Marlit Budis hat AK Willkommen vertreten

Flüchtlingshelferin bei Empfang der Bundeskanzlerin

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Im Fundus in Froschhausen hat Marlit Budis auf dem Höhepunkt des Flüchtlingsdramas mitgearbeitet. Dieser Tage vertrat sie den Arbeitskreis Willkommen in Seligenstadt bei einem Empfang der Kanzlerin in Berlin.

Seligenstadt - Verstehen und verstanden werden: Nicht nur für ihre Schützlinge, auch für die ehrenamtlichen Unterstützer von Flüchtlingen gibt es aus Sicht von Marlit Budis kaum etwas Wichtigeres.

Als die Seligenstädterin kürzlich mit 140 anderen Helfern aus ganz Deutschland die Bundeskanzlerin besuchte, hat sie darüber viel gelernt – etwa, dass die der Muttersprache nicht die einzige, vielleicht nicht einmal die höchste Barriere auf dem Weg zur Verständigung ist. In Berlin war die 38-jährige Marlit Budis mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern schon oft. „Es ist eine interessante, lebendige Stadt“, sagt die studierte Kunsthistorikerin. Das Bundeskanzleramt hat sie unterdessen dieser Tage zum ersten Mal von innen gesehen. Mindestens so anregend wie die Führung durch den Amtssitz der Kanzlerin fand sie nach eigenen Worten die Begegnung mit so vielen Gleichgesinnten aus allen Ecken der Republik. „Von der Rechtsberatung für Geflüchtete bis zum Fußballclub“ sei alles vertreten gewesen, berichtet sie – Gelegenheit zum Kennenlernen, für Gedankenaustausch und Vernetzung.

„Alle Ehrenamtlichen schenken ihre Zeit der Flüchtlings- und Integrationshilfe“, sagt Marlit Budis. Sie selbst im Arbeitskreis Willkommen in Seligenstadt, zu dem sie auf dem Höhepunkt des Flüchtlingsdramas 2015 stieß und den sie beim Empfang in Berlin vertrat. „Ich wollte einen Schritt auf die Fremden zugehen“, beschreibt sie ihre Motivation. „Das ist gar nicht so schwer, und die Gastfreundschaft der Menschen aus Syrien, Eritrea, dem Irak oder Afghanistan hat es mir leicht gemacht“.

Anfangs half Marlit Budis vor allem im Fundus, dem Spendenlager des Arbeitskreises neben der Feuerwehr in Froschhausen, bei der Organisation und bei der Ausgabe gespendeter Kleidung. Später kam die Kleiderausgabe für die Notunterkunft in Mainflingen dazu. Sehr viel Zeit hat sie nach eigenen Worten als Mitorganisatorin des Begegnungscafés in Seligenstadt, für Behördengänge und Arztbesuche mit Flüchtlingen investiert. „Da muss man schon ein bisschen auf sich aufpassen, dass es nicht zu viel wird“, hat sie gelernt. Schließlich gebe es auch noch die Arbeit und die Familie.

Und dann ist da das menschliche Moment: „Bei der Arbeit wird man mit unzähligen erstaunlichen, schönen, manchmal auch sehr traurigen oder erschreckenden Situationen konfrontiert“, sagt Marlit Budis. Enttäuschungen, Wut oder Frust gehörten auch dazu. Dankbar sei sie, „so viel Neues dazulernen zu dürfen“. Als besondere Momente habe sie zwei Geburten erlebt, bei denen sie die Mütter – allein geflüchtete Frauen – begleitete: „Da wird man schnell wieder an die wesentlichen, wichtigen Dinge im Leben erinnert.“

Von ähnlichen Erfahrungen berichteten viele andere Ehrenamtliche, die der Seligenstädterin in Berlin begegneten – im persönlichen Gespräch wie auch im Plenum mit der Kanzlerin und bei einer Podiumsdiskussion. Gefallen hat ihr die Offenheit, mit der Angela Merkel auch auf kritische Fragen und Kommentare eingegangen sei, etwa zur Abschiebung von afghanischen Flüchtlingen. „Wir haben direkt mit den einzelnen Menschen zu tun“, sagt Marlit Budis. „Uns fällt es schwer, den Einzelnen einfach fallen zu lassen wegen der vermeintlich übergeordneten politischen Zwänge“. Diskussionsbeiträge hätten große regionale Unterschiede bei der Zusammenarbeit der örtlichen Organisationen und Arbeitskreise mit den lokalen Ämtern gezeigt. Die Kooperation zwischen kommunalen Ausländerbehörden und Bundesstellen, insbesondere dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF), funktioniere offenbar nicht gut.

Deutsch als Fremdsprache unterrichten

Zuhause in Seligenstadt sehen sich die Helferin und ihrer Mitstreiter vom Arbeitskreis derweil vor neuen Aufgaben: Bei deutlich weniger Neuzugängen trete die akute Nothilfe, etwa die Erstversorgung mit Bekleidung, in den Hintergrund. Hilfe sei im Umgang mit der Bürokratie, bei der Wohnungs- und Arbeitssuche gefragt, aktuell bleibe die Sprachvermittlung als „Schlüssel für erfolgreiche menschliche und berufliche Integration“.

Der Fundus in Froschhausen gibt ab Mai nur noch Baby- und Kinderkleidung, außerdem gespendete Haushaltsgeräte und Kleinmöbel ab. Gedacht ist laut Marlit Budis auch daran, ihn für Sozialhilfeempfänger aus Seligenstadt zu öffnen: „In Zeiten der Wegwerfgesellschaft und des Überflusses könnte der Fundus so der ganzen Gesellschaft zugutekommen.“ (zrk)

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