Standort Brombeerhecke

Geplanter Mobilfunkturm auf Hainburger Markung bringt Bürgermeister in Rage

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Brombeerhecke im Anschluss an das Seligenstädter Wohngebiet Niederfeld: Als Standort für einen 40 Meter hohen Stahlgitter-Mobilfunkturm vorgesehen.

Die große, verwilderte Brombeerhecke an der Hainburger Markungsgrenze zu Seligenstadt hatte es schon E-Plus angetan. Das war 2011. Der heute zu Telefónica Deutschland gehörende Mobilfunkanbieter verfolgte aber sein Ziel, dort eine Mobilfunkstation zu errichten, um das Seligenstädter Wohngebiet Niederfeld zu versorgen, zunächst nicht weiter.

Hainburg/Seligenstadt – Dabei hatte das Verwaltungsgericht in Darmstadt dem Kreis Offenbach empfohlen, einem Bauantrag zuzustimmen, „da es keine vertretbaren Gründe gab, diesen zu versagen“, so Kreis-Sprecherin Ursula Luh. Nun versucht mit der Münchner Firma Telxius Towers Germany eine weitere Telefonica-Tochter genau an dieser Stelle der Ackerfläche im Außenbereich Fuß zu fassen, um einen Antennenträger für Mobilfunk zu errichten. 40 Meter hoch soll der Stahlgitterturm werden - die Begeisterung diesseits und jenseits der Markung hält sich in engen Grenzen.

Der Hainburger Gemeindevorstand, der dem Bauvorhaben ablehnend gegenübersteht, hat die Stadt Seligenstadt als Anrainer um eine Stellungnahme zum Baugenehmigungsgesuch gebeten. Die kam prompt - und wie: Auf fünfeinhalb Seiten gibt Bürgermeister Dr. Daniell Bastian seinem Amtskollegen Alexander Böhn ausführlich begründet zu lesen, was er von einer Mobilfunkanlage an dieser Stelle hält: überhaupt nichts.

Formalrechtlich in Ordnung, aber dennoch etwas unglücklich findet Böhn die Geschichte. So sei Hainburg lediglich als Standortgemeinde beteiligt (die Brombeerfläche steht auf privatem Hainburger Grund), aber, im Gegensatz zu Seligenstadt, von möglichen Auswirkungen eben nicht direkt betroffen. Böhn weiß von der damaligen E-Plus-Initiative, die vor seiner Bürgermeister-Zeit liegt; von einem Verwaltungsgerichtsstreit, einem Vor-Ort-Termin mit der Kreisbauaufsicht und einem dicken Aktenordner. Alles schon Jahre her. Deshalb sei er überrascht gewesen, als vor zwei Monaten der Telxius-Antrag auf den Tisch kam.

Für die Stadt Seligenstadt sind die Unterlagen aus München unvollständig und fehlerhaft. Bürgermeister Bastian erhebt „grundsätzlich Einspruch gegen die Aufstellung von Mobilfunkanlagen (...) in unmittelbarer Nähe der Wohnbebauung.“ Die geplante 40-Meter-Anlage liege nur 50/70 Meter von den Wohngebieten Niederfeld und Amaliasee entfernt. Da die Spitze des Masts mit Antennen bestückt werden soll, werde die Gesamthöhe ja noch überschritten. Auch seien „keine Angaben über die Anzahl der Antennen sowie deren Form und Leistung beigefügt.“ Berechnungsgrundlagen zur Ermittlung des Sicherheitsabstands lägen damit ebenso wenig vor wie die Standortsbescheinigung.

Die Stadt, so konkretisiert Bastian, befürchte gesundheitliche Auswirkungen für die Anlieger durch die elektromagnetischen Strahlungen und sehe damit „die Belange der Öffentlichkeit als wesentlich beeinträchtigt.“ Abgesehen von einem möglichen Konflikt mit der Planung der Umgehungsstraße (dritter Abschnitt), der Beeinträchtigung der Naherholungsfläche sowie der Verunstaltung der Landschaft, beißt sich die Stadt auch an der Erschließung fest. So stelle der Antragssteller diese als gegeben dar, doch sei dies nicht korrekt. Zwar sei das Grundstück im Westen durch einen landwirtschaftlichen Weg erreichbar, doch müsse der Acker auf 200 Meter überfahren werden, um zur Aufstellfläche zu gelangen. „Angesehen davon, dass dies wegen der Bewirtschaftung der Fläche nicht möglich ist, lassen die weichen Ackerböden die Befahrbarkeit nur mit landwirtschaftlichen Fahrzeugen zu.“ Da zudem eine Erschließung von der Steinheimer Straße her nicht möglich sei, seien „die Grundvoraussetzungen für die Aufstellung von baulichen Anlagen im Außenbereich nicht gegeben.“ Das Grundstück sei gar nicht erschlossen.

Der Telxius-Bauantrag, so Ursula Luh, liege inzwischen dem Kreis vor und werde geprüft.

Von Michael Hofmann

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