Das vornehmste Werk seiner Zeit

+
Dr. Hermann Schefers (links) und Stiftungs-Vorsitzender Peter Laube präsentieren das Seligenstädter Evangeliar.

Seligenstadt - Der 14. März ist der Todestag Einhards. 1172 Jahre nach dem Tod des Stadtgründers wählten die Verantwortlichen des Projekts „Seligenstädter Evangeliar“ diesen Tag, um stolz das Faksimile dieses Werkes offiziell vorzustellen. Von Thomas Hanel

Schließlich geht man davon aus, das Einhard derjenige war, der die Schrift in Auftrag gab. Seit 2006 beschäftigen sich die Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen, die Stiftung Laube, der Verlag Schnell und Steiner, die Sparkassen-Kulturstiftung und die Einhard-Stiftung mit dem Evangeliar.

Das Werk gehörte zu den ersten Büchern der Sakristeibibliothek des Seligenstädter Klosters. Anders als die reich illustrierten Handschriften jener Zeit ist das Evangeliar als eine reine Textschrift gestaltet. „Die Größe und Klarheit der Schrift ist aber außergewöhnlich und imposant“, sagt Peter Laube von der Stiftung Laube bei der Präsentation des Buches im Winterrefektorium vor über 150 Gästen. Das Werk bezeichnete er als das „vermutlich vornehmste“ der Zeit. Mit der Schaffung des Faksimiles sei nun ein langgehegter Wunsch vieler Seligenstädter in Erfüllung gegangen, das Buch selbst in den Händen zu halten.

„Einzigartige Handschrift“

Als „einzigartige Handschrift“ bezeichnete Bürgermeisterin Dagmar B. Nonn–Adams das Werk, das dem 1200 Jahre alten Original mehr als gerecht werde. „Und jetzt ist es wieder in Seligenstadt, erhältlich für alle Bürger“, freute sie sich über das prächtige Kleinod. Zudem betonte sie, dass es sich bei dem Evangeliar um ein bedeutendes Dokument der Wirtschaftsgeschichte der Abtei handele. „Es ist eine großartige Leistung, dies auf den Weg gebracht und es letztendlich vollendet zu haben“, würdigte die Bürgermeisterin den Einsatz aller Beteiligten.

Lobende Worte fand auch Karl Weber, Direktor Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen. „Es ist ein großes Glück, dass dieses Werk die vielen Jahrhunderte überlebt hat.“ Und ein großes Glück sei der „Seligenstädter Geist“, beflügelt von Ehrenamt und guten Ideen, der immer wieder großartige Leistungen vollbringe.

Das Interesse an der Vorstellung des Seligenstädter Evangeliars war groß. Das Winterrefektorium des Klosters platzte aus allen Nähten, viele Gäste mussten stehen.

Der wissenschaftliche Projektleiter Dr. Hermann Schefers brachte den Anwesenden das Werk dann näher. Das „Seligenstädter Evangeliar“ biete ein eindrucksvolles Beispiel für die vollendete Anwendung der karolingischen Minuskel (Bibelhandschrift) als Normschrift im 9. Jahrhundert. „Gestaltet ist es in erlesener kalligraphischer Qualität mit einigen schlichten Initialen“, so Schefers. Einzigartig macht das Werk auch das abgefasste Seligenstädter Zinsregister, die älteste Besitzaufzeichnung des Klosters Seligenstadt. Über 40 Städte und Gemeinden der Region sind dort erstmals urkundlich erwähnt, beispielsweise Hörstein und Alzenau.

Mit geistlichen Gesängen begleitete ein Chor (Christina Bodensohn, Sopran; Geraldine Rohlack, Alt; Momme Rohlack, Tenor; Ludger Schmelz, Bass) unter der Leitung von Regionalkantor Thomas Gabriel die Präsentation.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare