Herbert Wilz, Sprecher der Erbengemeinschaft zum Wohnikum in Seligenstadt:

„Kein finanzieller Erlös durch Verkauf“

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Herbert Wilz, Sprecher der Erbengemeinschaft.  

Seligenstadt - Selten lagen die Positionen so weit auseinander: Ist das Wohnikum-Vorhaben (wir berichteten) ein Sozial-Projekt oder, wie die CDU behauptet, geleitet von „knallharten wirtschaftlichen Interessen“ der Erbengemeinschaft? Im Gespräch bezieht Herbert Wilz, Sprecher der Erbengemeinschaft, Position.

Ist das Projekt Wohnikum ein Riesengeschäft für die Erbengemeinschaft, das mit dem zu erwartenden mehrheitlichen Stadtverordnetenbeschluss von SPD, Grünen, FDP und FWS auf Kosten der Bürger unter Dach und Fach gebracht wird?

Wilz: Von einem Riesengeschäft kann überhaupt keine Rede sein. Das muss auch CDU-Fraktionschef Joachim Bergmann klar sein, da er die Fakten kennt. Fakt ist, das Gelände wird nur eingeschränkt nutzbar sein. Die Nutzung ist beschränkt auf eine generationsübergreifende Wohnform. Eine entsprechende Vereinbarung wurde bereits notariell am 9. November 2009 mit der Stadt getroffen. Einen finanziellen Erlös durch den Verkauf gibt es nicht. Die Nutzung wird in Form einer Pacht abgegolten. Nur auf dieser Basis kann das Projekt Wohnikum realisiert werden. Die freien Grundstücksmarktpreise kann Wohnikum nicht aufbringen. Dies ist Bergmann bekannt. Es deshalb als Riesengeschäft zu bezeichnen, geht voll an der Sache vorbei. Ist der Grund, Stimmung gegen das Projekt zu machen?

Liegt die CDU nicht richtig mit ihrer Forderung einer Wertabschöpfung, schließlich gewinnt das Gelände durch den Bebauungsplan doch an Wert?

Wilz: Ein auf den ersten Blick interessanter Gedanke, allerdings mit falschen Ausgangsdaten. Üblich war in der Vergangenheit, dass bei Neuerschließungen zirka 30 Prozent des Geländes an die Stadt gingen. Damit wurde dann die öffentliche Verkehrs- und Versorgungsstruktur abgedeckt. Hier handelt es sich aber um ein erschlossenes Gebiet - also falsche Ausgangsbasis des Gedankens. Viel wichtiger ist aber, dass laut Planung und vorgesehener Vereinbarungen für die Stadt weder Erschließungskosten, gleich welcher Art, noch Folgekosten für Unterhalt und Instandhaltung entstehen. Diese Kosten werden komplett von den Betreibern getragen.

CDU-Fraktionschef Bergmann kalkuliert mit 380 Euro pro Quadratmeter…

Wilz: Zahlen sind geduldig. Die Nutzung des Geländes ausschließlich für generationsübergreifendes Wohnen und Betrieb nur auf genossenschaftlicher Basis schränken den Wert erheblich ein. Der von Bergmann genannte Wert betrifft frei verfügbares Baugelände. Seine 380 Euro entbehren jeglicher Grundlage. Eine vergleichbare Situation ist nicht bekannt. Was immer Bergmann ansetzt, ist Spekulation. Ein Verkauf dürfte auf Grund der vorgesehenen Vereinbarung so gut wie unmöglich sein.

Nochmal nachgefragt: Werden 1,2 Millionen an öffentlichen Geldern verbrannt - mit Hilfe einer Stadtverordnetenmehrheit?

Wilz: Die aufgemachte Rechnung ist falsch. Von einem ehemaligen Abteilungsleiter in der Bauverwaltung (Bergmann, d. Red) sollte man erwarten können, dass er richtig rechnet. Die dafür notwendigen Zahlen sind ihm bekannt. Richtig ist: Das im Bebauungsplan genannte Gelände ist insgesamt 11 034 Quadratmeter groß und nicht 12 000 Quadratmeter. Davon bleibt der bereits bebaute Bereich außen vor. Das für generationsübergreifendes Wohnen vorgesehene Gelände beträgt etwas mehr als 8 200 Quadratmeter. Vorgesehen ist, davon im ersten Bauabschnitt etwa 4 000 Quadratmeter zu bebauen.

Jonglieren die Befürworter mit Begriffen, sprechen von Flächenumlegung, wo Wertumlegung stattfinden müsste?

Wilz: Dazu kann ich nichts sagen.

