Fecher, Nord, Rasmussen, Ruppel

Neue Stolpersteine erinnern an Seligenstädter Opfer der NS-Euthanasie

So sehen sie neu aus, die weit verbreiteten Stolpersteine des Kölner Künstlers Gunter Demnig. Foto: WRONSKI
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So sehen sie neu aus, die weit verbreiteten Stolpersteine des Kölner Künstlers Gunter Demnig.

Zum fünften Mal kommt der international bekannte Künstler Gunter Demnig nach Seligenstadt, um Stolpersteine im Gedenken an Opfer des Nationalsozialismus zu verlegen.

Seligenstadt – Mitglieder der Bürgerinitiative Synagogenplatz, die auch die Recherchen besorgt haben, wollen die Aktion mit engagierten Erwachsenen sowie Schülern begleiten und gestalten. Die erforderlichen handwerklichen Vor- und Nacharbeiten führen Mitarbeiter des Bauhofs und der Firma Richard Sprey aus.

Der erste Stein wird am Samstag, 18. Juli, 9 Uhr, an der Mauergasse 17 einzementiert. Von dort geht’s zu Vautheigasse, Kleiner Rathausgasse, Großer Salzgasse und Steinheimer Straße. Es gelten die bekannten Corona-Auflagen wie Mindestabstand und so weiter. An acht Stellen will Demnig insgesamt 13 Steine platzieren; elf weitere verlegt die Bürgerinitiative am Samstag, 8. August, in Eigenregie. Interessierte Bürger sind dazu willkommen.

Seit 2015 werden die Herstellung solcher Stolpersteine, die Überprüfung der Daten und die Ausführung von der gemeinnützigen Stiftung „Spuren Gunter Demnig“ organisiert. Intention ist, Menschen dem Vergessen zu entreißen, die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft geworden sind. Das waren nicht nur Juden, sondern auch Sinti und Roma, Menschen, die aus religiösen oder politischen Gründen oder wegen ihrer sexuellen Orientierung verfolgt wurden, aber auch körperlich oder geistig Behinderte.

Deshalb sollen die Seligenstädter Sophie Fecher, Valentin Nord, Johanna Rasmussen und Jean Ruppel der Nachwelt im Gedächtnis bleiben. Alle vier waren Opfer der sogenannten Euthanasie: Menschen, die von der NS-Ideologie als „lebensunwert“ klassifiziert und getötet wurden. „Aktion T4“ war die offizielle Bezeichnung der Nazis dafür, nach der Adresse der Zentrale, Tiergartenstraße 4 in Berlin. Dies ist auf den Steinen vermerkt. Weitere erinnern an jüdische Mitbürger verschiedenen Alters, die sich teils durch Flucht retten konnten, teils in den Osten deportiert und umgebracht wurden oder irgendwo beim Versuch zu entkommen aufgegriffen und ebenfalls verschleppt wurden.

Mit diesen Stolpersteinen steigt deren Zahl in der Einhardstadt auf stolze 120. Über die Schicksale dieser Menschen wird bei den Verlegungen berichtet; sie sind auch im Buch „Stolpersteine in Seligenstadt“ nachzulesen.

Diese Steine werden ausschließlich mit Spenden finanziert. Jeder Betrag ist willkommen. Alternativ besteht die Möglichkeit, als Pate einen Stein mit 120 Euro zu finanzieren und so das Andenken an einen bestimmten Menschen zu pflegen.

Nähere Informationen dazu gibt Hildegard Haas unter 06182 22793. Die Bankverbindung: Förderkreis Historisches Seligenstadt, Stichwort Stolpersteine, IBAN DE51 5065 2124 0001 1100 48. (mt)

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