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Die schönsten Jobs der Welt

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Den Amtseid abgenommen hat Stadtverordnetenvorsteher Dr. Richard Georgi (links) dem neuen Ersten Stadtrat Michael Gerheim.   J Fotos (2): Klemt
Den Amtseid abgenommen hat Stadtverordnetenvorsteher Dr. Richard Georgi (links) dem neuen Ersten Stadtrat Michael Gerheim. © Klemt

Seligenstadt - Wenn Michael Gerheim heute seinen Job im Rathaus antritt, beginnt für Seligenstadts neuen Ersten Stadtrat ein gewöhnlicher Arbeitstag.

Die höheren Weihen, viele gute Wünsche, Vorschusslorbeeren und launige Warnungen hat der 34-jährige Sozialdemokrat bereits am Dienstagabend entgegengenommen: Im voll besetzten Riesensaal legte Gerheim den Amtseid ab, erhielt die Ernennungsurkunde und schickte sich nach eigenen Worten an, in großer Fußstapfen zu treten.
Gemeint waren die Fußstapfen seiner Amtsvorgängerin Claudia Bicherl (CDU), die an der Feierstunde zwar nicht teilnahm, im Verlauf der gut eineinhalb Stunden aber nicht nur von ihrem Nachfolger Dank und Würdigung erfuhr. Auch Bürgermeister Dr. Daniell Bastian (FDP), die Vertreter der drei Bündnisfraktionen SPD, FDP und Freie Wähler zollten der nach zwei Amtsperioden ausgeschiedenen Dezernentin nachträglich Respekt. Dr. Richard Georgi, Stadtverordnetenvorsteher und Parteifreund, bescheinigte Bicherl unter Beifall „vorbildlichen Einsatz für unsere Heimatstadt“.

Da die offizielle Amtseinführung formell eine Sitzung der Stadtverordnetenversammlung war, hatte Georgi nicht nur die Form zu wahren, sondern auch Gastgeber zu sein. Als solcher hieß er unter anderem Nachbar-Bürgermeister wie Alexander Böhn aus Hainburg und den geschäftsführenden Direktor des hessischen Städte- und Gemeindebundes (HSGB), Karl-Christian Schelzke, unter den Zuhörern willkommen. Später begrüßte Schelzke den Mathematiker und Bankfachwirt Michael Gerheim im Kreis der hauptamtlichen Kommunalpolitiker und „im Schatten des Bürgermeisters“. Nirgendwo, betonte Schelzke, komme Politik den Menschen näher als im Rathaus: „Hier sammelt der Bürger die Eindrücke und Erfahrungen, nach denen er den ganzen Staat beurteilt“.

Er selbst wolle nach seinen Taten beurteilt werden, betonte Michael Gerheim in seiner Antrittsrede und skizzierte eine ambitionierte Agenda: Konsequenten Einsatz von erneuerbaren Energien bei städtischen Bauten strebt er ebenso an wie forcierten Wohnungsbau, bevorzugt am Westring und möglichst auch in städtischem Eigentum. Das „Verkehrschaos“ an Sommerwochenenden in der Innenstadt, ausgelöst vor allem durch Touristen und Stadtbesucher, will der neue Ordnungs- und Verkehrsdezernent offensiv angehen und dabei, so kündigte er an, eventuell auf versenkbare Poller zurückgreifen.

Seinem Zweiten Vorsitzenden und Sänger Michael Gerheim gratulierte der Sängerchor der Turngemeinde musikalisch.
Seinem Zweiten Vorsitzenden und Sänger Michael Gerheim gratulierte der Sängerchor der Turngemeinde musikalisch. © Klemt

Dem Rad- und Fußgängerverkehr will Gerheim allgemein mehr Raum gebe - auch bei der bisher umstrittenen Sanierung der Kreisstraße 185 nach Klein-Welzheim - und dabei, daran liege ihm besonders, Bürger und Betroffene einbeziehen. Ganz oben auf dem Verkehrsfahrplan sieht er außerdem den Umbau des Knotens Kapellenplatz und Verkehrsberuhigung in Froschhausen. Nach wie vor eine der größten Aufgaben der Stadtgesellschaft erkennt der neue zweite Mann im Rathaus in den anhaltenden Bemühungen um Integration, die „täglich gelebt werden muss“ und die ebenfalls in seinen Aufgabenbereich als Dezernent fällt. Besser eingehen will er nicht zuletzt auf die jungen Menschen, mehr Jugendtreffpunkte schaffen, und wenn möglich die fast vergessene Kampagne „Bespielbare Stadt“, einst von SPD-Rathauschef Rolf Wenzel angestoßen, wieder in Schwung bringen.

Ermutigt sah sich der neue Dezernent unter anderem von seinem Chef. „Einen der schönsten Jobs der Welt“ habe Gerheim nun auszufüllen, so Bürgermeister Bastian - wenn auch nur befristet, so wie er selbst. Als Profi in der Kommunalpolitik sei man „qua Amt für alles zuständig“, könne „Dinge anstoßen, die man dann auch sieht und die etwas verbessern“. Ruhm, Ehre und Anerkennung erwarten einen Ersten Stadtrat, ergänzte Dr. Georgi in Erinnerung an den jüngst verstorbenen Ehrenbürger und „Altstadtvater“ Hubert Post - „aber meistens erst rückblickend“.

An den oft undankbaren Charakter der Kommunalpolitik konnte sich Michael Gerheim bereits ein Jahrzehnt gewöhnen. 2008 wurde er erstmals Stadtverordneter, 2011 übernahm er den stellvertretenden Fraktionsvorsitz der SPD sowie die Leitung des Ausschusses für Integration, Soziales, Sport und Kultur. 2015 wurde er Fraktionschef der Sozialdemokraten. Auch sonst nimmt er nach Worten von Siegfried Roet, der als Vorsitzender des Sängerkreises Offenbach zum Amtsantritt gratulierte, das Ehrenamt ernst: Im Sängerkreis-Vorstand, als Vorsitzender der hessischen und Schatzmeister der deutschen Chorjugend habe Gerheim prägend gewirkt. Nun übernehme er politische Verantwortung für die „Kulturhauptstadt des Kreises Offenbach“.

Dies als aktiver Teilnehmer und Gestalter, merkte Heimatbund-Vorsitzender Richard Biegel an - vor allem beim Sängerchor der Turngemeinde, wo Gerheim nicht nur singt, sondern auch als Zweiter Vorsitzender hinter Vereinschef Harald Schaub steht. Schaub überreichte seinem Vize nicht nur eine Torte mit Stadtwappen und Rathaus-Silhouette, er hatte auch die Vereinskameraden mitgebracht: Männer- und gemischter Chor des mit 170 Jahren ältesten Seligenstädter Vereins lockerten die Feier unter Leitung von Christoph Dombrowski mit vier Liedbeiträgen auf. (zrk)

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