Feiern bis der Arzt kommt

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Nicht nur einmal kam der Rettungswagen beim Rosenmontagszug zum Einsatz, um alkoholisierte Besucher einzusammeln.

Seligenstadt (jp) - Eine schöne Fasnachtkampagne unter Regentschaft eines würdigen Prinzenpaares ist zu Ende gegangen. Die folgende Kehrausstimmung, des Schlumbers jährliche Trauerphase, ist weitgehend überstanden.

Anlass genug, um die Bemühungen der Stadt, der Asklepios-Klinik Seligenstadt sowie dieses Jahr erstmalig auch der Organisation Wildhof,hinsichtlich der Behandlung alkoholisierter Feiergäste auf ihre Effektivität hin zu überprüfen. So kamen Vertreter dieser Institutionen zu einer Besprechung zusammen, um Erfahrungen auszutauschen und gleichzeitig Lösungsansätze für die kommenden Jahre abzuleiten. Auch zusätzliche Maßnahmen, dem Problem des unkontrollierten übermäßigen und letztendlich auch gesundheitsschädigenden Alkoholexzess entgegenzutreten, kamen zur Sprache.

Die traurige Statistik von gut 100 Rosenmontagsgästen, die in der eigens hierfür errichteten zentralen Auffangstation im Rathausinnenhof von mehreren Notärzten behandelt wurden, machte eine akute Krankenhauseinweisung von 20 Personen notwendig, berichtet Nikos Stergiou, Ärztlicher Direktor der Asklepios-Klinik. Neun von ihnen mussten stationär behandelt werden oder eine gewisse Zeit auf der Intensivstation verbringen.

Unterkühlung als Folge des überzogenen Alkoholkonsums

Auffällig: Vor allem Jugendliche im Alter zwischen 14 und 20 Jahren wiesen bei Alkoholtests bedenklich hohe Promillewerte auf , was die Ursache für Bewusstseinsstörungen bis hin zur Bewusstlosigkeit war. Erhebliche Unterkühlungen waren eine weitere Folge des überzogenen Alkoholkonsums.

Ebenfalls traurig stimmt Stergiou die Tatsache, dass die zumeist in Gruppen nach Seligenstadt gekommenen Teenager teilweise von ihren Freunden allein gelassen in den Räumlichkeiten der Klinik oder in den Feldbetten im Rathausinnenhof wieder zur Besinnung kamen. Dort mussten sie dann bis zur Abholung durch einen Erziehungsberechtigten verweilen. Die Frage muss somit gestellt werden, ob das soziale Gefüge, welches auch Verantwortungsbewusstsein für die Freunde mit sich bringt, doch eher ein Phänomen vergangener Tage ist.

Bilder zum Rosenmontagsumzug in Seligenstadt

Rosenmontagsumzug in Seligenstadt

Zweifellos eine Verbesserung der Betreuung und Behandlungsqualität konnte durch die Einbindung von Wildhof erzielt werden. Die Organisation ging in der Auffangstation und im Ausnüchterungsbereich der Asklepios Klinik am Montag ihrer ehrenamtlichen Arbeit nach, die Betroffenen und deren Angehörigen im Umgang mit dem traumatischen Ereignis des akuten Alkoholexzesses zu unterstützen. Selbst am Folgetag ermöglichten die Helfer den Jugendlichen und jungen Erwachsenen, sich der Thematik beziehungsweise Problematik des exzessiven Alkoholkonsums zu stellen.

„Wir haben eine für uns überraschende Kooperationsbereitschaft einerseits der Hilfskräfte in der Stadt und in der Klinik vorgefunden. Ebenso haben wir eine Annahme der Hilfsangebote sowohl der betroffenen Teenager als auch der Angehörigen erfahren, die das ehrenamtliche Engagement unserer Mitarbeiter wert war“, sagt Rainer Ummenhofer von Wildhof. Seine Organisation hatte auf Antrag der FDP- Fraktion und mit Zustimmung der Stadtverordnetenversammlung dem Team aus Mitarbeitern der Stadt, der Rettungsdienste sowie der Asklepios Klinik Seligenstadt unterstützend zur Seite gestanden.

Prävention eine größere Bedeutung beimessen

Gewöhnlich eher präventiv tätig und mit der Aktion Halt (Hart am Limit) beschäftigt waren die Diplom-Psychologen überrascht von der Vielzahl der Betroffenen und der Ausmaße des Exzesses. Betroffen stimmte vor allem die sich hieraus ergebenden physischen Folgen, die eine stationäre Behandlung notwendig machten.

Der erfreulichen Tatsache, dass keine größeren Schäden bei den Jugendlichen zurück blieben und die Entlassung in die Obhut der Familien spätestens am Folgetag möglich war, kann jedoch nicht darüber hinweg täuschen - da waren sich alle Gesprächsteilnehmer einig - dass zukünftig der Prävention eine größere Bedeutung beigemessen werden muss.

Dies sei notwendig, um einerseits über die Risiken und möglicherweise fatalen Folgen unkontrollierten Alkoholkkonsums aufzuklären und zum anderen den jungen Menschen klarzumachen, das verantwortungsvolles Handeln im Freundeskreis und verantwortungsvoller Umgang mit Alkohol keineswegs den Gedanken „Party total“ entgegensteht. Vielmehr könne damit der Devise „Party bis der Arzt kommt“ vorgebeugt werden“, erklärt Stergiou abschließend.

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