„Ihr Narren, haltet euch bereit...“

Galasitzung der Harmonie Froschhausen

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Augenschmaus im Bürgerhaus: Die Tanzgruppe „Dance for Harmonie“ mit ihrer Performance „Boxer“.

Froschhausen - „Ihr Narren, haltet euch bereit, Fastnacht ist ´ne schöne Zeit!“ Gemäß der Losung in der Kampagne 2013 saß die Froschhäuser Narrenfamilie am Samstagabend im Bürgerhaus in den Startlöchern - und alle sollten auf ihre Kosten kommen, wobei der Wandel von Akteuren zum Publikum fließend war. Von Sabine Müller

Ein kunterbuntes Programm, bei dem Musik Trumpf war, ging bei den zwei Fremdensitzungen der Harmonie am Wochenende über die Bühne. .

Die Atmosphäre heiter, die Gäste in Schunkellaune. Das war nicht zuletzt dem neuen Sitzungspräsidenten zu verdanken: „Mit euch, da kann mir nix passier´n, kein Deiwel wird sich hier blamier´n, auch wird sich keiner je beschwer´n über unser Amateur´n.“ War auch nicht nötig. So souverän wie Jürgen Kiehl moderierte und das Seligenstädter TGS-Musikcorps unter dem Dirigat von Heinz Seipel musizierte, agierten Tänzer, Sänger, Büttenredner. Auch die Kleinsten zeigten stolz, was sie das ganze Jahr über einstudiert hatten, wie der Kinderchor bewies.

Young und Happy Harmonists

Die anfangs noch piepsenden Young und Happy Harmonists als süße Matrosen kamen mit (Klavier-)Begleiter Johannes Wallbaum schnell in sicheres Fahrwasser. „An der Nordseeküste“ angekommen, schunkelte der ganze Saal mit den kleinen Heins. Die Midis zeigten beim temporeichen Gardetanz in futuristischen Kostümen (Leitung: Melanie und Nadine Böres), dass sie auf Zack sind, und Moni Sticksel als Protokollerin, dass sie nicht auf den Mund gefallen ist.

Sie hangelte sich mit ihrem Rückblick aufs Weltgeschehen am Bau des Netto-Marktes entlang, erinnerte an den geschassten Bundespräsidenten - „der wär noch geblieben und kriegt einen geblasen, also: den Zapfenstreich!“ - und an die Saarlandwahl: Durch das Ergebnis der FDP habe der Begriff Urnengang eine ganz neue Bedeutung gewonnen. Ab Mai zierten die Froschfiguren den Kreisel - „klasse Idee, aber es gibt doch auch scheene Frösch“, im Juni stieg die „große Sause“ zum 725-Jahr-Jubiläum des Dorfes. Im Herbst goss die Chronistin Häme über das Seligenstädter Parkdeck, das zum Steuergrab wurde und freute sich über die Wiederwahl von Obama: „Ein Schoko-Crossie als Präsident macht neidisch.“

Tänzerinnen der Prinzengarde

Dann hieß es „Spots on“, auf den Tischen entfalteten sich die Tänzerinnen der Prinzengarde (Leitung: Nadine Böres) und wirbelten gleich darauf auf der Bühne, dass es den Zuschauern schwindelig wurde. Tanja Malsy und Sandra Sondergeld hatten mit der Minigarde die „Party im Märchenwald“ einstudiert und ließen kleine Waldfeen und Elben in blatt- und efeugeschmücktem Tüll leichtfüßig über die Bretter tanzen. Wer beim Vortrag „Bräutigam“ nicht ganz so laut lachte, fühlte sich wohl ertappt, denn Norbert Burkard berichtete in der Bütt vom Eheleben nach 35 gemeinsamen Jahren: Statt Sexatlas liegt das Gebiss auf dem Nachttisch, und der Traum vom Seitensprung platzt jäh, als die Schöne im Bus dem „Opa“ ihren Platz anbietet, anstatt sich selbst.

Auch die 58. Galasitzung war mit den musikalischen Hochkarätern der Harmonie besetzt: Ein flottes Quartett, gut bei Stimme, das sind die E’eser. Seit 2003 bringen Jenny Malsy, Marie-Christin Simon, Tanja Malsy und Sandra Sondergeld den Saal zum Tanzen, so auch dieses Mal mit Hits wie „Wenn du denkst du denkst“, und in der Hoffnung es möge Männer regnen („It’s raining men“) holten sie noch die „Rescheschärmsche“ raus. Gleich darauf regnete es Federn von der Hühnerschar des Männerballetts. Seit elf Jahren - ein närrisches Jubiläum! - üben sich die Kerle unter Order von Karin Stadler und Nicole Streeb im Spitzen-Tanz. Die Pirouetten der großen, weißen Plüschvögel ließen das Publikum vor Vergnügen gackern.

„Überraschung“ des Abends

Echt Spitze war der Tanz von Solistin Viktoria Wagner (Trainerin: Nadine Böres), die nach der Pause im raffiniert gearbeiteten grün-schwarzen Tanzkleid mit akrobatischen Einlagen glänzte. Für die „Überraschung“ des Abends sorgten (neben Trainerin Jennifer Schultz) Otto Schmitt, Rainer Kemmerer, Prinz Herry I. und Kai Sanmann, die als vier identisch gestylte Mireille Mathieus auftauchten und den „September in Athen“ beschworen, bevor sie sich in Lederhosen-Buben verwandelten und für ihre Schuhplattler begeisterte Pfiffe einheimsten.

Zu exotischen Klängen, in Fransen besetzten Oberteilen und Pluderhosen, brachte die Midigarde mit dem Schautanz „Bollywood“ das ferne Indien nach Froschhausen (Leitung: Sandra Schmitt und Nadine Kiehl), bevor das pikante Spiel mit dem Geschlechter-Wechsel weiterging beim RTL-Quotenhit „Bauer sucht Frau“. „Hapsi“ hatte die Qual der Wahl zwischen „Rasseweib Bärbel“ und der „schönen Odenwälderin“, da steppte sogar die Kuh dazu, und das Publikum honorierte die Show der Harmonisten mit Lachsalven (Leitung: Johannes Wallbaum, Idee und Text: Bernd Rückert).

Bilder der Galasitzung in Froschhausen

Galasitzung der Harmonie

Dass man sich im Fastnachtsrausch leicht in Kobold und weiße Fee vom Kortenbach verwandeln kann, bewies der Dialog von Willi und Angelika Werner, dann ging die Post ab mit MaBaBu & Co., dem zweiten Ass im Ärmel der Harmonie. Hubert Malsy, Karli Bastkowski, Norbert Burkard und Robert Kraft haben sich seit 1975 auf den Bühnen im In- und Ausland einen Namen gemacht und rockten das Bürgerhaus mit der ACDC-Adaption „Hey, was geht ab?“

Trotz später Stunde noch schlagkräftig war die Tanzgruppe Dance for Harmonie mit ihrer Performance „Boxer“, für die auch Prinzessin Nicole II. in den Ring stieg (Leitung: Jennifer Schulz und Jenny Malsy). Und sollte noch irgendjemand Zweifel daran haben, schworen die Hofsänger (Leitung: Johannes Wallbaum) den Saal kurz vor Mitternacht mit den Hymne ein: „Froschhause bleibt doch Froschhause…“

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