Frei schwebende Kamera zur Erforschung

„Fliegendes Auge“ im Altarraum der Basilika

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„Fliegendes Auge“ in der Basilika: Es staunen (v.l.): Thomas Laube (Einhardgesellschaft), Dr. Daniele Ferraiuolo, Dr. Alessia Frisetti, Marcus Bayer (Bauverein), Prof. Frederico Marazzi, Eckhard Musch (Bauverein) und Dr. Nicodemo Abate.  

Seligenstadt - Seit Jahrzehnten steht die Erforschung der Seligenstädter Einhardbasilika im Fokus wissenschaftlicher Untersuchungen. Dennoch hat sie noch nicht alle Geheimnisse preisgegeben. Dieser Tage fertige eine freie schwebende Videokamera mehr als 4 000 Aufnahmen an. Von Armin Wronski 

Auf Initiative des Seligenstädter Basilika-Bauvereins besuchte Frederico Marazzi, Professor für mittelalterliche und christliche Archäologie an der Universität Suor Orsola Benincasa in Neapel, mit seinen Mitarbeitern Dr. Alessia Frisetti, Dr. Nicodemo Abate und Dr. Daniele Ferraiuolo die Einhardstadt, um mit moderner Technik die Bausubstanz der „stummen sakralen Schönheit“ zu vermessen. Marazzi wohnt in der Partnergemeinde Piedimonte Matese und gilt ist ein international anerkannte Karolinger-Spezialist.

Zur umfangreichen Ausrüstung der Forschergruppe gehörte ein „fliegendes Auge“. Ausgestattet mit vier Rotoren, einer um alle Achsen frei schwebenden Videokamera, entstanden mit dieser Drohne bis dahin einmalige Aufnahmen im Altarraum und Kirchenschiff. „Allein mit der Kamera wurden mehr als 4000 Aufnahmen angefertigt. Zusammen mit dem Videomaterial des Quatrocopters wird alles zu einer hochauflösenden 3-D-Animation verarbeitet“, berichtet Bauvereins-Vorstandmitglied Eckhard Musch.

Wer und was stecken hinter dieser Aktion? Der Basilika-Bauverein mit seinem engagierten Vorsitzenden Marcus Bayer, die Pfarrei sowie die Einhard-Gesellschaft mit Thomas Laube und anderen kümmern sich darum, dass das Gotteshaus nicht nur als herausragendes Zeugnis karolingischer Baukunst, sondern auch als die Mitte einer lebendigen Pfarrgemeinde wahrgenommen wird. Und dann ist da auch noch die Städtepartnerschaft mit dem italienischen Piedimonte Matese, zwischen Rom und Neapel gelegen, in der ebenfalls Reliquien des Hl. Marcellinus verehrt werden. „Ziel des Basilika-Bauvereins ist nicht nur die Pflege und Instandhaltung der Kirche, sondern auch deren weitere Erforschung und die Erschließung der noch nicht bekannten oder zugänglichen Besonderheiten wie beispielsweise der einmaligen Ringkrypta, die Einhard nach dem Vorbild von Alt Sankt Peter in Rom er richten ließ. Da kommen die Arbeiten von Professor Marazzi, die mit der Diözese und der Denkmalpflege abgestimmt sind, gerade recht“, so Marcus Bayer.

Virtuelles 3D-Modell wird ausgearbeitet

Die vorläufigen Ergebnisse nach fünf Tagen präsentierte die Forschergruppe jetzt vor einem Kreis geladener Gäste im Winterrefektorium. Dazu gehören unter anderem ein zweidimensionales Modell der Kirche und der Krypta; die dreidimensionale Darstellung der Krypta und des Querhauses; die systematische fotografische Dokumentation des Gebäudes als Basis für das dreidimensionale virtuelle Modell sowie Videobilder der Drohne in und außerhalb der Basilika.

Mit dem Datenmaterial wollen Professor Marazzi und sein Team eine virtuelle Rekonstruktion der inneren Basilika erstellen. Dazu wird ein über PC navigierbares virtuelles 3-D-Modell an der Uni ausgearbeiten. Hinzu kommt die Positionierung von QR-Codes, also Infopunkten, in der Kirche, deren Inhalte per Handy abgefragte werden können. Auch um die Vermessung des Außenbereichs mit Laserscanner geht es. „Die gesamte Aktion der Gruppe vor Ort wird im Zuge eines Forschungsauftrags von der Uni in Neapel finanziert. Der Bauverein kam lediglich für die Fahrtauslagen, Kost und Übernachtungen auf“, freuen sich Bayer und Musch. „Wir haben gemeinsam noch große Ziele vor Augen“. Es sei vorstellbar in Seligenstadt ein interaktives, zentrales, europäisches Karolinger-Museum zu errichten“, wagt auch Marazzi einen Blick in die Zukunft.

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