„Das Betreten der Eisfläche auf dem See erfolgt auf eigene Gefahr“

Haftungsfrage: Für gefrorene Gewässer im Ostkreis gibt es keine offizielle Freigabe

Winteridyll am Harressee bei Froschhausen: Auch hier liegt eine dünne Eisdecke auf dem Wasser.
+
Winteridyll am Harressee bei Froschhausen: Auch hier liegt eine dünne Eisdecke auf dem Wasser.

Auf dem Hainburger Knochensee plätscherten am Mittwoch noch kleine Wellenkämme. Eine hauchdünne Eisschicht entlang des Ufers aber verriet: Lange kann es nicht mehr dauern, bis die anhaltenden Minusgrade die gesamte Wasseroberfläche gefrieren lassen. Schon am nächsten Tag war es soweit. Doch wer sich auf das Eis wagt, trägt selbst die Verantwortung.

Ostkreis – Die Gemeinde Hainburg hatte schon vor Gefrieren des Knochensees vorsorglich ein gut sichtbares Schild am geschlossenen Haupteingang platziert: „Das Betreten der Eisfläche auf dem See erfolgt auf eigene Gefahr“. Eisflächen verleiten dazu, mal einen prüfenden Schritt zu wagen. Bei Pfützen kein Problem, in allen anderen Fällen bekanntlich potenziell lebensgefährlich. Das Eis braucht Zeit, um tragfähig zu sein. „Bei stehenden Gewässern sollte die Eisdecke mindestens 15 Zentimeter dick sein, bei Bächen und Flüssen mindestens 20 Zentimeter, bevor man sie betreten kann. Hierfür muss es mindestens zwei Wochen durchgehend unter null Grad Celsius kalt gewesen sein“, erklärt Erik Friedrich, Leiter der Einsatzmannschaft der DLRG Seligenstadt.

Hinweisschild am Hainburger Knochensee.

Die Badeseen im Ostkreis werden von offizieller Stelle generell nicht für Eisspaziergänge freigegeben – eine Haftungsfrage, wie Kirsten Zöller für den Gemeindevorstand Mainhausen erläutert. Das Betreten erfolgt, wie in Hainburg, auf eigene Gefahr. „Für eine offizielle Freigabe müssten die Dicke der Eisfläche gemessen und die Stabilität und Tragfähigkeit berechnet werden. Sollte eine Eisfläche offiziell freigegeben werden, so haftet die Gemeinde im vollen Umfang für Schäden an Personen und Sachwerten“, so Zöller. Dies sei einfach nicht leistbar. Gleiches gilt für die Gewässer in Seligenstadt, etwa Glaabsweiher und Harressee. „Auf keinen Fall gibt es dort eine Freigabe für Eisläufer“, sagt Ilka Haucke aus dem Rathaus.

Der Badesee in Mainflingen und der Königsee in Zellhausen seien derzeit aufgrund einer Umzäunung ohnehin nicht zugänglich, so Zöller. Die Gemeinde Mainhausen weist dennoch darauf hin, dass die aktuellen Eisflächen in allen Gewässern sehr dünn sind und ein Betreten unter allen Umständen zu vermeiden ist.

Dass Menschen an leicht zugänglichen Stellen aufs Eis gehen, komme immer mal wieder vor, sagt Erik Friedrich von der DLRG Seligenstadt. Am Mainflinger Badesee habe man dies in der Vergangenheit ein paar Mal beobachten können. Generell seien die Leute aber vernünftig – dadurch, dass es in der Region aber selten stark gefriere, biete sich eben auch wenig Gelegenheit.

An einen Eisrettungseinsatz kann sich Erik Friedrich daher auch nicht erinnern. „In den letzten 15 Jahren dürfte es hier diesbezüglich keinen Rettungseinsatz gegeben haben.“ Geübt wird die Eisrettung bei der DLRG trotzdem, zuletzt 2019 am Weiher an der Wasserburg in Seligenstadt. Nur im Corona-Winter muss ausgesetzt werden. „Die Vorgabe vom Hessischen Feuerwehrverband ist, dass bei einer Inzidenz über 35 keine Übungen stattfinden dürfen. Daran orientieren auch wir uns.“

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare