Hausaufgabenhilfe für Flüchtlingskinder:

Gute Fortschritte in der Schule

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Ein kleiner Kreis ist aus der Hausaufgabenbetreuung des Arbeitskreises Willkommen in Seligenstadt geworden. Unser Foto zeigt (von links): Gerda Beike, Amani, Monika Lipgens, Amir, Madeleine Lipgens und Ersiada. Auf dem Bild fehlt die kleine Sana.

Seligenstadt - Amir und Amani steht ein großer Schritt bevor: Nach den Sommerferien wechseln die beiden zehnjährigen Flüchtlingskinder von der Seligenstädter Emma-Schule auf weiterführende Schulen.

Dass sie gute Perspektiven haben, verdanken sie neben eigenem Lerneifer auch konsequenter Unterstützung: Seit Jahren werden sie von Hausaufgabenhelferinnen des Arbeitskreises (AK) „Willkommen in Seligenstadt“ betreut.

Viermal pro Woche, Montag bis Donnerstag, bleiben Amir und Amani länger in der Schule. Mit der achtjährigen Sana und Ersiada (9) bilden sie den Rest einer bis Ende 2017 durchschnittlich zehn Kinder umfassenden Lerngruppe, um die sich bis zu zwölf freiwillige Helferinnen kümmerten. Aktuell finden sich regelmäßig drei Frauen ein, um mit den Schülern Rechenaufgaben zu lösen, Schreibübungen zu machen oder zu lesen.

Hilfe brauchen die Kinder laut Anita Bastian-Störk vom Helferinnenkreis vor allem in Deutsch und Mathematik, gelegentlich auch in Sachkunde. Grundsätzlich, schreibt Bastian-Störk, erstrecke sich die Hausaufgabenbetreuung auf alle Fächer.

An diesem Nachmittag muss Sana vorlesen üben. Gemeinsam mit Helferin Monika Lipgens trägt sie langsam, aber flüssig einen Text über Gänse und Enten vor - eine reife Leistung für das Mädchen, das erst vor vier Monaten nach Deutschland kam. Derweil löst Gerda Beike mit Ersiada Textaufgaben aus dem Mathe-Buch, Amani arbeitet konzentriert allein und stellt nur gelegentlich eine Frage. Amir schlägt sich, angeleitet von Madeleine Lipgens, mit deutschem Satzbau herum. Die drei Älteren, schon seit zweieinhalb bis drei Jahren im Land, sprechen die Sprache verblüffend gut und fast fehlerfrei.

Auch in der Schule machen die Schützlinge des Helferkreises laut Anita Bastian-Störk sämtlich gute bis sehr gute Fortschritte. Zwei von ihnen wechselten im vergangenen Sommer aufs Gymnasium und die Realschule. Die meisten nähmen an der Hausaufgabenhilfe sehr regelmäßig teil, seien mit Eifer bei der Sache und kämen auch gut mit dem täglichen Wechsel der Betreuerinnen zurecht, die sich gegenseitig ablösen und vertreten. Von den Lehrerinnen und der Schulleitung gebe es immer wieder Lob und Ansporn für die Gruppe. Auch die Helferinnen haben das Gefühl, von ihrem Engagement zu profitieren: „Man bekommt mehr zurück als man gibt“, sagt Gerda Beike. Und wenn weniger zu tun ist, etwa vor den Ferien, ist ein Ausflug drin - etwa zum Minigolfspielen.

Dabei sahen sich die Freiwilligen besonders anfangs stark gefordert. Seit die Hausaufgabenhilfe Ende des Jahres 2014 an den Start ging, waren zeitweise bis zu 13 Kinder zu betreuen. „Sie bekamen von Anfang an die gleichen Hausaufgaben wie die einheimischen Kinder“, erinnert sich Bastian-Störk. Vom Umfang und auch vom Verständnis her sei das oft schwierig gewesen und habe Einzelbetreuung nötig gemacht. Inzwischen sei das System eingespielt und werde auch exportiert: Eine Helferin habe von der Emma- an die Konrad-Adenauer-Schule gewechselt und die Hausaufgabenhilfe dort mit aufgebaut. Derweil ist die Beanspruchung inzwischen stark zurückgegangen. Lag der Durchschnitt 2017 noch bei zehn Kindern, sind es aktuell noch vier, im neuen Schuljahr bleiben voraussichtlich nur noch zwei. Den starken Rückgang erklären die Helferinnen vor allem damit, dass aktuell viele Flüchtlingsfamilien wegziehen, besonders in Richtung Rodgau. In der Stadt Seligenstadt gebe es für sie keine Wohnungen. (zrk)

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