„In herbem Todesschmerz“

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Mahn- und Ehrenmal auf dem Friedhof: „Den Opfern der Kriege, der Gewalt, der Vertreibung.“

Seligenstadt - Fast unscheinbar und dennoch eindrucksvoll. Viele Seligenstädter kennen es gar nicht - und dennoch ist es ein würdiges Monument der Erinnerung: Das Mahn- und Ehrenmal auf dem Seligenstädter Friedhof. Von Thomas Hanel

Der Seligenstädter Heimatforscher Thomas Laube hat sich mit der Geschichte der Sandstein-Stele beschäftigt und Material darüber gesammelt. Demnach wurden erste Überlegungen zu einem Denkmal bereits im Jahr 1948 angestellt. Aber erst die Verbesserung der wirtschaftlichen Verhältnisse in der Stadt konnten bei der geplanten Umgestaltung des Friedhofs diesem Wunsch gerecht werden.

Im Mai 1958 traf der von der Miltenberger Firma Zeller der roh behauene Sandstein in Seligenstadt ein. Er hatte ein Gewicht von 12,5 Tonnen und bestand aus einem einzigen Stück. Nach oben verjüngt sich der Stein, die Grundfläche ist quadratisch, die Kantenlänge beträgt einen Meter, die Höhe fünf Meter.

Gestaltet wurde das Mahnmal vom Bildhauer Arthur Kratz vor Ort auf dem Friedhof: Auf den vier Seiten sind Köpfe und Brustbilder gemeißelt. „Wir erkennen in ihnen Soldaten, Frauen mit Kindern, Greise und Greisinnen“, beschreibt es ein Artikel im Seligenstädter Heimatblatt aus dem November 1958. Und weiter: „Die Köpfe stellen die Toten dar, die durch Krieg, Gewaltherrschaft und zum Himmel schreiende Ungerechtigkeit ihr Leben verloren. Manche von ihnen scheinen den Besucher fragend und anklagend anzuschauen; andere wiederum haben ihre Augen im Tod geschlossen; wieder andere verkrampfen ihre Lippen in herbem Todesschmerz.“

Spenden des Bundes der Vertriebenen

Finanziert wurde der Stein von der Stadt Seligenstadt und durch Spenden, darunter der Bund der Vertriebenen. Die Gesamtkosten beliefen sich damals auf 13.000 D-Mark. Vorbereitend war ein Seligenstädter Kuratorium „Mahn- und Ehrenmal“ tätig. Vertreten waren Magistrat, Stadtverordnete, katholisches und evangelisches Pfarramt, Bund vertriebener Deutscher, DRK, Heimatbund sowie weitere Organisationen.

In der Diskussion wurde damals klar, dass dieses zu errichtende Denkmal nicht nur die gefallenen Soldaten des Zweiten Weltkriegs berücksichtigen dürfe, sondern alle Gefallene sowie die Opfer der Tyrannei des Naziregimes. Vorgeschlagener Text für die Inschrift: „Den Opfern der Kriege und der Tyrannei.“ Doch dieser Text wurde als zu scharf verurteilt. Es gab Überlegungen, den Text eventuell in lateinischer Sprache einzumeißeln. Letztendlich einigte sich das Kuratorium auf den Text „Den Opfern der Kriege, der Gewalt, der Vertreibung.“

Eingeweiht wurde das Denkmal am Volkstrauertag im November 1958. Stadtrat Bruder im damaligen Artikel des Seligenstäder Heimatblatts: „Das Mahn- und Ehrenmal für unsere Gefallenen und Opfer durch die Tyrannei soll uns Lebende mahnen, dass jeder Krieg eine Geißel für die Menschheit ist, und uns aufrufen, dass die Freiheit eines der höchsten Güter ist.“

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