Gesundes Frühstück, gesunde „Kids“

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Regelmäßige Unterrichtseinheiten zum Thema „gesunde Ernährung/gesunde Zähne“ hat die Seligenstädter Emmaschule im Programm.

Seligenstadt ‐ Wenn unseren Schlaubergern in Berlin oder Wiesbaden mal wieder etwas Tolles eingefallen ist, dann obliegt die Umsetzung immer häufiger den Kleinen vor Ort, den finanzschwachen Kommunen. Von Michael Hofmann

Da gibt's keine Ausreden, sondern eben einen „Rechtsanspruch“ des Bürgers. Das viel gepriesene Konnexitäts- oder Verursacherprinzip - wer anschafft, der zahlt auch - kommt dabei nicht immer in der gewünschten Form zum Tragen. Soll's dagegen mal den umgekehrten Weg gehen, dann verschwinden lästige Initiativen schon mal auf den endlosen Gängen der Ministerialbürokratie. So geschehen beim Projekt „Schulobstprogramm“. Von den Seligenstädter Grünen im März 2010 als Auftrag an die Stadt angestoßen, später als gemeinsamen Appell an Ministerpräsident Roland Koch umfunktioniert, das von der EU initiierte und vom Bundesrat gebilligte Programm doch auch in Hessen umzusetzen. Doch fehlt bis heute jede Resonanz aus Wiesbaden. Dabei hatte die Stadt ausdrücklich auf den Präventivcharakter dieser Aktion verwiesen. Auf Initiative der FDP trug die Stadt im Sommer 2010 die Schulobst-Initiativen an den Seligenstädter Schulen zusammen.

Seligenstadt winkt ab

Der daraus resultierende Magistratsbericht liegt nunmehr vor. Für die Stadt selbst ist „ein Eingreifen in diese Bereiche nicht nur aufgrund der Zuständigkeiten problematisch, sondern vor allem auch aufgrund der fehlenden personellen Kapazitäten.“ Mit Verweis auf die vom Land Hessen ständig erweiterte Palette sei die Übernahme weiterer Aufgaben schlicht unmöglich. Beim Schulobst aktiv werden, so die Stadt, müssten die Behörden: „Das gilt zum einem für das Land, das für Lerninhalte und Unterrichtsgestaltung verantwortlich zeichnet, sowie für den Kreis Offenbach, der nicht nur Schulträger, sondern auch zuständig für die Gesundheitsprävention ist.“ Auch „hinsichtlich eines etwaigen eigenen finanziellen Engagements“ winkt Seligenstadt angesichts der angespannten wirtschaftlichen Situation ab. Zudem existiere keinerlei rechtliche Verpflichtung. Allerdings werde die Stadt bei ihren Schulbetreuungen an Konrad-Adenauer- und Emmaschule „selbstverständlich weiterhin darauf achten, dass eine ausgewogene Essensversorgung angeboten wird.“

Die Schul-Initiativen im Überblick:

  • Die Walinusschule in Klein-Welzheim teilte mit, dass jährlich in allen Klassenstufen Projekte zur gesunden Ernährung in Kooperation dem jugendärztlichen Dienst des Kreises Offenbach durchgeführt werden.
  • An der Alfred-Delp-Schule in Froschhausen gab's bislang keine Aktivitäten, um den Schülern am Vormittag regelmäßigen Zugang zu kostenlosen Obst zu ermöglichen. Allerdings sorge der Förderverein am Nachmittag dafür, „dass immer Äpfel für die Betreuungskinder zur Verfügung stehen.“ 
  • Die Merianschule hält neben den (kostenpflichtigen) Angeboten des Schulkiosks keine kostenlosen Schulobstangebote bereit. Schulleiter Wolfgang Glänzel wies darauf hin, dass frühere Versuche kostenloses Obst zu verteilen bei den Schülern auf keine Resonanz gestoßen seien. Er persönlich sei der Meinung, dass die Versorgung mit Obst durch die Eltern geregelt werden sollte, da diese den individuellen Geschmack ihres Kindes am besten einschätzen könnten und es dann nicht so häufig zu einer Wegwerfmentalität komme.
  • Die Konrad-Adenauer-Schule hat diese Angebote und Initiativen zum Thema gesunde Ernährung: Im Zuge der Ganztagsschule kümmert sich eine Lehrerin darum, einmal wöchentlich Obst von der „Tafel“ zu erhalten. Die Kinder der städtischen Betreuung erhalten über die von den Eltern entrichtetes Essensentgelte (51 Euro/Monat) zweimal pro Woche frisches Obst. Darüber hinaus gebe es regelmäßige weitere Aktivitäten wie das „gesunde Frühstück“ mit Kindern und Eltern, die Prophylaxeberatung durch den zahnärztlichen Dienst des Kreises und Unterrichtseinheiten zur Ernährung und Zahnpflege. Zudem gebe es die vom Rotary-Club gesponserten Projekttage „Gesunde Kids“. Der Rotary-Club liefert frische Lebensmittel, aus denen die Kinder sich dann ein gesundes Pausenbrot selbst zubereiten können. Dazu gibt es entsprechende Informationen und Merkblätter.
  • Nach Angaben der Freien Schule ist dort von Anbeginn ein gemeinsames Frühstück mit Obst, Gemüse und Milch obligatorisch.
  • Die Don-Bosco-Schule betonte, wie fast alle Schulen, ihr grundsätzliches Interesse am kostenlosen Schulobstprogramm. Vor allem die Berufsvorbereitungsklasse mit hohem Praxisanteil könnte über den von ihr betriebenen Schulkiosks die Obstverteilung organisieren.
  • Die Emmaschule teilte mit, dass im Zuge der Gesundheitsprävention regelmäßig eine Unterrichtseinheit zum Thema „gesunde Ernährung/gesunde Zähne“ mit dem Arbeitskreis Jugendzahnpflege stattfinde. Darüber hinaus gebe es zum jährlichen Herbstfest eine theoretische Unterrichtseinheit zu Obst und Gemüse sowie einen praktischen Teil mit Zubereitung und gemeinsamen Verzehr von gesunden Lebensmitteln. Auch gebe es jeden Tag eine gemeinsame Frühstückszeit in der Klasse.
  • Nach Auskunft von Einhardschul-Leiter Karl Wölfinger gibt es dort keine eigene Schulobstinitiative, auch sei keine vorgesehen. Lediglich der Schulkiosk biete täglich Obstspieße zum Verkauf an, die von den Schülern sehr gut angenommen würden. Ein kostenloses Schulobstprogramm werfe Fragen auf, etwa die der Lagerung des Obsts. Auch die Frage der Entsorgung von Abfällen und Resten müsse geklärt werden. Er halte ein durchdachtes Programm zwar für sinnvoll, es sei aus seiner Sicht aber fraglich, ob sich genügend Kooperationspartner im Elternbeirat beziehungsweise dem Förderverein finden lassen, auch noch diese Aufgaben täglich zu übernehmen, zumal es sich um eine weiterführende Schule mit 1400 Schülern handele.

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