Ehemalige Hans-Memling-Schule

Kostspielige Sanierung: Drei Millionen und kein Ende

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Gebäude der früheren Hans-Memling-Schule: Der Sanierungskosten steigen, liegen nach einem Magistratsbericht nun deutlich über drei Millionen Euro.

Seligenstadt - Der veranschlagte Sanierungsbedarf der ehemaligen Hans-Memling-Schule (HMS) liegt wohl weit über drei Millionen Euro. Einen entsprechenden Sachstandsbericht hatte der Magistrat den Stadtverordneten vorgelegt. Von Sabine Müller

Darin wird offenkundig, dass bald fünf Jahre nach Unterrichtsende noch immer keine konkrete Nutzung des Gebäudes in Sicht ist, da sich die Stadt Seligenstadt und der Kreis Offenbach bisher vertraglich nicht einigen konnten. In manch bitterem Nebensatz erinnern einige Seligenstädter Kommunalpolitiker noch heute daran: Zum Ende des Schuljahres 2011/12 hatte der Kreis als Schulträger die altehrwürdige Grundschule neben der Basilika geschlossen, der Kreistag im September 2012 die förmliche Entwidmung der Liegenschaft beschlossen. Wie mehrfach berichtet, hat daraufhin die Stadt als ehemalige Eigentümerin ihren Anspruch auf Rückübertragung des ehemaligen Schulgeländes geltend gemacht, was der Kreis mit dem Argument ablehnte, er habe mit der Emmaschule an der Giselastraße einen Ersatzbau errichtet. Seitdem läuft das Verwaltungsstreitverfahren in erster Instanz beim Verwaltungsgericht Darmstadt.

Im Bauausschuss Mitte September konnte Bürgermeisterin Dagmar B. Nonn-Adams lediglich vermelden, dass die Verhandlungskammer noch nicht zusammengetreten sei. Unabhängig vom Gerichtsentscheid wollen die Stadtverordneten das denkmalgeschützte Gebäude in zentraler Lage wieder beleben, bevorzugt als Kulturzentrum. Sie beauftragten deshalb im September 2013 den Magistrat, diesbezüglich Verhandlungen aufzunehmen, dabei sei „jedwede geeignete vertragliche Nutzung, auch die Nutzungsform als Erbbaurecht, einzubeziehen“. Seitdem ringt die Verwaltungsspitze mit dem Kreishaus in Dietzenbach um die Modalitäten einer Vereinbarung und hat dafür auch den Hessischen Städte- und Gemeindebund (HSGB) mit einer Stellungnahme beauftragt. Zuletzt hatte Seligenstadt den Kreis aufgefordert, einen abschließenden Vertragsentwurf vorzulegen, der nach Ansicht der Verwaltung aber nach wie vor Fallstricke birgt: So „fehlt völlig die vom HSGB angeregte Kündigungsregelung. Dies ist insofern problematisch, als dadurch – bei Auslegung des Nutzungsvertrages als Leihvertrag – ein einseitiges gesetzliches Kündigungsrecht des Kreises (...) bestehen könnte. Auch die angeregten Regelungen zum Schutz der Stadt vor Veräußerung während der Vertragslaufzeit sieht der Vertrag nicht vor.“ Zentraler Streitpunkt ist nach wie vor, dass Seligenstadt grundsätzlich alle baulichen Kosten für das ehemalige Schulgebäudes tragen soll. Um dieses finanzielle Risiko einschätzen zu können, wurde das Architekten-Team Laber-Vahedi mit einer Untersuchung beauftragt. Deren Berechnung ergibt aktuell einen Sanierungsbedarf von rund 3,1 Millionen Euro – ohne Schall-, Brand- sowie Wärmeschutzmaßnahmen; auch Schadstoffsanierungen sind nicht einkalkuliert. „Bisher wurden keine Bauteilöffnungen vorgenommen“, informiert der Magistratsbericht weiter, „so dass keine detaillierten Informationen über Deckenkonstruktionen und Fußbodenaufbauten vorliegen.“ Auch die voraussichtlichen Nutzungs- und Betriebskosten seien noch nicht ermittelt worden.

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In einem der vorberatenden Ausschüsse hatte die Bürgermeisterin erläutert, dass das vom Kreis angebotene Erbbaurecht für 20 Jahre gelten soll, weshalb der HSGB vor Investitionen gewarnt habe, da die Abschreibungszeiten üblicherweise erheblich länger seien. Und: Bei einem ähnlichen Fall in Obertshausen habe der Kreis ein weit besseres Angebot unterbreitet; auch dort gebe es jedoch noch keine Entscheidung. FDP-Fraktionschef René Rock hatte sich nach den Plänen des Kreises erkundigt, die ehemalige HMS als Flüchtlingsunterkunft zu nutzen. Die Liberalen hatten vor geraumer Zeit erklärt, das Gebäude sei in keiner Weise dafür geeignet. Erste Stadträtin Claudia Bicherl erklärte nun, nach einer Begehung sei man zum Ergebnis gekommen, im Erdgeschoss sei eine Unterbringung von etwa 50 Personen möglich. Die Stadtverordneten nahmen den Magistratsbericht ohne weiteren Kommentar zur Kenntnis.

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