1. Startseite
  2. Region
  3. Seligenstadt

Herausragendes kulturelles Profil

Erstellt:

Kommentare

Seligenstadt - Der Stachel sitzt tief, keine Frage. Von Michael Hofmann

Auch wenn die beiden Dachorganisationen der kulturtreibenden Vereine Seligenstadts - Kunstforum und Kulturring - wochenlang nicht auf die Ankündigung der Stadt, den bislang kostenlosen Ticket-Service in der Tourist-Information am Marktplatz einzustellen und eine zehnprozentige Vorverkaufsabgabe auf Tickets zu erheben, reagierten, so kündet ein nunmehr vorliegendes gemeinsames Schreiben an den Magistrat von Ärger, Wut und auch Enttäuschung.

Darin nehmen Eckhard Redmann vom Kunstforum und Franz Preuschoff vom Kulturring Bezug darauf, dass die Stadt den entsprechenden Magistratsbeschluss ohne Rücksprache mit den betroffenen Institutionen mitgeteilt habe, „ab 2012 vom Erlös der durch die Tourist-Info verkauften Eintrittskarten zehn Prozent als Vorverkaufsgebühr einzubehalten.“

Veranstaltende Vereine tragen das Risiko

Zur Begründung verweist die Stadt auf erhöhten Arbeits- und Verwaltungsaufwand, „der personell durch zusätzliche Honorarkräfte abgedeckt werden muss“. Das Ergebnis eines Meinungsaustauschs der Kulturvereine ist dennoch deutlich: Für sie ist eine solche Abgabe „nicht vertretbar“.

Die von den Veranstaltern geltendgemachten Eintrittsgelder seien zunächst einmal keine kostendeckenden Preise, sondern Beiträge zu den höheren Kosten. „Es sind ja nicht nur die Künstlerhonorare, es kommen Raummieten, Instrumentenmiete, Druckkosten, Sozialabgaben, Beleuchtung, Herrichtung der Aufführungsstätten, GEMA und einiges mehr hinzu“, zählen Redmann und Preuschoff auf. „Die Kosten werden durch ehrenamtliche Arbeiten, Spenden, Sponsoring und Zuschüsse gedeckt, wobei die veranstaltenden Vereine schließlich auch das Risiko tragen. Diese von den in der Regel gemeinnützigen Vereinen geforderten Eintrittsgelder sind der Höhe nach scharf kalkuliert, um breiten Kreisen der Bevölkerung zu für sie erschwingliche Bedingungen kulturelle Teilhabe zu ermöglichen. Es wäre aber eine Erhöhung der Eintrittsgelder notwendig, die Vorverkaufsgebühr müsste aufgeschlagen werden.“

Mit Verweis auf die Zweckbestimmung der SeligenStadtMarketing GmbH, die als Ziel die Steigerung der Attraktivität der Wirtschaft und Lebensqualität in Seligenstadt sowie die Verbesserung der Vermarktung ihrer touristischen, kulturellen und wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit beschreibt, erinnern die beiden Funktionäre an die Rolle, die „herausragendes kulturelles Profil“ für eine Stadt spielen kann.

Strukturelle Schwächen ausgleichen

In Seligenstadt sei es seit Jahrzehnten „eine Vielzahl von ehrenamtlich tätigen, zumeist gemeinnützigen Institutionen, die das kulturelle Profil der Stadt schärfen, vorhandene - unverschuldete - strukturelle Schwächen auszugleichen suchen und damit auch einen herausragenden Beitrag zum Stadtmarketing leisten. Vor diesem Hintergrund sei der von der Tourist-Info durchgeführte Kartenverkauf „ein vergleichsweise bescheidener Beitrag. So billig bekommt die Stadt einen wirkungsvollen Beitrag zum Marketing nicht wieder, wenn der ehrenamtliche Anteil entfiele.“

Nicht unberücksichtigt könne bleiben, dass der Vorverkauf - also nicht etwa nur Abendkasse - für die Veranstalter einen wesentlichen Indikator darstellt. „Verläuft er schleppend, muss flexibel reagiert werden, müssen gegebenenfalls weiter Werbemaßnahmen ergriffen werden.“ Ein weiterer Einwand gegen eine Vorverkaufsabgabe in der Tourist-Info ergebe sich aus der Tatsache, „dass seit vielen Jahren eine Reihe von Buchhandlungen im Raum Seligenstadt kulturelle Veranstaltungen durch den unentgeltlichen Verkauf der Karten fördern. Aus Gleichbehandlungsgründen müsste ihnen die Vorverkaufsgebühr ebenfalls zugestanden werden. Das aber würde die notwendigen Erlöse zusätzlich empfindlich mindern, beziehungsweise die Verbraucher zusätzlich belasten.

Kunstforum und Kulturring sehen letztlich zwei Möglichkeiten: Verzicht auf den Kartenverkauf durch die Tourist-Info, oder es wird nur auf die dort verkauften Karten ein gesondert ausgewiesener Betrag, eben die Vorverkaufsgebühr, aufgeschlagen. Darauf müsste dann auf den Plakaten, Pressemitteilungen und sonstigen Werbeträgern deutlich sichtbar hingewiesen werden.

Auch interessant

Kommentare