Heimatbund-Gala

High-Heels und Minis im Amt

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„Pompöös“: Mischa Buschmann alias Harald Glööckler hält für die beiden Rathaus-Spitzendamen Bicherl und Nonn-Adams interessante Modetipps bereit, etwa High-Heels, Minirock und Netzstrümpfe.

Seligenstadt - Nein, lieber Heimatbund. Das war keine gute Sitzung, das war ein tolles, unterhaltsames, fröhliches Fest der Narretei auf höchstem Niveau! Hut ab! Von Thomas Hanel

Sechs Stunden Programm, das Zuschauer faszinierte, lachen ließ - und einfach nur Spaß machte: Tolle Vorträge, tolle Tänze und herausragende Reden. Das zeichnet die tief in den Schlumbern verwurzelte Fastnacht aus.

Zum Auftakt standen Prinz Thomas I. (Dr. Thomas Schmidt) und Prinzessin Christina (Christina Wettig) im Mittelpunkt. Launig vorgestellt von Heimatbund-Chef Richard Biegel. Die hübsche Prinzessin (Biegel: „Ihre Hobbys sind Kochen, Reisen und Schuhe“) und der standesgemäße Prinz (Biegel: „Kein Sportler, kein Politiker, kein Sänger - ein ganz normaler Kerl“) absolvierten ihre Vorstellung mit Bravour. Prinz Thomas brachte die Aufgabe der amtierenden Narren-Könige im Schlumberland auf den Punkt. „Ein bisschen winke, ein bisschen schwätze - das schöne Gesicht macht das Prinzessche.“ Gehuldigt hat den Tollitäten der Lustical-Chor, Leitung Thomas Gabriel. Zuvor stimmte der Klapperstorch vom Roten Brunnen, Markus Freudenberger, die Gäste auf den Abend ein. Als Sitzungspräsident kündigte Bernd Büddefeld mit launigen Sprüchen alle Programm-Punkte witzig-charmant an.

An Udo Sommer war es, den Reigen der Redner als Protokoller zu eröffnen. Themen aus der Stadt, nett und witzig von ihm verarbeitet, gab es ja genug. Zur Geldbeschaffung schlug er eine Mainwiesen-Hundehaufen-Gebühr oder eine Kreisel-Maut vor. Und natürlich beschäftigte er sich mit den „Bausünden“: „Das unsere Politiker nix wissen, hat uns noch nie gestört. Die wissen ja nicht einmal, wem der Bahnhof gehört.“ Tusch, Riesenapplaus, erste Rakete des Abends. Die kleinen Ballett-Mädchen zeigten, dass sie später einmal alle würdige schlumberländische Prinzessinnen sein werden. Sehr nett anzuschauen, ihr Tanz „Biene Maja“. Sehr witzig auch Karin Fuchs, die ihre Gedanken während des Kirchgangs offenbarte. Platzwahl, modische Ausrichtung der anderen Gläubigen, die vorbereitete Gulaschsuppe für den Mittag und die zu waschende Wäsche. In die Kirche geht sie trotzdem immer noch gern. Nachdem die Midi-Ballett-Gruppe fulminant eine „Brasilianische Nacht“ auf die Bühne gezaubert hatte, der nächste Höhepunkt. Die traditionelle Moritat von Jürgen Zöller, Wolfgang Wettig und Willi Beike. Nichts ließ das Trio mit seinem „Zimterä-zimterä…“ aus. Ob Stromausfall, Rettung einer Entenfamilie durch Heimatbund-Urgewächs Willi Eiles, die Hochzeit eines bekannten Musikers, bei der alle anwesend waren - bis auf den Pfarrer oder Stadträtin Bicherls missglückter Bieranstich in Froschhausen.

Bilder von der Heimatbund-Gala

Heimatbund-Gala zum Auftakt

Auch ganz toll: Die „Zwei Mönche“ Bernd Büddefeld und Ali Peitz („Was Du heute kannst entkorken, verschiebe nicht auf morgen“). Und natürlich der traditionelle Seitenhieb auf Froschhausen, dessen Erschaffung vom lieben Gott als Versuch gewertet wurde. Neue Gesichter auf der Narren-Bühne gab es mit der Fikus-Coverband, sechs jungen Seligenstädtern, die Schunkellieder, Rockmusik und Schlager toll präsentierten. Zuvor der Augenschmaus des Maxi-Balletts mit dem Showtanz „Polizei“. In Hochform präsentierte sich Traudel Höfling als Stadtführerin. Kostprobe: „Die Froschhäuser bekommen jetzt Internet-DSL. Dabei glauben die, das DSL ein neuer Verein ist und treten ein.“ Keinen verschonte sie in ihrer tollen Rede: Elferrat, Stadtpolitik, Parkdeck und ein nächtlich umherlaufender Knöllchen-Schreiber der Stadt - wieder eine Rakete aus dem Publikum im Riesensaal!

Zwei tolle Tänze ließen die Lachmuskeln entspannen, begeisterten das Publikum aber restlos. Das Wagenbauer-Männerballett hatte sich das indische Bollywood-Thema ausgesucht. Und als sie als Zugabe noch den topaktuellen „Gangnam-style“ aufführten, kannte die Begeisterung keine Ende mehr. Und die artistisch-akrobatische Vorführung der Garde I der Fastnachtsfreunde war einfach nur sensationell. Rhythmik, Synchronität und spektakuläre Hebefiguren. Auch Andi „Kühni“ Kühn als Erzengel Gabriel riss zu Lachsalven hin. Genauer Beobachter der Stadtpolitik und Kalauer-König („Jetzt wissen wir, warum Frauen länger leben als Männer: Der liebe Gott rechnet ihnen die Mehrzeit beim Einparken an“)

Und dann Mischa Buschmann als schwuler Modemacher Harald Glööckler. Angetan mit weißem Pelzmantel, goldfarbener Hose und schwarzem Strass-Hemd, gab er unter anderem Bürgermeisterin Nonn-Adams und Stadträtin Bicherl Modetipps vom Feinsten. High-Heels für Bicherl statt „Plattschuhe“ und Minirock und Netzstrümpfe statt langer Röcke und Karomuster für Rathauschefin Nonn-Adams. Es war wirklich sensationell, niemals verletzend - aber unwahrscheinlich witzig. Dazu hatte Buschmann die passenden Begleiterinnen in entsprechender Garderobe auf der Bühne, jeweils mit Maske von Nonn-Adams und Bicherl - das war fernsehreif. Stehend applaudierte das Publikum. Mit einer Gemeinschaftsproduktion von Fastnachtsfreunden, TGS und Heimatbund (Von Abba bis Zappa) ging eine fulminante Sitzung zu Ende. Nicht ohne dass der gesamte Saal die Hymne „Selig sei die Stadt genannt“ gesungen hatte. Dazu auch: Schlumber-Blut...)

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