Grüne können keine Klimaschutzmaßnahmen durchsetzen

Absage an grüne Dächer  für geplanten Kita-Neubau

Seligenstadt -  Der Vorstoß der Grünen-Fraktion in Seligenstadt, über einen Änderungsantrag den geplanten Kita-Neubau in Froschhausen ökologisch auszurichten, ging ins Leere. Von Sabine Müller

In der Diskussion im Verlauf der Stadtverordnetenversammlung wurden sowohl das geforderte Gründach als auch eine Photovoltaikanlage und damit verbunden die Abschöpfung von Fördermitteln mehrheitlich abgelehnt.
Im Magistratsbericht, den die Stadtverordneten in ihrer jüngsten Sitzung zur Kenntnis nahmen, wird der Entwurf des Architekturbüros whn Planungsgesellschaft aus Seligenstadt erläutert. Er basiert auf dem Stadtverordnetenbeschluss vom 11. Juli 2016, der eine siebengruppige Kindertagesstätte im Froschhäuser Gebiet Backesfeld (Am Zippenweg) vorsieht. Das Büro hat ein Gebäude entwickelt, das in Teilbereichen zweigeschossig ist; die Kinderkrippe (U-3-Bereich) ist mit beiden Gruppen in einem separaten Gebäudeteil im Erdgeschoss geplant. Die Kosten geben die Fachleute mit 3,26 Millionen Euro an (inklusive Möblierung und Außenanlage), was den Schätzungen des Bauamtes entspricht.

Wie berichtet, warfen jedoch die Grünen den anderen Fraktionen „schwere Planungsfehler zu Lasten des Klimaschutzes“ vor. In ihrem dritten Änderungsantrag seit März, über den die Stadtverordneten jetzt beschlossen, forderten sie eine zirka 750 Quadratmeter große extensive Dachbegrünung über Erd- und Obergeschoss, eine Photovoltaikanlage auf dem Flachdach des Obergeschosses (etwa 450 Quadratmeter) sowie die Beantragung und Abschöpfung von Fördermitteln.

Eine Brauchwassernutzungsanlage wurde aus dem überarbeiteten Antrag herausgenommen, „da sich deutlich abgezeichnet hat, dass sich keine Mehrheit dafür hätte finden lassen“. Diese erhoffte sich Adina Biemüller wenigstens für die anderen Maßnahmen: Die Gründächer seien in gewissem Umfang Ersatz für die durch den Neubau versiegelten Flächen. Sie werteten das Baugebiet gestalterisch auf und verbesserten die ökologische und klimatische Situation (Lebensraum für Pflanzen und Tiere, Luftkühlung, Sauerstoffproduktion, Staubbindung, Regenwasserspeicher und damit Verzögerung von Überschusswasser).

Fotos: „Sommer in der Stadt“ in Seligenstadt

Die Grünen-Abgeordnete kritisierte zudem, eine kompaktere Planung hätte mehr Grundstücksfreifläche zum Spielen und geringere Wärmeverluste. „Folgekosten scheinen hier in Bezug zur Wirtschaftlichkeit keine Rolle zu spielen.“ Die Betreibung einer Photovoltaikanlage, „die sich meist schon nach wenigen Jahren amortisiert hat“, würde den städtischen Haushalt dauerhaft aufbessern. „Dass im Jahr 2013 ein Klimaschutzkonzept beschlossen wurde, sollte den meisten hier bekannt sein“, schloss Biemüller. „Warum handeln sie dann nicht danach?“

Die Antwort von Tatjana Ditzinger: Niemand wisse um den künftigen Bedarf an Betreuungsplätzen, ihre CDU-Fraktion lehne die Dachbegrünung ab, um einen eventuellen Aufbau gewährleisten zu können. Photovoltaik jedoch mache Sinn, um die Gebühren zu senken, ergänzte ihr Kollege Joachim Bergmann, ebenso Fördermittel für Klimaschutzprojekte.

Generelle Ablehnung signalisierte dagegen FDP-Fraktionschefin Susanne Schäfer: Flachdachgrün, Photovoltaik? – „Im Betreuungsbereich sind künftig zahlreiche Projekte zu stemmen, wir haben den Weitblick der Wirtschaftlichkeit und können es uns nicht leisten, Geld für Verschönerungen auszugeben.“

Ein Gründach bedeute Zeitverlust bei der Realisierung des Bauprojektes, argumentierte SPD-Stadtverordneter Rolf Wenzel, außerdem ginge dieses nicht mit Photovoltaik zusammen. Die Grünen dementierten. Bei der von Tatjana Ditzinger beantragten getrennten Abstimmung hatten sie dennoch keinen Erfolg: Die Dachbegrünung lehnten alle anderen Fraktionen ab; für Photovoltaik und Fördermittel hoben ansonsten nur noch die CDU-Reihen die Hand.

Übrigens: Nach Auskunft von Gunter Gödecke, Grünen-Stadtrat und ehemaliger Rektor der Don-Bosco-Schule in Klein-Welzheim, macht die Förderschule schon lange gute Erfahrungen mit einem Gründach.

Rubriklistenbild: © dpa

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