Kartoffeln sammeln mit Traktorenfreunden am Eichwald

Ernten wie anno dazumal

Frank Stritzke steuert den 1962 gebauten Traktor, dem einige Dutzend Kartoffelsammler folgen. Fotos (3): Hampe

Seligenstadt – Ein ungemütlicher Regen ergießt sich über Seligenstadt, just als die ersten Familien mit Kindern in Richtung Kartoffelacker auf dem Gelände des Eichwaldhofs spazieren. Bereits zum siebten Mal haben die Traktorenfreunde zum Erntefest geladen. VON OLIVER SIGNUS

Mit historischen Geräten holen sie Kartoffeln aus der Erde, die Kinder und Erwachsene in Plastiktüten einsammeln. „Wir wollen damit den Kindern zeigen, dass Kartoffeln auf dem Feld und nicht im Supermarktregal wachsen“, erläutert Annemarie Stuckert vom Vorstand der Traktorenfreunde den Hintergrund der Aktion.

Inzwischen hat es aufgehört zu regnen, und so sieht man Dutzende Menschen den Weg vom Eichwaldhof zum Feld marschieren. Während unter großen Schirmen dampfende Kessel mit „Worscht“ vor sich hinköcheln und die Bachgau-Musikanten ihren Instrumenten erste Töne entlocken, steigt Traktorenfreund Frank Stritzke auf einen Deutz D25, Baujahr 1962. Ausgerüstet mit einem 25 PS starken Motor zieht er eine Kartoffelschleuder aus den 1950er Jahren hinter sich her. Nachdem kleinere technische Probleme behoben sind, tuckert der Traktor langsam über den Acker.

Mindestens drei Mitglieder des gastgebenden Vereins schirmen Fahrzeug und Schleuder ab, damit niemand drunter gerät. Vorsicht ist auch vonnöten, denn vor lauter Eifer vergessen kleine wie große Sammler oft, ausreichend Abstand zu halten. Letztlich füllt doch eine recht große Menschenschar das Gelände mit Leben, und mitten auf dem Acker haben sich bereits Jungen und Mädchen um ein klein loderndes Feuer versammelt, um Kartoffeln und Stockbrot zu rösten. Im vergangenen Jahr, sagt Annemarie Stuckert, sind etwa 250 Tüten à fünf Kilo gesammelt worden. Diesmal fällt die Bilanz etwas geringer aus, und die Kartoffeln haben beileibe nicht die Größe des Vorjahrs erreicht. „Zu wenig Regen“, meint Stuckert. In der Tat fallen vom rüttelnden Gitter des Erntegeräts Kartoffeln, die kaum größer als Tischtennisbälle sind. Der Sammelfreude der Kinder tut das keinen Abbruch. Stolz schleppen sie ihre Beute an den Feldrand, wo sie von Eltern oder Großeltern zum Weitertransport in andere Gefährte umgeladen wird.

„Hier erleben die Kinder, wie es früher war, und es macht ihnen Spaß“, sagt Annemarie Stuckert. Viele fröhliche Mädchen und Jungen in matschbeschmierter Kleidung scheinen sie zu bestätigen. Die Kartoffelschleuder ist übrigens längst nicht mehr im Einsatz. „Nicht effektiv genug“, weiß Stritzke.

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