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Golfclub Seligenstadt freut sich in Corona-Zeiten über Mitgliederzuwachs

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Der Seligenstädter Golfclub hat aktuell rund 960 Mitglieder. Sie kommen aus Stadt und Kreis Offenbach, einige sogar aus Aschaffenburg nach Froschhausen, um hier zu golfen.
Der Seligenstädter Golfclub hat aktuell rund 960 Mitglieder. Sie kommen aus Stadt und Kreis Offenbach, einige sogar aus Aschaffenburg nach Froschhausen, um hier zu golfen. © Prochnow

Golf kennt jeder. Klar, nicht die günstigste Art der Fortbewegung, aber rund um den Globus beliebt. Wie der gleichnamige Sport, dem sie auf der Neun-Loch-Anlage Am Kortenbach in Froschhausen frönen. Noch vor Jahren noch als Vergnügen der „oberen 10 000“ verschrien, schwingen dort heute alle Generationen die Schläger.

Seligenstadt – Den Wandel zum Breitensport verdanken die Aktiven auch dem unermüdlichen Engagement eines Vorstandes wie dem des Golfclubs Seligenstadt um Roland Jäger.

Die Initiatoren planten ihr Vorhaben ursprünglich auf der Gemarkung von Mainhausen, berichtet der Vorsitzende. Doch dort stieß der Plan auf Widerstand. Im Stadtteil der Einhardstadt stellten schließlich sechs Landwirte, einige Privatleute und das Land Hessen 45 Hektar Feld und Wiese zur Verfügung. Die Laufzeit ist 25 Jahre, „alle fünf Jahre verhandeln wir über eine selbstentwickelte Formel über die Pacht“, erläutert Jäger. Der Preis orientiert sich beispielsweise an dem für landwirtschaftliche Erzeugnisse und am Verbraucherindex.

Auf dem Gelände stand ein Bauernhof mit Schweinezucht, sodass im Umkreis keine Wohnbebauung erlaubt war. Durch die Umwidmung des Geländes konnte das Baugebiet Am Backesfeld ausgewiesen werden, lautet ein anderes Argument für den Golfplatz. „Die Auflagen waren sehr hoch“, erinnert sich Jäger. „Wir mussten eine Ausgleichsfläche schaffen, haben 400 Obstbäume gesetzt und Magerwiesen angelegt, die von Biologen überwacht werden.“

Bereits 2002 haben die Gründer einen Förderverein gegründet, am 10. September 2004 fiel der Startschuss auf dem Areal. Daran war der erste Präsident, Gilbert Knecht aus Seligenstadt, maßgeblich beteiligt. Die Mitglieder trafen sich zunächst in einer provisorisch hergerichteten alten Scheune. Dann errichtete der Verein für 1,5 Millionen Euro das lichtdurchflutete Clubhaus mit Restaurant und Terrasse, Geschäftsstelle, Golf-Shop, Umkleide- und Sanitärräume, Caddy-Garage und Ausrüstungsschränken.

Die Verantwortlichen ließen eine elektronische Reservierung installieren: Alle zehn Minuten können bis zu vier Personen beginnen, „und wir sind gut ausgebucht“, resümiert Jäger. Die meisten Sportfreunde reservieren ihre Spiele für die Zeit zwischen 9 bis 14 Uhr, dann verteilen sich bis zu 36 Aktive auf dem weitläufigen Gelände rund um das Naturschutzgebiet. Manche absolvieren zweimal die Neuner-Runde, müssen bei einem Turnier doch auch 18 Löcher geschlagen werden.

Ein strahlender Golfclub-Vorsitzender: Roland Jäger.
Ein strahlender Golfclub-Vorsitzender: Roland Jäger. © Prochnow

„Es war ein schlechter Sommer, darum hatten wir einen geringeren Wasserverbrauch“, freut sich der Vorstand. Dafür musste das permanent wuchernde Gras häufiger geschnitten werden. „Das Grün ist das teuerste am Golf“, sagt der Sprecher, „und der wichtigste Mann ist darum der Head Green Keeper“. Sein Job sei ein Ausbildungsberuf, er bestimme das Gesicht des Platzes, welcher Rasen wie gemäht und gepflegt wird. Sämtliche der speziellen Balkenmähgeräte seien geleast. Und weil sie ohne Düngemittel auskommen, aber trotzdem den Schneeschimmelpilz bekämpfen müssen, setze der Experte 25-mal ein biologisches Mittel an.

Nach der Trockenheit der vergangenen Sommer fegte beim Benefizturnier im August 2019 ein Fallwind über die Region. „Das waren 120 000 Euro Schaden, 70 Bäume waren weg, 85 haben wir aufgeforstet“, blickt der Vorsitzende zurück, „alles über Spenden, und viele Mitglieder haben schwer geackert“.

Rund 960 Mitglieder aus Stadt und Kreis Offenbach und bis Aschaffenburg mit vollem oder eingeschränktem Spielrecht zählt die Gemeinschaft aktuell. Die erste Gruppe, rund drei Viertel der Golfer, darf zu jeder Zeit spielen, die anderen von Montag bis Freitag. Bei vollem Spielrecht muss eine Investitionsumlage in Höhe von 1 300 Euro im Jahr berappt werden, für die Teilzeit mit zehn Runden werden 450 fällig. Die Gast Green Fee kostet 35 Euro pro Person, für die 18-Loch-Doppelrunde 70.

Fürs Buchen haben findige Golfer eine eigene App programmiert, präsentiert der Vorstand stolz. Der Verein umfasst vier Angestellte in der Geschäftsführung und vier feste Trainer. Neun Mannschaften nach Altersgruppen vertreten die Farben des Kortenbachs, das Herren- und das Damen-Team treten in der Deutschen Golfliga an. Und vielleicht bald eine Mannschaft in der AK 80! Neben vielen Senioren beheimatet der Club 70 Jugendliche bis 17 Jahre und junge Leute in Ausbildung oder Berufsstart, die lediglich 100 Euro im Jahr zahlen müssen.

„Wir bieten Schnupperkurse, nach denen Interessierte die Platzreifeprüfung ablegen können“, fährt Jäger fort. „Durch Corona haben wir einen extrem hohen Zulauf, vor allem in der Gruppe zwischen 18 und 35 Jahren“, verweist er auf mehr als 60 neue Spieler. Sie benötigen etwa 350 Euro für eine Grundausstattung: Schlägersatz vom Putter bis zum Driver, Bälle – auch gebrauchte, denn „am Anfang verliert man viel und das teuerste Modell kostet fünf Euro“. Ratsam seien ferner ein Handschuh, Schuhe mit Spikes und eine Tasche, vielleicht ein Trolley.

Dann geht’s auf 40 bis 50 Turniere im Jahr wie dem „Preis des Bürgermeisters“. Sponsoren von den Asklepios-Kliniken über den Lionsclub bis zur Gastronomie sorgen für Präsente und Verpflegung. (Michael Prochnow)

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