„Kuss vom Prinzen“

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Narren außer Rand und Ban in Seligenstadt.

Schlumberland - Wenn’s um die Fastnacht geht, dann kennen die Untertanen der Tollitäten im Schlumberland weder Müdigkeit noch Minusgrade. In Gefolge der Weckhex begleiteten sie traditionell den Prinzen zum Prinzesspalais. Von Armin Wronski

Bereits um 7 Uhr und 11 Minuten standen am gestrigen Rosenmontag rund 300 Fastnachtsnarren in Morgenrock oder Schlafanzug auf dem Markplatz und freuten sich darauf, ihr närrisches Herrscherpaar auf den höchsten Feiertag in der fünften Jahreszeit vorzubereiten. Mit großem Trara zog das kunterbunte Völkchen zum Wohnsitz des Prinzen Thomas in den Mainring im Süden der Stadt.

Vorneweg die Weckhex (Bernd Büddefeld). Zu deren Entsetzen war das Bett des Prinzen leer: „Den Prinz, den wollt ich eben wecke, ich gugg in’s Bett - und ich erschrecke - es war leer. Dort lag er nicht, hat er etwa einen Termin am hohen Gericht? Des kann sein net wirklich wahr: heute ist Rosenmontag, der elfte Februar! Endlich in seiner Wohnstub unne hab ich unser’n Prinz gefunne. Er saß dort in seinem Sesselthron vorm Ofe und war dort friedlich eigeschloofe. Hab fest an ihm gerüttelt, dann war er wach und munter - ich bin froh, helau, ihr Narr’n, jetzt isser do!“

Prinz Thomas I macht sich sodann mit seinem Gefolge im majestätischen Weckrufwagen auf den Weg quer durch die Stadt zum Prinzesspalais ihrer Lieblichkeit Christina I in den Trieler Ring. „Drückt mir die Daumen“, seufzt der Prinz und steigt per Leiter hoch zum Schlafgemach seiner Christina. Drei heftige Schläge an den (noch verschlossenen) Rollladen genügen, und schon hört die Narrenschar die liebliche Stimme ihrer verehrten Prinzessin. „Uah, was iss dess im Bett so schee warm, kuschel ich mich mit meim Teddy im Arm. Bin noch gar nett richtig wach - uff der Gass drauss - wass enn Krach?! Hör ich mein Prinz, doo brauch ich kaa Brill.“

Rosenmontag im Schlumberland

Rosenmontag im Schlumberland

Sagt’s und unter dem Jubel der mehreren hundert Närrinnen und Narrhalesen im Schlafrock steigt Thomas in ihre Remise. „Geweckt zu wern von meinem Prinz mit einem Kuss, dass ist für mich ein Hochgenuss.“ Und schon flogen die Kreppel in die Menge der versammelten schlumberländer Untertanen. Allein, nicht nur das runde, gezuckerte Backwerk spendierten das Prinzenpaar Christina und Thomas, sondern für die wackeren Frühaufsteher wurden dazu noch sieben Quadratmeter Kuchen, mehr als 500 Portionen heißer Kaffee und sonstige Schmankerl nebst diverser andere Getränke an langen Tischen an die Untertanen ausgegeben.

„Wir wollen diesen Tag zusammen erleben, lasst durch euren Frohsinn und Narrretei das Städtche´ beben. Seid außer Rand und Band - Selig sei die Stadt genannt - Sellistadt helau!“

Rosenmontag: Umzug in Seligenstadt

Jedes Jahr lockt der Seligenstädter Rosenmontagsumzug mehrere tausend Narren an. Von schrill bis hin zu fantasievoll: Die Vereine überzeugten mit ihren Kostümen und Motivwagen.

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