Perspektive für 300 Kicker

Im JFV Seligenstadt/Hainburg bündeln drei Vereine ihre Kräfte

Mädchen und Jungen spielen Fußball
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Nachwuchs aufbauen und langfristig binden – das ist das Ziel des JFV. Das Foto zeigt die E-Jugend (rote Trikots) beim 4:0 im März gegen Gemaa Tempelsee.

Vor zwei Jahren ging der JFV Seligenstadt/Hainburg an den Start. In den Fußballmannschaften jagen insgesamt mehr als 300 Kinder und Jugendliche dem runden Leder hinterher.

Seligenstadt/Hainburg – Dass ein Seligenstädter Kind in einem Hainburger Verein Fußball spielt, schien vor einigen Jahren unmöglich. Mit Blick auf lokale Rivalitäten wären Eltern kaum auf die Idee gekommen, ihre Sprösslinge im Nachbarort oder -stadtteil anzumelden. Doch haben solche Vorurteile längst ausgedient, sagen Michael Berthel und Uwe Rubin. Beide gehören dem Vorstand des Jugendfördervereins (JFV) Seligenstadt/Hainburg an. Berthels Heimatverein ist die Germania Klein-Krotzenburg, Rubins sind die Sportfreunde Seligenstadt, die Spvgg. Hainstadt vertritt Evelyn Buttgereit als weitere Vorsitzende. Im Vorstand repräsentieren je zwei Vertreter die drei Vereine.

Grund für die Verbindung sind Veränderungen in der Gesellschaft. Der demografische Wandel macht sich bemerkbar, sagt Berthel. Zum anderen gehe es darum, den Nachwuchs langfristig an einen Verein zu binden. Das funktioniere bis zur D-Jugend gut, dann suchten sich ambitionierte Kicker Vereine, die mit ihren Mannschaften in höheren Klassen spielen.

Um diesen Trend zu stoppen, habe man den JFV gegründet. „Solche Kooperationen sind notwendig, um leistungsstarken Spielern eine Heimat zu geben und gleichzeitig Breitensport anbieten zu können“, beschreibt Berthel das Konzept. Dazu gehört es, drei oder vier Teams pro Altersstufe anbieten zu können, die zum Teil in der jeweils höchsten Jugendklasse spielen.

Derzeit läuft ein Test, um noch mehr Vereine im JFV zu bündeln, berichtet Rubin. Mit der neuen Saison kämpfen C-Jugendteams um Ligapunkte, die sich aus sechs Vereinen der Region zusammensetzen. Vertreten sind Clubs aus Zellhausen und Klein-Welzheim, von Spvgg. Seligenstadt und Spvgg. Hainstadt, aus Klein-Krotzenburg und von den Sportfreunden Seliggenstadt. Auch da ist die Intention, das spielerische Niveau hochzuhalten und ältere Sportler zu binden.

Viele Vereine, viele Ansichten, könnte man meinen. Doch Rubin hat gute Erfahrungen gemacht: „Es ist nicht kompliziert, da alle dasselbe Ziel haben.“

Spieler zu halten klappt nicht immer, vor allem nicht, wenn der Nachwuchs so talentiert ist, dass Bundesligavereine anklopfen. Zwei Spieler, sagt der Vorsitzende, seien am Saisonende zum Zweitligisten Darmstadt 98 gewechselt. „Darauf sind wir natürlich auch stolz.“

Weiterer wichtiger Aspekt sind die Trainer. Auch dabei sei es dem JFV gelungen, einige Übungsleiter aus eigenen Reihen zu motivieren. So spielen sie in den ersten Mannschaften und trainieren den Nachwuchs, haben die dazu erforderliche Ausbildung absolviert. Das seien junge Leute, sagt Berthel, und die fänden zu den Kindern oft schneller einen Draht als die älteren Trainer.

Mehr als in früheren Jahren müssen Vereine auch Integrationsarbeit leisten. „Da hat es stärkeren Zulauf gegeben“, sagt Berthel. Doch das Einfügen von Kindern mit Migrationshintergrund in die Mannschaften funktioniere gut. „Die jungen Kicker kommen miteinander klar, und Sprachbarrieren sind rasch überwunden.“

Evelyn Buttgereit hat Erfahrung mit dem Aufbau von Jugendfördervereinen. Seit gut 25 Jahren als Jugendleiterin aktiv, gehörte sie zu den Mitinitiatorinnen der Jugendspielgemeinschaft (JSG) Hainburg, die erfolgreich war und nach zwölf Jahren 2018 im JFV Seligenstadt/Hainburg aufging. Mit diesem Konzept lasse sich viel mehr erreichen, viele erfolgreiche Mannschaften böten eine ganz andere Diskussionsgrundlage bei Kreis und Kommune, etwa wenn es wie derzeit um einen Kunstrasenplatz in Hainstadt gehe.

Trotz aller guten Zusammenarbeit bleibt weiterhin Platz für ein wenig gepflegte Rivalität auf dem Rasen – wenn nämlich die Ortsderbys der jeweiligen ersten Mannschaften ausgetragen werden, berichtet Berthel und schmunzelt. (Von Oliver Signus)

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