Fähre fährt noch Jahrzehnte

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Die "Stadt Seligenstadt" liegt noch bis Ende April in Erlenbach auf dem Trockenen.

Seligenstadt/Erlenbach (paw) ‐ Dass ausgerechnet zum Frühlingsmarkt die Mainfähre in der Werft liegt und so für Verdruss bei den Geschäftsleuten in der Einhardstadt sorgt, weil dadurch die Kundschaft aus Unterfranken ausbleibt, hat sein Gründe: Ihre Betriebsgenehmigung läuft nach fünfjähriger Gültigkeit am 30. April ab.

Bevor diese durch das Wasser- und Schifffahrtsamt Aschaffenburg wieder um weitere fünf Jahre verlängert wird, muss die Fähre einer gründlichen Revision in der Schiffswerft unterzogen werden. Die Kosten für die Aktion belaufen sich auf rund 50.000 Euro. „Das dafür passende Zeitfenster ergab sich exakt nur vom 11. bis 28. April“, ist von Werner Link, dem Betriebsverantwortlichen der „Stadt Seligenstadt“ zu erfahren. Rund neun Stunden dauerte deren Überführung in das rund 34 Kilometer flussaufwärts gelegene Erlenbach am Main. „Uns kam dabei gelegen, dass im Moment die Berufsschifffahrt auf dem Main wegen Schleusenrevisionen von Klein-Ostheim bis Straubing auf über 560 Kilometer Länge noch bis zum 24. April ruht und wir deshalb mit unserer Schleichfahrt kein Hindernis für die Frachtschiffe darstellten.“ Die Verkehrspause auf dem Fluss ist auch auf der Werft augenscheinlich. Die ist im Moment proppenvoll. Die Schiffseigner (Partikulierer) nutzen die Zeit und lassen ihre Kähne an Land untersuchen.

Bilder von den Arbeiten an der Mainfähre:

Fähre zur Revision in der Werft

Gute Nachrichten, verbunden mit viel Lob, gab es von Klaus Steigerwald, lizenzierter Prüfer und Sachverständiger der Schiffs-Untersuchungs-Kommission (SUK). „Das die Fähre fast vier Jahrzehnte auf dem Buckel hat ist erstaunlich. Keine Beulen, Dellen oder sonstige Schäden sind feststellbar. Nach meinem Dafürhalten ist die Fähre gut, die nächsten Jahrzehnte klaglos ihren Dienst zu verrichten“, attestierte er nach der Ultraschalluntersuchung des Bootskörpers. Mit einer Wandstärke von fast sieben Millimetern sei alles im grünen Bereich.

Prüfer Klaus Steigerwald attestierte dem Bootskörper eine hervorragende Verfassung.

Das hören die Fährmänner der Stadt natürlich gerne. Für sie ist es fast eine Ehrensache bei der Inspektion selbst mit Hand anzulegen. Neben Werner Link ist das Reinhard Bier, Michael Huth und Georg Störger „Wir haben in der Liegezeit unseren Arbeitsplatz auf die Werft verlegt und übernehmen mit rund 500 Stunden einen Großteil der Renovierungsarbeiten an den Aufbauten, Fahrbahndeck, Rampen und im Steuerhaus“, berichtete Link. Insgesamt seien über 40 Positionen abzuarbeiten. Unter anderem werden die beiden Antriebsmotore bei einem Fachunternehmen in Dieburg überholt. „Die wurden vor fünf Jahren eingebaut und haben seither rund 23.500 Betriebsstunden auf den Kurbelwellen.“ Wenn das „gute Stück“ zum Ende des Monats wieder am gewohnten Stammplatz fest macht, zeigt es sich im neuen Anstrich. Die Seligenstädter Mainfähre gehört so selbstverständlich zum Stadtbild, wie die Silhouette der Einhardbasilika oder die Fachwerkhäuser um den Marktplatz. Seit 1971 ist sie in Betrieb. Gebaut wurde sie auf einer Werft in Oberwesel am Rhein. Den Einsatzort Seligenstadt erreichte sie auf abenteuerliche Art. Als bekannt wurde, dass die rheinischen Schiffbauer erhebliche Finanzprobleme hatten, wurde die Fähre regelrecht in einer Nacht und Nebelaktion entführt. Die Aufbauten noch blank, gingen einige beherzte Männer des Bauhofes daran, sie mittels Farbe zu einem Schmuckstück werden zu lassen. Im Mai 1971 gab es die obligatorische Taufe. Wie es bei Wasserfahrzeugen üblich ist, wurde die Fähren von Frauenhand getauft. Die Ehre hatte Anneliese Bruder, Gattin des damaligen Bürgermeisters Fritz Bruder.

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