Schon lange im Visier von Tierschützern

Haftstrafe für Welpenhändler: Seligenstädter Ehepaar verurteilt

Das Interesse der Öffentlichkeit am Prozess ist groß.
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Das Interesse der Öffentlichkeit am Prozess ist groß.

Seligenstadt - Unlautere Geschäfte mit kranken Hundewelpen? Ein Seligenstädter Ehepaar, das deshalb bereits Geld- und Bewährungsstrafen erhalten hatte, saß nun erneut auf der Anklagebank des örtlichen Amtsgerichts. Von Sabine Müller

Nach dem ersten Prozesstag Anfang November wurde gestern die Verhandlung mit Zeugenanhörungen am Vor- und Nachmittag unter großer Beteiligung der Öffentlichkeit fortgesetzt. Beide Angeklagten erhielten Freiheitsstrafen von 15 Monaten ohne Bewährung und ein Berufsverbot von fünf Jahren. Das Ehepaar aus einem Seligenstädter Stadtteil ist, wie berichtet, schon lange im Visier von Tierschützern. Als skrupellose Tierhändler sollen sie kranke Welpen von sogenannten „Vermehrern“ aus Osteuropa bezogen und sich mit dem Verkauf der Hunde über Internet-Plattformen eine goldene Nase verdient haben. Auch der Justiz sind Markus und Petra L. keine Unbekannten: Die Rede ist von mehr als 80 Anzeigen und 40 zivilrechtlichen Verfahren wegen Betrugs seit 2004. Das Paar behauptete stets, die Tiere stammten aus eigener Zucht und seien beim Verkauf gesund gewesen. In fast allen Fällen wurden sie dazu verurteilt, Kaufpreis und Tierarztkosten zu erstatten, betrieben ihr Geschäft aber weiter.

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Vor dem Seligenstädter Amtsgericht ging es jetzt um Betrug in acht Fällen, die schon einige Jahre zurückliegen. Das Interesse der Medien und des Publikums – darunter viele Vertreter von Tierschutzorganisationen – war groß, als das Verfahren gestern fortgesetzt wurde. Der Verein „Das Leid der Vermehrerhunde“ hatte per Facebook dazu aufgerufen, Flagge zu zeigen. Die Angeklagten erschienen hinter ihren Jacken verschanzt im Gerichtssaal, in den Zeugenstand traten Hundekäufer und Veterinäre, die Aussagen über den Gesundheitszustand von in Seligenstadt gekauften Tieren machen sollten. So berichtete eine Frau aus Aalen, sie habe im Dezember 2011 einen Rauhaardackel für 850 Euro bei Gertrude W., der Mutter von Petra L., gekauft. Als es ihm zunehmend schlechter ging, sei sie mit ihm zum Tierarzt gegangen, der einen Herzfehler entdeckte. Sie habe den Hund dann zurückgegeben und einen anderen bekommen. Laut Verteidigung hatten die Verkäufer den Dackel ebenfalls tierärztlich untersuchen lassen, da die Diagnose aber nicht bestätigt worden sei, sei er wieder verkauft worden.

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Auch ein Labrador-Welpe, der im September 2012 für 900 Euro den Besitzer wechselte, war anfangs noch munter, ist laut seines neuen Besitzers aber bald darauf schwach geworden und hechelte. Der Tierarzt habe einen Lungenschaden und Würmer festgestellt. Auch von einer Hüft-Dysplasie war die Rede. „Krankheiten wurden von den Verkäufern verneint; sie hatten zwar keinen Stammbaum für den Hund, bestätigten aber, er sei geimpft und entwurmt“, erklärte der Hundebesitzer.

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Richterin Anke Daubner folgte mit ihrem Urteil, das noch nicht rechtskräftig ist, dem Antrag des Staatsanwalts: Beide Angeklagte erhielten je eine Gesamtfreiheitsstrafe von 15 Monaten ohne Bewährung und ein Zucht- und Handelsverbot für die nächsten fünf Jahre wegen gemeinschaftlichen und gewerbsmäßigen Betrugs. Auch dem Seligenstädter Tierschutzverein sind die Händler seit mehr als einem Jahrzehnt bekannt. Am Rande des gestrigen Prozesstages sagte der ehemalige Vereinsvorsitzende Dr. Bodo Wand, regelmäßig hätten sich Käufer gemeldet, die über Zwingerhusten, Durchfall oder ansteckende Infektionskrankheiten ihrer Tiere klagten. Das eingeschaltete Veterinäramt Offenbach sei weitgehend untätig geblieben.

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