Seligenstadt: Stadtparlament wirbt für Nachfragebündelung der Deutschen Glasfaser

Guten Gewissens empfohlen

Glasfasernetz-Ausbau: Die Stadtverordnetenversammlung empfiehlt den Anschluss.. Symbolfoto: dpa
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Glasfasernetz-Ausbau: Die Stadtverordnetenversammlung empfiehlt den Anschluss.. Symbolfoto: dpa

Eine Glasfaser-Diaspora vor Augen, entschließt sich die Seligenstädter Stadtverordnetenversammlung zu einer ungewöhnlichen Werbeaktion für ein Privatunternehmen: Die Volksvertreter appellieren in ihrer Sitzung am Montagabend an die Bewohner in Seligenstadt-West, sich an der zu Ende gehenden Nachfragebündelung der Deutschen Glasfaser zu beteiligen. Begründung: „Der häusliche Glasfaseranschluss ist eines der wichtigesten Infrastrukturprojekte in Deutschland zur Sicherung der Leistungsfähigkeit und Stabilität der Kommunikationsanschlüsse.“

Seligenstadt - Kurz vor Ende der sogenannten Nachfragebündelung sieht es nicht so aus, als sollte Mirko Tansjeks Wunsch in Erfüllung gehen: „Unser Ziel ist ganz Seligenstadt, wir haben 2 400 Wohneinheiten mit Glasfaser versorgt, und da soll nicht Schluss sein. Wir wollen Teil dieser Kommune werden“, sagte der Senior-Projektmanager der Deutschen Glasfaser Anfang März im Rathaus, als er für den Ausbau einer zukunftsfähigen FTTH (Fiber to the Home)-Infrastruktur in Seligenstadt-West (Stadtgebiet westlich der Eisenbahnlinie) warb. Allerdings ist das Unternehmen wenige Tage vor Ablauf der Umfragefrist am 5. Juli noch meilenweit von den 40 Prozent oder knapp 680 Einheiten entfernt, die erforderlich sind, um die Wirtschaftlichkeit sicherzustellen.

Die derzeitigen lediglich 16 Prozent scheinen zuletzt auch die Stadtverordnetenversammlung alarmiert zu haben, nachdem die CDU bereits Anfang Mai von einem „zukunftsweisenden Infrastrukturprojekt unserer Stadt“ sprach, die Unternehmens-Initiative lobte und vom „gemeinsamen Ziel von 40 Prozent“ sprach.

Auch Bürgermeister Daniell Bastian (FDP) sieht im Angebot der Deutschen Glasfaser eine Chance für die Stadt: „Insbesondere die vergangenen Monate mit Home-Schooling und Home-Office haben gezeigt, dass es Zeit für einen deutlichen Digitalisierungsschub ist“, sagte der Rathauschef bei der Präsentation im März.

In der Sitzung am Montagabend befürwortete das Plenum einstimmig einen Dringlichkeitsantrag des Präsidiums mit der eindringlichen Bitte an die Einwohner im Stadtwesten, „das Angebot der Deutschen Glasfaser GmbH zu prüfen und sich idealerweise der Nachfragebündelung zeitnah anzuschließen.“ Der Magistrat soll das Projekt weiterhin positiv begleiten und mit der Deutschen Glasfaser „eine Verlängerung der Angebotsphase und eine Verstärkung der Marketingaktivitäten erreichen.“ Die Fraktionen, so Stadtverordnetenvorsteher Richard Georgi (CDU) in der Antragsbegründung und mit Verweis auf den Ältestenrat, seien bei dieser Initiative sehr einig gewesen. Schnelles Internet werde immer wichtiger. „Anbindungen, die heute noch als leistungsfähig gelten, sind bereits in zwei, drei Jahren zu langsam, um beispielsweise das Arbeiten zuhause zu ermöglichen. „Sollte das Projekt scheitern, besteht die nächste Chance für einen Glasfaserausbau in diesem Gebiet vermutlich erst wieder in zehn bis 15 Jahren“. Die Stadt, so Georgi weiter, habe Glasfaser-Lösungen für die Stadtteile Froschhausen und Klein-Welzheim gefunden, „deshalb können wir uns guten Gewissens dafür aussprechen, dieses Projekt zu unterstützen.“

Gegen das Votum der SPD befürwortete das Plenum am Montag zudem einen Antrag der CDU/FDP-Koalition, der den Magistrat beauftragt, sich im Benehmen mit dem Kreis Offenbach und den Glasfaseranbietern dafür einzusetzen, „dass die Schulen zeitnah, idealerweise bereits mit dem Ausbau von Seligenstadt-West, an das Glasfasernetz angeschlossen werden.“ Ziel sei es, so die CDU-Politiker Oliver Steidl und Bastian Ernst, ein klares Signal aus dem Parlament zu geben und alle an einen Tisch zu bringen. Dagegen sprach SPD-Fraktionschef Marius Müller von „Schaufensterpolitik“. Wenn die Koalition ihre Initiative ernst meine, müsse eine Resolution her.

Von Michael Hofmann

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