Initiative Seebrücke 

Wird Seligenstadt bald zum "Sicheren Hafen" erklärt?

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Die Initiative Seebrücke will Seligenstadt zum "Sicheren Hafen" erklären. Seit einem Jahr lädt sie Menschen mittwochs zur Mahnwache ein. 

Die Initiative Seebrücke will Seligenstadt zum "Sicheren Hafen" erklären. Seit einem Jahr lädt sie Menschen mittwochs zur Mahnwache ein. 

Seligenstadt - Gemeinsam mit vielen weiteren Initiativen in ganz Europa unterstützt die Gruppe, die weder religiös noch politisch gebunden ist, die Seenotrettung im Mittelmeer und verlangt eine europäische klare Linie, die das Sterben im und am Mittelmeer beendet. Rund 20 Befürworter kommen Woche für Woche auf den Seligenstädter Marktplatz – mehr als in den meisten anderen Seebrücken-Kommunen.

In ihrer Online-Petition fordert die Initiative „Seebrücke“ nun die Verantwortlichen der Stadt auf, Seligenstadt zum „Sicheren Hafen“ zu erklären. 450 Unterschriften werden bis Ende des Jahres dazu gebraucht, 239 sind bereits gesammelt. Seit der Gründung der Seebrücke im Juli 2018 haben sich zahlreiche Städte, Gemeinden und Kommunen solidarisch erklärt.

Sie stellen sich gegen die Abschottungspolitik Europas und leisten selbst einen Beitrag, um mehr Menschen ein sicheres Ankommen zu ermöglichen. Diese Beiträge sind lokal sehr unterschiedlich. Die solidarischen Orte erfüllen mindestens eine der Grundsatzforderungen (siehe Kasten). Bislang gibt es 86 sichere Häfen in Deutschland.

Seligenstadt: Initiative Seebrücke spricht über "Sicheren Hafen"

Im Gespräch mit der Redaktion erläutern Pfarrerin Leonie Krauß-Buck und Vikarin Charlotte Voß die Thematik „Sicherer Hafen“ und gehen auch auf die Konsequenzen einer solchen Entscheidung für eine Kommune und ihre Bürger ein.

Wer beschließt nach einer erfolgreichen Petition einen Sicheren Hafen - eine Verwaltung oder ein Parlament?

Krauß-Buck: Der Beschluss muss in der Stadtverordnetenversammlung getroffen werden.

Dazu braucht es einen Antragsteller...

Krauß-Buck: Wenn wir die Petition schaffen, dann wird sie von der Seebrücken-Organisationsplattform an den Bürgermeister weitergeleitet und an alle Fraktionen. Dann hoffen wir auf den Magistrat.

Voß: Und es muss nur einer einzigen Forderung zugestimmt werden. Es geht um eine Solidarisierung mit anderen Städten, die bereit sind und Kapazitäten haben, eventuell Flüchtlinge aufzunehmen.

Okay, aber welche finanziellen Konsequenzen hat dies, immerhin soll eine Kommune ja Menschen aufnehmen und unterbringen?

Krauß-Buck: Zunächst einmal keine, aber wir haben eine gut organisierte Infrastruktur und auch ein bemerkenswertes zivilgesellschaftliches Engagement. Den AK Willkommen zum Beispiel, da sind schon Ressourcen zusammengetragen.

Seligenstädter Pfarrerin Krauß-Buck: "Wir brauchen eine gesamteuropäische Lösung"

Noch mal zu den Finanzen. Wer zahlt?

Voß: In einem Akutfall muss das geklärt werden, weil derzeit die Gesetzeslage uneinheitlich diskutiert wird.

Sprechen wir über Ihre Motive...

Krauß-Buck: Wir möchten, dass die politische Diskussion breitflächig geführt wird, wir brauchen eine gesamteuropäische Lösung. Wir würden gerne mehr Leute in die Diskussion holen. Die Abschottungspolitik ist doch derzeit so unerträglich für Menschen mit humanem oder christlichen Hintergrund, dass sich da unbedingt etwas ändern muss.

Wie gehen Sie mit Vorwürfen um, wir holten die Kriminellen ins Land?

Voß: Jede kriminelle Handlung ist inakzeptabel und zu verurteilen und muss juristisch belangt werden, unabhängig davon, welche Nationalität oder Haufarbe jemand hat.

Krauß-Buck: Wir haben bei der letzten Mahnwache aller Menschen gedacht, die in jüngster Zeit gewaltsam zu Schaden gekommen sind, von denen wir wissen, auch im Frankfurter Hauptbahnhof.

Seebrücke, Sicherer Hafen: Fühlen Sie sich als nur zwei Organisatorinnen nicht langsam ein wenig überfordert?

Krauß-Buck und Voß: Wir werden von einer breiten Zustimmung getragen – innerhalb und außerhalb unserer Kirche. Der Kirchenvorstand unterstützt uns, in allen kirchenleitenden Gremien gibt es dazu Zustimmung. Auch die katholischen Schwestergemeinden vor Ort erklären sich solidarisch.

Das Gespräch führte Michael Hofmann.

Initiative Seebrücke: Infos im Internet

Die Petition findet sich online unter seebruecke-seligenstadt.de/petition. Sie kann auch während der Mahnwache mittwochs oder im evangelischen Gemeindezentrum direkt auf der Sammelliste unterzeichnet werden.

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