Kritische Anmerkungen zur Unterbringung

Info-Veranstaltung Flüchtlinge: Frage der Sinnhaftigkeit

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Unterkunft Vautheigasse: 12,50 Euro pro Person und Tag.

Seligenstadt - Aus erster Hand sollten direkt Betroffene erfahren, wie sich momentan die Situation der Flüchtlingsunterbringung in der Stadt darstellt. Die Verwaltung hatte deshalb am Dienstagabend eine Informationsveranstaltung im St. Josefshaus anberaumt. Von Sabine Müller

Dabei mussten sich die Verantwortlichen auch kritischen Fragen stellen. Ein Netzwerk soll künftige Hilfsaktionen koordinieren.

150 Einladungen hatte die Stadtverwaltung an Nachbarn der infrage kommenden Liegenschaften, Kirchen, Hilfsorganisationen und Schulen versandt. Lediglich 30 Personen waren gekommen. Auch Kreis-Sozialdezernent Carsten Müller wurde vermisst - es gab wohl ein Missverständnis in Bezug auf den Veranstaltungsort. Dafür übernahm seine Mitarbeiterin Andrea Lange vom Fachdienst Jugend, Familie und Soziales beim Kreis Offenbach den Vorsitz neben Seligenstadts Erster Stadträtin. Claudia Bicherl berichtete, dass der Einzug von sieben Personen aus Pakistan in die städtische Immobilie Frankfurter Straße 29 am Fastnachtsdienstag reibungslos vonstatten ging. Die Familie - eine Mutter mit fünf Kindern - und eine weitere Frau, jeweils ohne anerkannten Status, waren der Stadt vom Kreis direkt zugewiesen und aus der Gemeinschaftsunterkunft in Hainburg überstellt worden, wo sie schon zwei Jahre gelebt hatten. Mit weiteren Direktzuweisungen habe Seligenstadt dann wieder im Juli zu rechnen. Bis dahin müsse die Verwaltung weitere Unterbringungsangebote prüfen - „die Regularien sind sehr zeitaufwändig“. Mindestens 78 Flüchtlinge muss die Stadt im laufenden Jahr nach dem kreisweiten Verteilungsschlüssel aufnehmen. Eingerechnet jene 25 Personen, die im April in der Vautheigasse einziehen sollen. Dort hat der Kreis ein Gebäude angemietet, das der Eigentümer derzeit umbauen lässt.

Zu dieser Adresse kamen auch die ersten Fragen aus den Zuhörerreihen: „Gibt es eine Forderung nach Freiflächen?“ Ein direkter Nachbar erklärte, er sei „erschrocken“ zu hören, dass 25 Personen in ein Haus einziehen sollen, das für zwei Familien ausgelegt sei. „Die Menschen müssen sich in den kleinen Hof drängen, der früher ein Biergarten war - ich weiß, wie laut das ist.“ „Mit welchen Mieteinnahmen kann der Hausbesitzer rechnen?“, fragte eine Anwohnerin. Andrea Lange informierte, dass der Kreis pro Person und Tag bis zu 12,50 Euro erstatte. „Wir sind froh und dankbar, wenn überhaupt Angebote eingehen, die als Unterkünfte taugen“, erklärte Bürgermeisterin Dagmar B. Nonn-Adams, als daraufhin das große Rechnen begann. Sie selbst vermisste die „Sinnhaftigkeit“ bei der Regelung, nur Menschen zuzuweisen, die schon geraume Zeit hier leben: „Sie haben bereits Wurzeln geschlagen.“ Auch müsse die Stadtverwaltung mehr Vorabinformation bekommen, als nur Personenzahl, Name und Alter. „Haben sie Deutschkenntnisse, sind sie in Kindergarten oder Schule eingebunden? Vorabinformationen könnten uns helfen anzuknüpfen.“

Backen für Flüchtlinge in Syrien

Backen für den guten Zweck

Pfarrer Holger Allmenröder fragte nach den Kriterien für die Gemeinschaftsunterkunft, die der Kreis in Seligenstadt auf dem Gelände der ehemaligen Don-Bosco-Schule für 80 Personen plant und die die nächsten sechs Jahre Bestand haben soll. „Wir kalkulieren mit sieben bis acht Quadratmetern pro Person“, sagte Andrea Lange, „dazu kommen die Sozialräume“. Zehn Menschen teilten sich eine Küche, die Sanitäranlagen seien nach Geschlechtern getrennt. Es würden überwiegend Doppelzimmer eingerichtet. Den von Sozialdezernent Müller anvisierten Bezug bis zum Jahresende korrigierte Andrea Lange auf Frühjahr 2015.

Gibt es Angebote für die Flüchtlinge? Was machen sie den ganzen Tag, bis ihr Status geklärt ist? wollten Bürger wissen. Eine Rundum-Betreuung ist laut Lange nicht möglich, zumal viel zu wenige Sozialarbeiter zur Verfügung stünden. Auch Deutschkurse seien aus Spargründen gestrichen. Sie regte deshalb einen Helferkreis an, gute Vorbilder gebe es in Hainburg und Neu-Isenburg. Auf Vorschlag von Pfarrerin Leonie Krauß-Buch wurde eine Liste erstellt, in der sich die ersten Interessierten eintragen konnten.

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