-Nutzung „mit einer Entscheidung im Sommer.“

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare