Großbauten verändern Ortsbild

Ortskern Froschhausen droht zu verschwinden: Bebauungsplan soll helfen

Großbauten wie hier die Seligenstädter Straße 50/52 sollen nicht mehr möglich sein, fordert die CDU und hofft auf einen Bebauungsplan.
+
Großbauten wie hier die Seligenstädter Straße 50/52 sollen nicht mehr möglich sein, fordert die CDU und hofft auf einen Bebauungsplan.

Was kann man tun, um den alten Ortskern von Froschhausen vor dem Verschwinden zu schützen? Letzte Hoffnung ist ein Bebauungsplan.

Seligenstadt – Der alte Ortskern im Seligenstädter Stadtteil Froschhausen droht zu verschwinden. Ob es möglich ist, die Zunahme von Betonklötzen und grellfarbigen Neubauten zu verhindern, ist fraglich. Eine erste Initiative, unangepasste Vorhaben an der Seligenstädter Straße bis Einmündung Luisenstraße sowie Borngasse und Weihergasse mit einer Gestaltungssatzung einzubremsen, zog die CDU-Fraktion im Verlauf der jüngsten Stadtverordnetensitzung zurück.

Eine Expertise des Amts für Stadtentwicklung hatte ergeben, dass auf diesem Wege „nur eine geringfügige Verbesserung“ zu erwarten, ein Bebauungsplan das deutlich effektivere Instrument sei. Das wiederum dürfte zur Folge haben, dass sich die Union in Kürze mit genau diesem Ansinnen erneut ans Plenum wendet.

Der Froschhausener CDU-Politiker Volker Horn hatte in der jüngsten Parlamentssitzung vorgetragen, dass sich das Ortsbild seit Jahren sukzessiv verändere; neue architektonische Formen entstünden, die Zusammenlegung von Flächen sei Grundlage rücksichtsloser Bebauung. Großbauten wie an der Seligenstädter Straße 50/52 fügten sich nicht ein, sondern dominierten die Umgebung. Dem müsse Einhalt geboten werden, „wenn’s nicht schon zu spät ist“.

Horn betonte ausdrücklich, dies sei kein Vorwurf gegen den Magistrat, der in nicht wenigen Fällen eine andere baufachliche Auffassung vertreten habe, aber eben keine Genehmigungsbehörde sei.

Nach Angaben von Bürgermeister Daniell Bastian (FDP) verlagert sich die seit Jahren zu beobachtende verstärkte Bautätigkeit inzwischen aus der Seligenstädter Altstadt hinaus in die Stadtteile, vor allem nach Froschhausen. Bauträger und Investoren seien dort zunehmend fündig geworden, zuletzt auf dem mehr als 2000 Quadratmeter großen Gelände des früheren Gasthauses Zum Lamm.

Ähnlich die Situation an der Friedhofstraße, wo ein Investor ein großes Gelände erworben habe und massive Bebauung plane. Dagegen habe sich die Stadt mit allen Mitteln gewehrt, betont Bastian. Dennoch sehe sie sich mit Anwohner-Vorhaltungen konfrontiert, sie habe ja „nichts dagegen gemacht“. Generell, so Bastian weiter, herrsche das Denken vor, dass Privatleute Flächen mit maximalem Gewinn an Investoren veräußerten, „und dann sollen wir uns darum kümmern, dass dort nur ein Einfamilienhaus gebaut wird“. Oft aber trete das Gegenteil ein.

Das Problem besteht darin, dass in Gebieten ohne Bebauungsplan Analogbebauung möglich ist – ein interpretierbarer Baurechtsrahmen, den das Kreisbauamt als Genehmigungsbehörde großzügig auslege, sagt Bastian. Das bedeute: Maximalmaße hier, maximale Auslastung dort finde beim Kreis Eingang, weil das neue Objekt eben analog zur Umgebung entstehen dürfe. Indes führt dieses additive Vorgehen nach Bastians Ansicht zu massiv kritisierten „Maximalgebäuden wie in Froschhausen“.

Ob Bebauungspläne, von denen es im Seligenstädter Stadtgebiet nur wenige gibt, ein Allheilmittel sind, bezweifelt der Seligenstädter Rathauschef dennoch. Zum einen sei es aus finanziellen und personellen Gründen gar nicht möglich, über das ganze Stadtgebiet Bebauungspläne zu legen, da derzeit mit den Plänen Bahnhof, Steinheimer und Aschaffenburger Straße (jeweils Märkte), dem Jahnplatz und Westring noch fünf im Entstehen seien. Das Beispiel Giselastraße/Eisenbahnstraße habe zudem gezeigt, „dass da keiner richtig glücklich wurde“. (Von Michael Hofmann)

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare