Berufsglück ohne Pferdefuß

Ina Fuhry aus Seligenstadt ist eine der wenigen Hufschmiedinnen der Region

Ina Fuhry beim Beschlagen eines Pferdehufs
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Ina Fuhry in Aktion: Nicht nur der Schmiedin, auch dem Pferd gefällt das.

„Hufschmiedin wird unterschätzt“, sagt Ina Fuhry und lacht. Dass dies nicht der klassische Berufswunsch junger Mädchen ist, weiß die Mittdreißigerin aus dem Seligenstädter Stadtteil Froschhausen selbst am besten: Von circa zwei Dutzend professionellen Pferdebeschlagern in der Region sind nach ihrer Kenntnis nur drei Geschlechtsgenossinnen.

Seligenstadt – „Auf die Idee, das beruflich zu machen, bin ich gekommen, nachdem ich öfter von Hufschmieden versetzt worden bin“, erzählt Fuhry. „Da habe ich gedacht: Das kann ich besser!“ Zahlreiche zufriedene Stammkundschaft im Offenbacher Umland wird es gern bestätigen.

Am Anfang stand, klar, die Liebe zum Reiten. „Mit zehn, elf Jahren habe ich bei der Interessengemeinschaft für Pony- und Pferdesport in Hainburg angefangen“, berichtet Fuhry. Ihr Entschluss, einen einschlägigen Beruf zu ergreifen, stand mit 15 fest, nachdem sie Schulpraktika absolviert hatte.

Der Weg dahin führte über eine Weiterbildung. Zugangsvoraussetzung war eine abgeschlossene dreieinhalbjährige Ausbildung, gefolgt von einem zweijährigen Praktikum in einem Fachbetrieb nebst fünf Monaten Besuch einer Fachschule, in Fuhrys Fall an der Universität Gießen. Am Ende war sie dann staatlich geprüfte Hufschmiedin.

Die rollende Schmiedewerkstatt im Kleintransporter

Am Anfang von Ina Fuhrys Arbeit steht eine eingehende Untersuchung des Pferdes. Manchmal sieht die Fachfrau sofort, dass etwas nicht in Ordnung ist: Das Tier steht nur auf zwei Hufen, es läuft nicht gerade... Liegt eine Fehlstellung vor, gilt es den Huf zu korrigieren. All dies erst nach eingehender Beratung der Kunden: „Mein oberstes Ziel liegt in der Gesunderhaltung des Pferdes“, versichert Tierfreundin Fuhry.

Die Expertin beschlägt, was ihr so unter den Hammer kommt: Spring-, Dressur- und Freizeitpferde. Erst kommt das alte Eisen ab, nach sorgfältiger Hufpflege mit Raspel oder Schneidewerkzeug wird das neue angepasst. Neben normalen Sportbeschlägen stehen orthopädische oder alternative zur Auswahl – oder solche im Westernstil. Acht Löcher weist der Rohling auf, in der Regel benötigt Fuhry sechs Nägel aus verkupfertem Stahl, mit antibakterieller Wirkung. „Bei kleineren Pferden reichen oft vier oder fünf, nur bei ganz großen brauche ich acht.“ Sechs Pferde schafft sie am Tag, jedes schlägt mit Kosten von 130 Euro zu Buch.

Ihr Dienstfahrzeug, einen Kleintransporter mit Initialkennzeichen als Werbemerkmal, hat Ina Fuhry als rollende Werkstatt eingerichtet, so wie sie’s haben wollte. Die schweren Werkzeuge vermitteln den Eindruck einer modernen Schmiede auf Rädern; muss die junge Frau doch an Ort und Stelle die Rohlinge umformen können.

Die gebrauchten Eisen holt übrigens jemand ab: Gibt es doch Menschen, die glauben, sie brächten Glück. Apropos: Ist Ina Fuhry glücklich im Wunschberuf als staatlich geprüfte Hufschmiedin, den sie seit 2009 ausübt? „Nicht immer“, sagt sie und lächelt. „Aber immer öfter!“

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