Gemeinsamer Zug begeisterte 1897 das Schlumberland

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Ferdinand Glaab war 1908 Fastnachtsprinz in Seligenstadt.

Seligenstadt ‐ Fastnacht in Seligenstadt hat eine lange Tradition. Vor 151 Jahren zog der erste närrische Lindwurm durch die Straßen und Gassen, formierten sich erste Wagen und Fußgruppen. Es war die „Gesellschaft der Freunde", die als Ausrichter des Spektakels fungierte. Von Thomas Hanel

Diese Umzüge nahmen aber einen anderen Verlauf als heute: Zuerst fand auf dem Marktplatz die Aufführung eines Theaterstücks statt, das gleichzeitig in das Motto des Zuges einführte. Der erste Zug 1859 thematisierte den „Freischütz", es folgten „Fra Diavolo", „Pretiosa" und „Hänsel und Gretel", um nur einige zu nennen. Der erste Fastnachtszug, der von allen großen Seligenstädter Vereinen gestaltet wurde, zog im Jahr 1897 durch die Gassen der Einhardstadt. „Seligenstadt vor 1000 Jahren, heute und in 1000 Jahren" lautete das Motto. Wie heute der Heimatbund, war es damals die „Gesellschaft der Freunde", die die Vereinsvertreter zur Planung des närrischen Spektakels an einen Tisch luden.

Von diesem Zug existieren noch gezeichnete Bilder. Drei Wagengruppen sind darauf zu sehen, die sich mit „Seligenstadt in 1000 Jahren" befassten und große Visionen offenbarten. Demnach sollte es dann in Seligenstadt eine Handelszeitung geben, einen Stadtkommandanten, eine Handelskammer, ein Opernhaus mit viel Personal sowie eine Börse. Zudem sollte es - eine atemberaubende Vorstellung - in 1000 Jahren eine Damenturnriege geben. Ebenso ein Elektrizitätswerk.

Ferdinand Glaab trat Regentschaft mit Zepter an

Mit dem Fastnachtszug im Jahr 1908 hatte es eine besondere Bewandtnis. Er stand unter dem Motto „Wallensteins Lager“. Prinz war Ferdinand Glaab, dessen Enkel Richard Glaab 1979 zum Fastnachtsprinz gekürt wurde.

Überliefert ist auch eine kleine Episode aus Richard Glaabs närrischer Herrschaft. Prinz Ferdinand Glaab trat seine Regentschaft mit einem Narrenzepter an, einem geschnitzten Bajazzo-Kopf. Dieses Zepter wurde in der Familie Glaab weitervererbt - und so war es für Richard Glaab selbstverständlich, ebenfalls den Bajazzo-Kopf mit sich zu führen. Doch beim Empfang des Prinzenpaares im Rathaus verschwand das wertvolle Familienstück spurlos und wurde trotz eifrigen Suchens nicht mehr gefunden. Fast 20 Jahre später, im Jahr 1997, tauchte es wieder auf: Rudolf Winkler ist dies zu verdanken. Er erfuhr von einer Besucherin aus Hanau, die während des Empfangs aus Jux das Zepter entwendete und es viele Jahre über in ihrer Wohnung aufbewahrte. Als sie erfuhr, wie schmerzlich das Familien-Relikt vermisst wurde, packte sie die Reue und sie gab es der Familie Glaab zurück.

Bemerkenswert auch die Tatsache, dass bei allen Fastnachtszügen seit dem Jahr 1859 ein Prinz Karneval gekürt wurde. Die Tradition der Seligenstädter Fastnacht ist zudem noch viel älter. Übrigens fanden in früheren Tagen die Seligenstädter Fastnachtszüge immer dienstags statt. (Quelle: Auf überwachsenen Pfaden, Chronik der Familie Neubauer, Franz-Friedrich, Peter und Andreas Neubauer.)

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