Streit und keine Ende

Hans-Memling-Schule: Bastian will externen Gutachter einschalten

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Dauerthema Hans-Memling-Schule: Neuerlich prallten im Stadtparlament die Fronten aufeinander. Ein CDU-Vorstoß für das Konzept des Freunde-Vereins fiel endgültig durch.

Seligenstadt - Drei Alternativen zur künftigen Nutzung der früheren Hans-Memling-Schule (HMS) liegen vor und sollen geprüft werden. Aber nicht, wie zunächst angekündigt, von der Verwaltung, sondern von einem externen Gutachter.

Von der Prüfung der drei HMS-Nutzungsinitiativen in seiner Verwaltung scheint Bürgermeister Dr. Daniell Bastian abgerückt zu sein. Im Nachgang zur jüngsten Stadtverordnetenversammlung sagte er, zunächst solle Architektin Gudrun Laber-Vahedi, die 2013/2014 ein Sanierungsgutachten erstellt hatte und dabei auf einen Investitionsbedarf von drei Millionen Euro kam, ihre Expertise aktualisieren. Darüber hinaus, so Bastian weiter, „hätte ich gerne eine externe Begutachtung der drei Konzepte. Ich will eine saubere Analyse.“ In der Stadtverordnetenversammlung indes scheiterte die CDU erwartungsgemäß mit ihrem Antrag, sich sofort auf das Nutzungskonzept des Vereins Freunde der Hans-Memling-Schule festzulegen. Nur die Grünen sicherten Unterstützung zu. Die Koalitionsmehrheit aus SPD, FDP und Freien Wählern schmetterte die Initiative ab.

Dass nach dem Prüfauftrag, den die Mehrheit im April dem Magistrat erteilte, in der letzten Sitzung vor der Sommerpause überhaupt noch über den seinerzeit konkurrierenden CDU-Antrag beraten und abgestimmt wurde, mag grotesk anmuten, erklärt sich aber aus den vorangegangenen Scharmützeln in den Ausschüssen. Nicht weniger als viermal beschäftigte das Thema seit April die Fachgremien. Nach der ersten Runde im Ausschuss für Bildung, Soziales, Sport und Kultur sowie im Haupt-, Finanz- und Wirtschaftsförderungsausschuss setzte die Koalition durch, das zwar ihre eigene, nicht aber die Eingabe der Christdemokarten auf die Tagesordnung der Plenarsitzung Ende April kam. Weil die CDU nicht willens war, ihren Antrag zurückzuziehen, wurde er „geschoben“ und tauchte nun solo im Sitzungsprogramm auf.

Die Vorlage sei überholt und schon deshalb nicht zustimmungsfähig, stellte denn auch FWS-Fraktionschef Jürgen Kraft fest. Matthias Eiles (CDU) sah das anders: Die Diskussion müsse weiter gehen, weil sich die Koalition offenbar intern nicht einig sei und das Thema daher auf der langen Bank zu landen drohe: „Die FDP will eine Privatschule, die SPD die eierlegende Wollmilchsau“, karikierte Eiles den Inhalt des Prüfauftrags. Der sieht bekanntlich vor, neben dem Vereinskonzept für ein Bildungs- und Kulturzentrum auch die um Kinderbetreuung und Gastronomie erweiterte SPD-Variante und das Vorhaben der privaten Erasmus-Schule zu prüfen, in der HMS eine Grundschule mit Kita einzurichten.

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In den Augen des Grünen Dr. Detlef Debertshäuser sind zumindest SPD und FWS damit von der gemeinsamen Linie abgewichen, der sich im Sommer 2012 lediglich die Liberalen verweigert hatten. Der damalige Grundsatzbeschluss für ein Kulturzentrum habe auch die Freunde der HMS inspiriert, ihr Konzept zu erarbeiten. Der Stadt Seligenstadt hätten die Ehrenamtlichen Kosten in wahrscheinlich fünfstelliger Höhe für ein externes Planungsbüro erspart, so Debertshäuser. Statt das Angebot aufzugreifen, habe die Koalition zwei „unausgegorene Konzepte aus der Hosentasche“ dagegen gesetzt und taktiere nun hinhaltend. Beim Bürger und Wähler müsse das „unerträgliche Geplänkel“ einen fatalen Eindruck hinterlassen.

FDP-Fraktionsvorsitzende Susanne Schäfer verwies dem gegenüber auf die hohen Umbau- und Sanierungskosten, die vor einer neuen Nutzung auf die Stadt zukämen. Die Koalition trage die Verantwortung und sei verpflichtet, die wirtschaftlichste Lösung zu suchen. Dazu diene der Prüfauftrag, dessen Ergebnis durchaus ein Votum für das von den HMS-Freunden skizzierte Bildungs- und Kulturhaus sein könne. „Es ist unklug“, so Schäfer, „sich heute festzulegen“ (zrk/mho)

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