Unikat im Sperrmüll entdeckt

Haushaltsauflösung bietet große Überraschungen

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Werner Siegel (r.) fand das alte Protokollbuch und übergab es an Vorstandsmitglied Hans-Peter Friedrich.

Seligenstadt – Rein zufällig kam der Seligenstädter Werner Siegel nach einer Haushaltauflösung in den Besitz eines über 90 Jahre alten Protokollbuchs aus den Gründerjahren der Sportvereinigung Seligenstadt.

Dieses in gestochener Handschrift geführte Unikat beginnt mit der Jahresversammlung des Jahres 1928. Siegel, seit 60 Jahren Mitglied des Vereins, übergab das historische Dokument an Vorstandsmitglied Hans-Peter Friedrich, damit es für spätere Generationen erhalten bleibt. Die Protokollsammlung stammt vom damaligen Vorsitzenden August Bender (Jahrgang 1878), der seinerzeit mit seiner Familie an der Aschaffenburger Straße 22 wohnte und von den Nationalsozialisten im Jahr 1942 deportiert wurde. Sein weiteres Schicksal ist unbekannt, wahrscheinlich starb er in einem Konzentrationslager.

Stolpersteine an der Aschaffenburger Straße erinnern an die Familie Bender.

Stolpersteine vor dem Haus an der Aschaffenburger Straße erinnern an das Schicksal der Familie Bender. In seinem Buch „... und wollten so gerne bleiben“ widmet Autor Dietrich Fichtner auch der Familie Bender ein Kapitel: Demnach betrieb Bender, Soldat im Ersten Weltkrieg, ein Schuh- und Lederwarengeschäft und war im Seligenstädter Vereinsleben aktiv. Wegen seiner Großzügigkeit war er jedoch den Antisemiten und Nazis ein Dorn im Auge, sah sich Anfeindungen ausgesetzt. Einige Wochen nach der Pogromnacht siedelte Bender mit seiner Frau Amalia in die Anonymität der Großstadt Frankfurt über - vergeblich! Sie wurden später gefasst und deportiert.

In der Chronik der Sportvereinigung ist weiterhin aufgeführt, dass viele bekannte Seligenstädter Namen sich in den Führungspositionen des Vereins wiederfinden. Darunter etwa die Mitglieder Nessel, Ohwerk, Funk, Höfling, Zöller, Sommer, Neubauer, Ritter, Merget, Krämer und Tampe. Allerdings hat der Verfasser versäumt die Vornamen seiner damaligen Zeitgenossen zu vermerken. Der Inhalt des Protokollbuchs erinnert nicht nur an die schweren Jahre zwischen den beiden Weltkriegen 1914 bis 1918 und 1939 und 1945 sondern auch an ehemalige Mitbürger. „Wir werden die Niederschriften von August Bender an einem sicheren Ort in unserem Vereinsheim an der Zellhäuser Straße aufbewahren“, versprach Vorstand Hans-Peter Friedrich. (paw)

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