Unklarheiten bestehen offensichtlich auch hinsichtlich der Vereinbarung mit Erbengemeinschaft und Wohnikum.

Wilz: In dem am 2. Mai 2012 von Bürgermeisterin Nonn-Adams angeregten Treffen wurde abgesprochen, dass zuerst 4 000 Quadratmeter in genossenschaftlicher Form bebaut werden. Nach Fertigstellung/Betrieb können die restlichen Flächen in gleicher Form genutzt werden. Diese Absprache wurde so auch in die Vorlage zur Stadtverordnetenversammlung eingearbeitet. Das war auch im OP-Bericht vom 8. Mai zu lesen. Wenn Bergmann etwas anderes beabsichtigt haben sollte, dann hätte er spätestens nach dem Artikel reagieren müssen. Dafür gab es aber keinen Grund, denn die Absprache wurde umgesetzt. Warum Bergmann jetzt etwas anderes sagt, ist nicht nachvollziehbar.

Kommen wir zu den Vorarbeiten. Sind die vorliegenden Lärmgutachten parteiisch und damit unbrauchbar?

Wilz: Nein, sie sind brauchbar. Wenn Bergmann etwas anderes behauptet, ist dies Polemik in reinster Form. Der Ablauf ist Bergmann bekannt. Richtig ist Folgendes:Ende 2007 hat die Stadt wegen einer Kostenbeteiligung/-übernahme im Zuge der Erstellung eines geänderten Bebauungsplanes nachgefragt. Die Erbengemeinschaft hat dann die komplette Kostenübernahme zugesagt. Im weiteren Gespräch schlug die Stadt das Planungsbüro für Städtebau in Groß-Zimmern vor. Die Erbengemeinschaft stimmte zu. Später kam der Vorschlag, dass es doch am einfachsten sei, wenn das Planungsbüro die Kosten direkt abrechnen würde. Damit würde die Stadt Verwaltungsaufwand einsparen. Auch dem hat die Erbengemeinschaft zugestimmt. Die auf Grund der Planung notwendigen Gutachten hat das Planungsbüro direkt nach eigenem Ermessen vergeben. Die Erbengemeinschaft hatte darauf keinen Einfluss. Die angefallenen Kosten wurden dann vom Planungsbüro der Erbengemeinschaft in Rechnung gestellt. Es gab also keinen direkten Kontakt zwischen Erbengemeinschaft und den Gutachterfirmen (Faunistik, Lärm usw).

Trifft es zu, dass die Sportanlagen im Lärmgutachten nicht berücksichtigt sind?

Wilz: Mit dieser inkorrekten Aussage zeigt Bergmann nun endgültig, dass er das Projekt mit allen Mitteln verhindern will. Das Lärmgutachten hat alle umliegenden Flächen, also Straßen, Betriebsanlagen, Einkaufsstätten, Sportstätten und Schwimmbad geprüft und berücksichtigt. Am Wohnikum-Infoabend Mitte April 2012 wurde klargestellt, dass das Lärmgutachten ausdrücklich besagt, dass von den Sportstätten keine Gefahr ausgeht. Diese Feststellung hat auch der CDU-Politiker Steffen Thiel bestätigt. Damit ist klar, dass das Gutachten Bergmann und/oder der CDU vorgelegen hat. Warum Bergmann nun sagt, dass die angrenzenden Sportanlagen nicht berücksichtigt wurden, ist nicht nachvollziehbar.

Die CDU hatte von Anfang an erhebliche Bedenken…

Wilz: Am Wohnikum-Infoabend hat Bergmann auf die Frage geantwortet: Wenn sichergestellt ist, dass keine Klage erhoben werden kann, dann werde man keine weiteren Einwände haben und ebenfalls dafür stimmen. Der Ordnung halber sei erwähnt, dass er damals Bedenken hatte, dass eine genossenschaftliche Lösung keine Sicherheit biete. Inzwischen wurde das geklärt. Gerade die genossenschaftliche Form stellt sicher, dass eine Klage durch Bewohner ausgeschlossen ist. Dies wird im genossenschaftlichen Vertrag eindeutig geregelt. Damit gibt es keinen sachlichen Grund die Zustimmung zu verweigern. Warum steht Bergmann nicht zu seinem Wort? Der Erbengemeinschaft ist völlig unverständlich, warum ein solches soziales Projekt, welches der Stadt ein positives und fortschrittliches Denken bestätigen und von der Bevölkerung positiv aufgenommen werden würde, seit mehr als fünf Jahren von Seiten der CDU blockiert wird.

mho

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