Flüchtlingshelfer spüren Gegenwind

Politische Lage schürt Ängste

Seligenstadt - Seit zwei Jahren gibt es das Sprach- und Begegnungszentrum FLIDUM (Flüchtlinge lernen integrativ Deutsch und mehr) in Seligenstadt. Im Nachgang einer kleinen Feier zum Jahrestag blickt der Arbeitskreis „Willkommen in Seligenstadt“ auf aktuelle Herausforderungen.

Seit der Eröffnung am 12. Juni 2016 an der Kolpingstraße 36 haben hunderte Flüchtlinge aus Seligenstadt, Hainburg und Mainhausen einen der Kurse im FLIDUM belegt. Seit einem Jahr bietet der AK Willkommen auch Kurse in Kooperation mit der Kreis-Vhs an. Die Mietkosten für die Räume übernimmt die Stadt, für den laufenden Schulbetrieb ist der AK nach wie vor auf Spenden angewiesen. Zurzeit laufen nur Ferienkurse, das neue Trimester startet Mitte August.

In zehntausenden Unterrichtsstunden hätten die ehrenamtlichen Lehrkräfte mit Blick auf die Vermittlung der Sprache Erstaunliches bewirkt. Mehr als 80 Flüchtlinge haben nach Angaben der Helfer mittlerweile einen Arbeitsplatz; die ersten Auszubildenden haben ihre Lehre erfolgreich gemeistert.

FLIDUM ist nicht nur eine Sprachschule, sondern in vielerlei Hinsicht ein Integrationszentrum. Sorgen macht den ehrenamtlichen Flüchtlingshelfern die aktuelle politische Situation. Sie löst bei den Flüchtlingen Ängste aus und macht es schwer, Motivation und positives Denken aufrechtzuerhalten. „Wir wissen, dass es zur Frage der Bleibeaussicht unterschiedliche Meinungen gibt – aber ist es deshalb notwendig, geflüchtete Menschen zu beleidigen, zu beschimpfen und mit Bezeichnungen zu belegen, die nicht akzeptabel sind, auch wenn sie von Vertretern und Amtsträgern demokratischer Parteien kommen?“, meinen die Helfer um Koordinator Burkard Müller. Dadurch werde die schwierige Aufgabe der Integration unterlaufen.

Bilder zum Frühlingsmarkt in Seligenstadt

FLIDUM hat mittlerweile über Seligenstadt hinaus Aufmerksamkeit gefunden. Das bezeugen die vielen Besuche von Vertretern anderer Gemeinden. Noch nicht zu einem Besuch motivieren konnte der AK Willkommen nach eigenen Angaben die CDU- und die FWS-Fraktion in der Seligenstädter Stadtverordnetenversammlung. FDP, SPD und Grüne haben sich hingegen bereits vor Ort ein Bild gemacht. (kd)

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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