Fährmann Reinhard Bier: Seit 25 Jahren zwischen Hessen und Bayern unterwegs

Pendeln im Grenzbezirk

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25 Jahre Fährmann: Reinhard Bier (2. v.r.) zusammen mit (v.l.): Stadtwerke-Betriebsleiter Roland Koch, Elke Schmitt vom Personalrat und Bürgermeisterin Dagmar B. Nonn-Adams.

Seligenstadt - Von Reinhard Bier als „Wanderer zwischen den Welten“ zu sprechen, wäre sicherlich übertrieben.

Aber ein Pendler zwischen zwei Ländern ist er auf jeden Fall: Seit 25 Jahren ist Bier Fährmann auf der „Stadt Seligenstadt“, tuckert alle fünf Minuten zwischen Hessen und Bayern hin und her. „Wie viele Kilometer ich in den vergangenen 25 Jahren auf der Fähre zurückgelegt habe, weiß ich nicht. Hin und zurück zu den Anlegestellen sind es jeweils 120 Meter“, erzählt Reinhard Bier. Dabei steuert er konzentriert die Fähre mit zwei Joysticks. Moderne Technik halt. Früher erfolgte die Steuerung des Schiffs von der Führerkabine aus über große Räder und manuelle Kettenzüge.

„Das ging ganz schön auf die Arme“, erinnert sich der Fährmann - der eigentlich gelernter Zimmermann ist. Als es aber dann für ihn die Möglichkeit gab, sich als Fährmann ausbilden zu lassen, nutzte er die Chance. Basis für diese Arbeit ist das Fährmannspatent, das er beim Wasser- und Schifffahrtsamt in Aschaffenburg erwarb. „Es muss bei der Besatzung der Stadt Seligenstadt immer ein Fährmann mit Patent dabei sein. Der ist für die Sicherheit und den korrekten Transport von Passagieren und Fahrzeugen zuständig.“

In 25 Jahren kommt es auch zu Pannen

Dennoch gibt es Abwechslung. Alle zwei Stunden wechselt die Besatzung auf der Fähre. Heißt: Der Kassierer steuert dann, der Fährmann kassiert. Natürlich sind beide für ihre Tätigkeit ausgebildet. Wenn die Strecke auch nur kurz ist, Sicherheit ist wichtig. Vor allem wegen der Strömung im Main. „Dagegen muss mit dem Schiff angearbeitet werden“, sagt Bier. Daher wird die Anlegestelle immer schräg angefahren. Es kommt in 25 Jahren natürlich auch zu Pannen. So gab es eine Situation, in der beide Motoren der Stadt Seligenstadt ausfielen. 300 Meter trieb die Fähre damals in Richtung Klein-Krotzenburg ab, bevor Bier das Schiff stoppen konnte. „Zur Not haben wir natürlich einen Anker, um das Schiff zu fixieren.“ Verbunden mit der Außenwelt ist der Fährmann über Funk, ein Radio spielt auch, eine Heizung sorgt im Winter für die notwendige Wärme im Führerstand.

Aber in den vergangenen 25 Jahren ist natürlich einiges mehr passiert: So erinnert sich Reinhard Bier an einen spektakulären Vorfall. Auf der bayerischen Mainseite wurde ein Auto von Gaunern an der Anlegestelle versenkt. „Da sind wir einen halben Tag lang drüber gefahren, bevor es hell wurde und wir entdeckt haben, dass da etwas nicht stimmte.“ Gott sei Dank waren keine Menschen im versenkten Auto, es wurde wohl irgendwo geklaut und im Main entsorgt.

Zwei Enten haben Anlegemanöver nicht überlebt

Opfer gab es trotzdem: Enten auf dem Main. Oftmals stehen Spaziergänger und Besucher der Stadt an den Anlegestelle und beobachten wie die Wasservögel vor der eisernen Rampe Reißaus nehmen, Sekunden später aber wieder an der Rampe sind. „Die Leute füttern die Tiere hier, deswegen kommen sie immer wieder vorbei“, weiß Bier. In 25 Jahren als Fährmann haben aber zwei Enten die Anlegemanöver der Fähre nicht überlebt. „Es ist ja eigentlich verboten, hier zu füttern. Wenn es aber jemand unbedingt tun möchte, sollte er wenigstens die Tiere nicht zur Rampe locken.“ Reinhard Bier mag seinen Job, selbst nach 25 Jahren. Auch wenn er nicht weiß, wie viele Kilometer er schon auf der Stadt Seligenstadt zurückgelegt hat. Nimmt man 200 Arbeitstage mit acht Stunden im Jahr als Grundlage, sind es übrigens 57.600 Kilometer insgesamt. Das ist mehr als einmal um die Welt. Geschippert mit der Fähre der Stadt Seligenstadt.

Zweiter Seligenstädter Winterlauf

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