Ein soziales Netz für Seligenstadt

Seligenstadt - Um den Aufbau eines Familienzentrums in Seligenstadt durch Fördermittel anzuschieben, gab eine Mehrheit der Stadtverordneten in der jüngsten Versammlung grünes Licht. Von Sabine Müller

„Damit werden nicht viele neue Leistungen angeboten, sondern schon bestehende gebündelt“, versuchte der FDP-Vorsitzende René Rock einen entsprechenden Antrag seiner Fraktion den Parlamentariern schmackhaft zu machen. Mit diesen Einrichtungen sollen Familien im Alltag ganzheitlich und wohnortnah unterstützt werden. Schon im Sommer hatte die FDP einen ersten Vorstoß in diese Richtung gemacht. „Gemeinsam mit freien und kirchlichen Trägern, hiesigen Unternehmen, Vereinen und Bürgerinitiativen gilt es, für Seligenstadt ein soziales Netz aufzubauen, das über vielfältige Angebote der Kinderbetreuung, Beratung und Bildung, Gesundheitsvorsorge und viele anderen Unterstützungsleistungen ein familienfreundliches Umfeld schafft“, heißt es im Antrag. Das Hessische Sozialministerium fördert diese zentralen Anknüpfungspunkte mit bis zu 12.000 Euro pro Einrichtung und Jahr. „50 Kommunen haben schon mitgemacht“, informierte René Rock, der jetzt darauf drängte, dass auch Seligenstadt finanzielle Unterstützung beantragen solle: „Am 1. März beginnt die nächste Förderperiode.“

Einigen anderen Fraktionen ging das zu hopplahopp. So wunderte sich Gunter Gödecke: „Natürlich sind wir Grüne für ein Familienzentrum. Wenn ein Antrag für solch ein weittragendes Projekt gestellt wird, bin ich es jedoch gewohnt, dass zuvor die Kosten untersucht werden.“ Ein Finanzierungsplan sei auch Voraussetzung, um ins Auswahlverfahren und damit an Fördermittel zu kommen. Insgesamt wiesen die Förderrichtlinien über 20 Punkte auf – „bei diesem Antrag fehlt mir die solide Vorarbeit, er wird auf dem Weg nach Wiesbaden platzen.“

Änderungsantrag der CDU

In einem Änderungsantrag, den die FDP übernahm, hatte die CDU-Fraktion angeregt, die Fördermittel sollten konkret für das schon bestehende Nachbarschaftshaus angefordert werden. Hier sei auch die Kooperation mit der Kita Niederfeld möglich. „Die Ausschussberatungen haben ergeben, dass das Haus schon viele Anforderungen erfüllt“, erklärte Richard Georgi. Alternativ sei zu klären, ob bei der Pfarrgemeinde St. Marien der Wunsch bestehe, sich zum Familienzentrum zu entwickeln.

Die SPD blieb skeptisch. „Auch wenn das Nachbarschaftshaus sehr gut läuft, wird keine Förderung gewährt“, orakelte Nicole Fuchs mit Verweis auf die sehr umfangreichen Richtlinien. Außerdem seien durch das Förderprogramm „Soziale Stadt“ schon Millionen ins Niederfeld geflossen: Die Vorsitzende Heide Wolf bezweifelte deshalb, dass noch weiter investiert werde.

Eine Haltung, die René Rock enttäuschte. „Die SPD war einst die Speerspitze der sozialen Initiativen.“ Er sei sich sicher, dass die Verwaltung die Herausforderung meistere, auch unter Zeitdruck den Förderantrag auf die Beine zu stellen. Wenn man nicht aktiv werde, sei’s eine verschenkte Chance. Über den weiteren Fortgang im Auf- und Ausbau des Familienzentrums soll die Stadtverordnetenversammlung zeitnah schriftlich unterrichtet werden.

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