„Kleines Juwel“ als Markenzeichen

Hervorragende Heimatpflege: Verein Klatschmohn erhält den Kulturpreis 2020 der Stadt Seligenstadt

Der Verein Klatschmohn ist Seligenstadts Kulturpreisträger 2020: Bürgermeister Daniell Bastian überreicht die Urkunde an Vorsitzende Bärbel Helf.
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Der Verein Klatschmohn ist Seligenstadts Kulturpreisträger 2020: Bürgermeister Daniell Bastian überreicht die Urkunde an Vorsitzende Bärbel Helf.

Eine „außergewöhnliche, hochengagierte Gruppe“, aber noch kein Seligenstädter Kulturpreis? Das muss geändert werden, befand die Jury und wählte den Verein Klatschmohn als Preisträger 2020.

Seligenstadt – Die Verleihung übernahmen Bürgermeister Dr. Daniell Bastian und seine Vorgängerin, Dagmar B. Nonn-Adams. Sie hielt am Samstag im Riesen die Laudatio. Der Termin hätte gut gepasst, feierte die Gemeinschaft im vergangenen Jahr doch ihren 40. Geburtstag. Von Feiern konnte freilich im Vorjahr keine Rede sein, die Corona-Regeln vereitelten jede Geselligkeit, vor allem aber den weit über die Grenzen der Einhardstadt hochgeschätzten Zunft- und Handwerkermarkt. „Wir haben vier Jahrzehnte bahnbrechende Veranstaltungen genossen“, spannte die die ehemalige Rathauschefin den Bogen, „höchste Zeit, dieses beispielhafte Engagement auszuzeichnen“. Die Initiative ging auf Juror Dr. Hans Wurzel zurück.

Die Idee entstand 1979, 1980 ließen „zehn gestandene, wagemutige, mit der Stadt und der Geschichte verbundene Frauen“ Klatschmohn Wirklichkeit werden. Die knallroten Blüten werden ihr Erkennungszeichen – und passen prächtig auf die Trachten, auf die sie eingestickt wurden, berichtet Nonn-Adams. Sie schildert, wie am Anfang in einer Stickstube „vieles besprochen, berichtet, kommentiert und kritisiert“ wurde.

1992 erhält der Verein die Erlaubnis der Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten, mit seinem Konzept in den Klosterhof einzuziehen. Die Laudatorin hebt die verantwortungs- und liebevolle Art hervor, wie die Aktiven mit der Tradition Seligenstadts umgehen und die Historie verständlich erlebbar machen: „Das ist eine hervorragende Leistung in der Heimatpflege und eines der schönsten, stimmungsvollsten Feste in der Region.“

Die Vergangenheit werde lebendig, wenn Bürger, Spielleut’, Gaukler und Artisten in das alte Gemäuer einziehen. „Sie zeigen, wie die Menschen früher gelebt, gegessen und gefeiert haben“, welcher Techniken sie sich bedienten. „Der Markt ist das Ergebnis einer unermüdlichen Begeisterung über Generationen hinweg, von Sachverstand und Liebe zur Altstadt“, sagte die frühere Bürgermeisterin. Der Einsatz der Preisträgerinnen trage den Namen der Stadt hinaus und fördere ihren guten Ruf. Der Vorstand präsentiere sich mit Kreativität, Durchhaltevermögen, Fleiß, starkem Willen und Nerven und genüge so den Anforderungen der Zukunft, fuhr Frau Nonn-Adams fort. Klatschmohn habe sich auch um historische Gebäude bemüht, um schmiedeeiserne Kerzenständer, einen Backofen, die Wetterfahne, eine Skulpturengruppe und viele andere Details in der Altstadt. „Ich beglückwünsche Seligenstadt zu Klatschmohn“, so die Laudatorin.

Vorsitzende Bärbel Helf dankte allen Befürworten und Unterstützern der hohen Auszeichnung und betonte, dass im Verein mittlerweile auch Männer alte Handwerkstechniken erlernen, sich sogar in einem Hosenträger-Stickereiorden messen. Der große Markt sowie die museumspädagogische Arbeit mit Kindern erfahren viel Unterstützung aus dem Rathaus. Das „kleine Juwel“ im Kloster sei ein Markenzeichen und mache Seligenstadt einzigartig. Ein Ziel sei „mitzuhelfen, den zauberhaften Ort zu erhalten und mit Leben zu erfüllen“, definierte die Vorsitzende. „Wir haben schon so viel Arbeit investiert“, lenkte sie den Blick auf die aktuelle Situation, „aber es hat sich nichts entscheidend geändert“. Noch immer gelten „verschärfte Vorgaben, jegliche Planungssicherheit fehlt“, brauche der Markttrubel doch eine Vorbereitungszeit von einem Jahr.

„An uns soll’s nicht liegen“, kündigte Bärbel Helf eine neue Ausgabe für das Jahr 2022 an. „Vielleicht müssen wir neue Wege gehen, aber wir lassen uns nicht kleinkriegen“, fügte sie kämpferisch hinzu. Bürgermeister Bastian führte sie zum Eintrag ins Goldene Buch, Violinistin Annika Münch und Pianist Vincent Knüppe begleiteten den Festakt mit klassischen Melodien.  (M)

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