Kreis fordert Rücksichtnahme

Eklat vor Flüchtlingsheim: FDP darf nicht rein

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Verpatzte FDP-Sommertour: (von links): Nischa Veits und Burkard Müller (AK Willkommen), René Rock (MdL), Viktoria Fecher (AK Willkommen), FDP-Kreispolitiker Tobias Kruger, Jutta Schwarz

Seligenstadt - Eklat am Mittwochabend vor der Flüchtlingsunterkunft an der Seligenstädter Einhardstraße. Der Kreis Offenbach lehnt einen Besuch des FDP-Landtags- und -Kreistagsabgeordneten René Rock im Gebäude ab, verweist auf die stark traumatisierten Menschen. Von Armin Wronski

Der Liberalen-Politiker spricht von Ungleichbehandlung und empfindet das als eine Art Hausverbot. Mit großem Unverständnis reagiert der FDP-Landtags- und Kreistagsabgeordnete René Rock darauf, dass der Kreis Offenbach ihm den Besuch der Flüchtlingsunterkunft im Zuge seiner Sommertour verweigert hat. „Dass Landrat Oliver Quilling mir den Zutritt in eine Kreis-Einrichtung in meiner Heimatstadt verwehrt, ist untragbar und nicht nachvollziehbar.“

Immerhin, so Rock weiter, sei es in der Endphase des Bürgermeister-Wahlkampfs Kandidatin Claudia Bicherl und Staatssekretär Michael Bußer (beide CDU) problemlos möglich gewesen, dort vorbeizuschauen und mit den Flüchtlingen Kontakt aufzunehmen. Auch sein Ziel sei es gewesen, sich einen persönlichen Eindruck von der Betreuung durch die ehrenamtlichen Helfer des Arbeitskreises „Willkommen in Seligenstadt“ zu verschaffen. Zudem habe er mehr über die verspätete brandschutztechnische Freigabe des Neubaus an der Einhardstraße erfahren wollen, so der Liberalen-Politiker weiter. „Im Main-Taunus-Kreis standen mir die Türen von gleich zwei Einrichtungen offen. Die dort untergebrachten Menschen und Betreuer zeigten sich erfreut, dass ein Landespolitiker die Flüchtlingsunterkünfte des Kreises in Augenschein nahm.“

Die Pressestelle des Kreises Offenbach verweist indes darauf, dass die Privatsphäre der Flüchtlinge grundsätzlich geschützt werden müsse. Ende letzter Woche habe Tobias Kruger, der Geschäftsführer der FDP-Kreistagsfraktion, im Büro des Landrats telefonisch um Zustimmung für einen Besuchstermin am Mittwoch, 17 Uhr, in der Seligenstädter Gemeinschaftsunterkunft gebeten. Landrat Oliver Quilling (CDU) habe darauf hin nach Abstimmung mit dem zuständigen Dezernenten, dem Kreisbeigeordneten Carsten Müller (SPD), in einem Telefonat mit Kruger persönlich um Verständnis gebeten. Mit Blick auf die teils stark traumatisierten Flüchtlinge, die Anspruch auf Ruhe und Privatsphäre hätten, solle von Fraktionsbesuchen Abstand genommen werden. Das gelte für alle Fraktionen und für alle Unterkünfte.

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Um zu vermeiden, dass die Bewohner sich besichtigt fühlen, seien eigens im Vorfeld für die beiden neuen Gemeinschaftsunterkünfte in Rodgau und Seligenstadt Besichtigungstermine angeboten worden, zu denen auch alle Fraktionen eingeladen worden seien. Im Telefonat habe der Landrat - um dem Informationsinteresse gerecht zu werden - vorgeschlagen, nach der Urlaubszeit, Anfang September, mit jeweils einem Fraktionsvertreter und zusammen mit dem Sozialdezernenten Carsten Müller vor Ort in Seligenstadt einen gemeinsamen Informationsaustausch im Gemeinschaftsraum anzubieten. „Dies wurde im Gespräch akzeptiert.“

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