Ein Lager gefunden

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Ali Alrayes (links) und Alaa Dghin, die aus Syrien nach Deutschland geflohen sind, freuen sich über mehr Mobilität: Dank ihres „Paten“ Professor Günter Kahl (Mitte, hinten) konnten Jochen Gollnick und Gernold Vollmer (kniend) von der Radwerkstatt der Merianschule die gespendeten Fahrräder wieder flott machen.

Seligenstadt - Der Aufruf des Arbeitskreises „Willkommen in Seligenstadt“ stößt auf große Spenden- und Hilfsbereitschaft. Von Sabine Müller 

Darüber freut sich der Helferkreis zwar sehr, doch Angebote für die Flüchtlinge mussten auch schon ausgeschlagen werden, weil sie nicht gelagert werden konnten. Jetzt hat die Stadt einen Raum zugesagt. In Seligenstadt leben derzeit 66 Asylsuchende, die der Stadt in den vergangenen Monaten zugewiesen wurden. Um die Grundversorgung und Erstausstattung dieser mittellosen Menschen zu organisieren, hatte sich der „Arbeitskreis Integration“ gegründet. „Er sollte die Hilfsorganisation auf Verwaltungsebene auf die Beine stellen“, erklärt Erste Stadträtin Claudia Bicherl auf Anfrage den Unterschied zum Arbeitskreis „Willkommen in Seligenstadt“, der mittlerweile an die Öffentlichkeit tritt. „Darin engagieren sich ehrenamtlichen Helfer; die Stadt stellt ihnen das Nachbarschaftshaus für Treffen zur Verfügung.“

Dort fand im November eine Informationsveranstaltung statt, bei der von Verwaltungsseite ein neues Gesicht auftauchte: Verena May, die Betül Gülmez-Götzmann im Amt für Soziale Infrastruktur nachfolgt. Diese hatte die 13 Wochenstunden Arbeitszeit nicht mit ihrem Anfahrtsweg aus Dreieich vereinbaren können und nach drei Monaten gekündigt. Verena May sei im Bewerberpool gewesen und habe noch zur Verfügung gestanden. „Sie hat sich schon gut eingearbeitet“, sagt Bicherl.

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Etwa 55 ehrenamtliche Aktive seien jetzt dabei, das geknüpfte Netzwerk auszubauen und zu festigen, berichtet Burkhard Müller, Mitglied der Initiative „Willkommen in Seligenstadt“. Sie bringen sich als Paten ein, unterstützen bei Behördengängen und Arztbesuchen, setzen Fahrräder instand, dolmetschen und helfen beim Eingewöhnen. Auch Begegnungen in Gesprächskreisen oder in Vereinen sollen gepflegt werden. „Der Arbeitskreis setzt sich zum Ziel, den Flüchtlingen nicht nur in materieller Hinsicht zu helfen“, betont Mitorganisatorin Hanne Auer. „Sie sollen sich hier willkommen fühlen und dabei begleitet werden, unseren Alltag und unsere Gepflogenheiten kennenzulernen.“ Da die Menschen aus völlig anderen Kulturen kämen, sei der Spracherwerb die beste Möglichkeit zur Integration: Der Arbeitskreis organisiert Deutschkurse, Nachhilfeunterricht und Praktikumsplätze zur Berufsorientierung.

Der Informationsveranstaltung vorausgegangen war ein Treffen mit dem Team vom städtischen Amt für soziale Infrastruktur und mit Christine Englert, die als Mitarbeiterin des Caritasverbandes Offenbach für den Kreis als Flüchtlingshelferin in Seligenstadt und Mainhausen tätig ist. Dabei wurde auch diskutiert, wie die Kooperation verbessert werden kann. Claudia Bicherl schätzt das Engagement der Ehrenamtlichen sehr, warnt aber vor Aktionismus: Zwar haben sich nach dem Spendenaufruf in den Medien mehr als 500 Bürger gemeldet – „wir sind begeistert von der Welle der Hilfsbereitschaft“, sagt Burkard Müller – doch mancher musste vor den Kopf gestoßen werden, weil die Sachspenden nicht deponiert werden konnten. So blieb die Inhaberin eines Seligenstädter Modegeschäfts auf ihren Wintermänteln sitzen, weitere Bürger hatten warme Kleider aussortiert, die abgelehnt werden mussten. „Da waren ganz tolle Sachen dabei“, bedauert Müller und ist deshalb erleichtert, dass die Stadt jetzt in Froschhausen einen Lagerraum zur Verfügung stellen kann. Die Flüchtlinge seien zwar mit dem Nötigsten versorgt, aber weitere angekündigt. „Für diese brauchen wir natürlich auch noch Spenden.“

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Die Erste Stadträtin steckt in einem ähnlichen Dilemma: Sie ist zurückhaltend mit dem Anmieten von Wohnraum, der ihr unbelegt Mietkosten verursacht. Die zuletzt zugewiesenen Menschen konnten in Wohnungen an der Zellhäuser Straße sowie an der Durchgangsstraße in Froschhausen untergebracht werden. Im März werden weitere Flüchtlinge in Seligenstadt erwartet, die auf einem städtischen Gelände in Froschhausen in Container einziehen sollen.

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