„Es ist uns nicht leicht gefallen“

Gewerbeverein und Stadt sagen Adventsmarkt und Waldweihnacht in Seligenstadt ab

Keine Waldweihnacht, kein Adventsmarkt: Gewerbeverein und Stadt haben sich nach intensiven Gesprächen dazu entschlossen, beide Veranstaltungen abzusagen.
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Keine Waldweihnacht, kein Adventsmarkt: Gewerbeverein und Stadt haben sich nach intensiven Gesprächen dazu entschlossen, beide Veranstaltungen abzusagen.

Beleuchtete Buden, Glühweinduft und besinnliche Stimmung auf dem Adventsmarkt: Darauf müssen die Seligenstädter auch in diesem Jahr verzichten. Zum zweiten Mal in Folge haben Gewerbeverein und Stadt die traditionelle Veranstaltung abgesagt, wieder einmal ist die Corona-Infektionslage dafür verantwortlich.

Seligenstadt - Die Veranstalter in Seligenstadt waren am 7. Oktober noch zuversichtlich, den Adventsmarkt auf dem Marktplatz – oder alternativ auf dem ehemaligen Stadtwerkegelände – stattfinden lassen zu können, die Planungen dafür inzwischen schon weit fortgeschritten. Doch knapp anderthalb Monate später ist die Realität eine andere: Die Zahl der Corona-Fälle steigt in neue Höhen, Massenveranstaltungen sind ein unkalkulierbares Risiko geworden.

„Bürgermeister Daniell Bastian und ich haben gerade wehmütig aus dem Fenster auf den Marktplatz geschaut“, sagte Wolfgang Reuter, Vorsitzender des Gewerbevereins, gestern bei der offiziellen Verkündung der Absage sichtlich enttäuscht. Hinter dem Verein liegen zu diesem Zeitpunkt mehrere Tage intensiver Gespräche intern und mit der Stadt. „Es ist uns nicht leicht gefallen, auch wegen der Kurzfristigkeit. Aber wir waren gefordert.“ Der Vorsitzende verwies bei der Absage auch auf die Landespolitik, die aktuell zu spät oder gar nicht reagiere. „Doch wenn wir länger gewartet hätten, wäre es für uns zu spät gewesen.“ Schon am Montag sollte der Aufbau der Buden starten.

Zahlreiche Weihnachtsmärkte abgesagt - Andrang wäre in Seligenstadt größer gewesen

Bis zuletzt überlegte der Verein, ob und wie die notwendigen Abstands-, Hygiene- und Kontrollmaßnahmen zu realisieren sind. „Wir haben auch Plan B auf dem ehemaligen Stadtwerkegelände durchgespielt“, sagte Marktleiter Stefan Kluge. „Aber selbst da wäre der Aufwand zu groß geworden und nicht alle Aussteller wären mitgegangen.“ Gleichzeitig gab es die Befürchtung: Da rundherum zahlreiche Weihnachtsmärkte ausfallen, wäre der Andrang in Seligenstadt noch größer. Denn in den vergangenen Jahren ist der Adventsmarkt immer beliebter geworden. Schon unter der Woche kamen Busse voller Touristen extra für den Markt in die Einhardstadt.

Der Adventsmarkt in Seligenstadt ist abgesagt

Auch Bürgermeister Daniell Bastian bedauerte die kurzfristige Absage. „Aber das Schlimmste wäre gewesen, mit dem Adventsmarkt zu starten und dann zu merken, das funktioniert gar nicht. Zugangskontrollen sind auf dem Marktplatz zum Beispiel überhaupt nicht möglich.“ Demnach ist die Durchführung einer Veranstaltung in dieser Enge und Größenordnung derzeit nicht zu verantworten, sind sich alle Beteiligten einig.

Stadt Seligenstadt sagt aus Solidarität die Waldweihnacht ab

Als Zeichen der Solidarität sagte die Stadt zudem die Waldweihnacht ab, die für den 11. Dezember rund um Brehms Hütte geplant war – das gilt auch für den in diesem Rahmen stattfindenden Weihnachtsbaumverkauf. Seit Herbst hatten Stadtverwaltung, Bauhof, Forstamt und die beteiligten Vereine an einer Durchführung unter entsprechenden Rahmenbedingungen und Vorsichtsmaßnahmen gearbeitet. „Dennoch sind wir jetzt an einem Punkt, an dem wir weiteren Anstiegen von Infektionen mit ihren weitreichenden Folgen für Gesundheitssystem, Schulen und Wirtschaft entgegenwirken müssen“, so der Rathauschef.

Enttäuschung über die Absage der weihnachtlichen Veranstaltungen herrscht auch bei den Ausstellern: Viele hatten bereits Personal eingeteilt und Waren eingekauft. „Der Frust ist nachvollziehbar“, sagte Wolfgang Reuter. „Aber es gab auch zwei, drei, die sich für die bisherige Organisation von uns in der kurzen Zeit bedankt haben. Das hat uns natürlich gefreut.“ Der Gewerbeverein will die Budenbesitzer in der jetzigen Situation aber nicht alleine lassen. „Ganz im Zeichen der Solidarität überlegen wir gerade, wie man bestimmte Waren vielleicht trotzdem verkaufen könnte“, so Reuter. „Ob das online oder offline möglich wäre, steht aber noch nicht fest.“ (Von Julia Oppenländer)

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