Doppelt so lang wie ein Gelage

Geleitsmahl bei der Ordensbruderschaft vom Steyffen Löffel

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Ordensmeister Dr. Hans-Rolf Flechsenhar (2. v. r.) gratulierte den sechs neuen Mitgliedern der Ordensbruderschaft vom Steyffen Löffel (von links): Dr. Daniell Bastian, Hans-Peter Friedrich Dr. Richard Georgi, Petra Hein, Stefan Selzer und Hermann Stiebitz.

Seligenstadt - Sechs Mitglieder größer ist seit Samstag die Ordensbruderschaft vom Steyffen Löffel zu Seligenstadt. Unter dem Beifall von rund 200 Ordensbrüdern, Ordensdamen und geladenen Gästen leerten beim traditionellen Geleitsmahl im Riesen unter anderem Bürgermeister Dr. Daniell Bastian, Stadtverordnetenvorsteher Dr. Richard Georgi und Basilika-Pfarrer Stefan Selzer den Geleitslöffel. Neben den Seligenstädtern Hans-Peter Friedrich und Hermann Stiebitz unterzog sich mit Petra Hein auch eine Alzenauerin der Zeremonie.

„Man nehme sich für das Gelage wenigstens drei Stunden Zeit“ - dieser Forderung eines Seligenstädter Gastwirts, von Ordensmeister Dr. Hans-Rolf Flechsenhar in einer historischen Speisekarte aufgestöbert, wurde die festliche Zusammenkunft mehr als gerecht. Vom ersten Begrüßungsschluck im Foyer bis zum letzten Trommelwirbel verging fast die doppelte Zeit. Dass keine Langeweile aufkam, stellte schon der Auftritt von Johann Lafer sicher. Im Gespräch mit Richard Biegel hielt der Fernseh- und Sternekoch, seit dem Geleitsfest 2015 selbst Ordensbruder und Löffelritter, sein Publikum mit Anekdoten und den Einsichten eines geerdeten Weltstars bei Laune (siehe „Kaum Raum für ehrliches Kochen“).

Auch später amüsierte der Schöpfer des Emma-Pfannkuchens, weiland beim Löffeltrunk auf dem Marktplatz kreiert, seine Seligenstädter Freunde im lebhaften Tischgespräch. Besonders gut versteht sich Lafer mit den Brüdern Neubauer. Andreas, mit dem der gebürtige Österreicher in seinem Kulinarientempel Stromburg kocht, und Mathias, Fotograf und Co-Autor mehrerer Lafer-Kochbücher. Um das leibliche Wohl der Festversammlung kümmerte sich derweil ein renommierter Kollege: Martin Kotzmann setzte den Gästen im Hauptgang gefüllte Perlhuhnbrust, Rosmarinkartoffeln und Wirsing in Trüffelrahm vor. Als Vorspeise gab es Kartoffel-Bohnensalat, Frankfurter Grüne Soße und Tafelspitz, zum Dessert standen untere anderem Panna Cotta mit Himbeermark, Erdbeeren mit Sahne und Apfeltarte zur Wahl.

Beim Schlemmen Disziplin wahren mussten zumindest die sechs Beitrittskandidaten - galt es doch, dem derben Trunk nach alter Kaufmannssitte gewachsen zu bleiben. Das Potenzial zum gestandenen Ordensbruder brachten die fünf männlichen Probanden nach dem Urteil ihrer Laudatoren auf jeden Fall mit, umso mehr Petra Hein als einzige Dame. Die Chefin auf dem Hofgut Hörstein, Heimat der Seligenstädter Klosterweine, ist nach Worten von Dr. Hans Wurzel diplomierte Weinbauingenieurin und damit ausgewiesene Expertin für den edlen Tropfen, den der neue Löffelwirt Udo Sommer ihr einschenkte. Die Nähe zur grenzhessischen Einhardstadt lebt die über 20 Jahre bewährte Gastgeberin aus Unterfranken seit dem vergangenen Jahr auch räumlich, weil das Hofgut seinen Sitz aus Aschaffenburg endgültig an den Hahnenkamm-Hang gegenüber der Basilika verlegte.

Gleichsam als Muster-Seligenstädter stellte Amtsvorgängerin Dagmar Nonn-Adams den amtierenden Rathauschef vor. Dr. Daniell Bastian, der später im Namen aller Kandidaten für die Aufnahme in den Orden dankte, entstammt einer alt eingesessenen Familie und hat über seinen Vater auch bayerische Wurzeln. Dass die Eltern ohne die Fähre kaum ein Paar geworden wären, hob Nonn-Adams besonders hervor und mahnte ihren Nachfolger zum Gaudium der Versammlung, die Mainüberfahrt nicht zu vernachlässigen. An Heimatverbundenheit mangele es dem Juristen und Familienvater sicher nicht, sei er seiner Stadt trotz beruflichen Engagements in Wiesbadener Ministerien doch stets treu geblieben.

Archivbilder aus dem Jahr 2017:

Geleitsmahl in Seligenstadt: Bilder

Auch Dr. Richard Georgi, früher Feuerwehrchef und jetzt Stadtverordnetenvorsteher, hörte seine Lobrede aus dem Munde eines Vorgängers. Klaus-Peter Sulzmann würdigte das politische Engagement des Christdemokraten seit 2003 ebenso wie sein früheres Wirken als Stadtbrandinspektor und Modernisierer der Feuerwehren. Als Referatsleiter im hessischen Innenministerium trägt Georgi heute landesweit die Verantwortung für die Kommunikation zwischen Hilfsdiensten und Leitstellen. Die Verbindung zu Höherem pflegt dem gegenüber Stefan Selzer. Seit 2012 ist der gebürtige Nordhesse Pfarrer in der Basilika, die ihn laut Laudator Marcus Bayer jetzt vor eine große Herausforderung stellt. Einhards alte Klosterkirche sei nicht nur ein Kulturdenkmal von europäischem Rang, sondern habe auch dringend eine Renovierung nötig.

Dabei helfen kann vielleicht Hermann Stiebitz, der als selbstständiger Handwerksmeister eine Firma für Bodentechnik betreibt. Darüber hinaus zählt Stiebitz nach Worten von Gerhard Hilgers zum Urgestein der Sportfreunde, wo er einst selbst Kicker-Ruhm erwarb, war 2006 Fastnachtsprinz und singt seit einigen Jahren auch im ersten Bass der Gesellschaft der Freunde. Die Fußball-Leidenschaft teilt er mit Hans-Peter Friedrich, der allerdings bei den „Blauen“ von der Sportvereinigung zuhause ist und dort als einer von drei Vorsitzenden amtiert. Auch ist der Versicherungskaufmann ebenfalls Unternehmer, seit 1984 selbstständig und seit 18 Jahren an der Bahnhofstraße ansässig. Dr. Thomas Schmidt, Freund und Weggefährte, kennt „Hape“ Friedrich als ebenso überzeugten wie aktiven Seligenstädter - sei es in der Fastnacht oder beim Kaufmannszug, der nächstes Jahr wieder ansteht. Auf das Geleitsfest 2019 wies auch Löffelmeister Dr. Hans Jürgen Wolfring hin, der die Zeremonie mit Examinator Winfried Gmehling, Protokollant Rudolf Post und Neu-Wirt Udo Sommer am Samstag gewohnt souverän leitete. Für die Musik sorgte ein Blechbläser-Ensemble der Stadtkapelle. (zrk)

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