Integration beginnt im Kopf

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Gute Willkommenskultur (v.l.): Dr. Mohammad Zaher, Hanne Auer, Samir, Reinhard Stang (Kolpingfamilie Klein-Welzheim), Motahar, Burkard Müller, Sprecher der Flüchtlingsinitiative, und Bürgermeisterin Dagmar B. Nonn-Adams.

Seligenstadt - „Integration fängt im Kopf an“, so formulierte Hanne Auer, Koordinatorin für Sprachunterricht des Arbeitskreises „Willkommen in Seligenstadt – Ehrenamtliche Seligenstädter helfen Flüchtlingen“, beim Dankeschön-Empfang für alle Helfer im Rathaus.

Damit brachte die engagierte Schulamtsdirektorin auf den Punkt, was Bürgermeisterin Dagmar B. Nonn-Adams zu dieser Einladung bewogen hatte. Die Rathauschefin plädierte für ein offenes und von beiden Seiten respektvolles Miteinander und würdigte die „unmittelbare und damit besondere Ehrenamtlichkeit“ der rund 50 Anwesenden. Besonders freute sie zu sehen, dass sich bereits Flüchtlinge in das Helfernetz des Arbeitskreises eingebunden haben. 15 Frauen, Männer und Jugendliche unterstützen andere, nach ihnen angekommene Menschen.

Stellvertretend meldete sich Mohammad Zaher aus Afghanistan in beachtlich gutem Deutsch zu Wort. Er und seine Familie sind seit rund drei Monaten in Seligenstadt und überglücklich darüber. Der ausgebildete HNO-Arzt muslimischen Glaubens und sein ukrainische Ehefrau, ausgebildete Krankenschwester christlichen Glaubens, zeigten sich im Namen aller Flüchtlingen tief beeindruckt von der Höflichkeit und Hilfsbereitschaft der Seligenstädter. Einem albanischen Flüchtling war es ein großes Anliegen zu betonen, dass er 50 Jahre alt hat werden müssen, um sich erstmals richtig wohl zu fühlen. Zwei afghanische Jungen, 12 und 13 Jahre alt, meldeten sich ebenfalls zu Wort. Sie bedankten sich in gut verständlichem Deutsch dafür, dass sie Zuflucht und eine Zukunftschance gefunden haben. Samir und Motahar sind seit fünf Monaten in Seligenstadt, besuchen die Merianschule.

Neben einer speziellen Sprachförderung direkt an der Schule üben sie die deutsche Sprache noch zwei- bis dreimal in der Woche bei Hanne Auer. Die hauptberufliche Schulamtsdirektorin im Staatlichen Schulamt Aschaffenburg koordiniert für den Arbeitskreis die Sprachförderung - auch gemeinsam mit hiesigen Schulen - und unterrichtet selbst in ihrer Freizeit die beiden Jungs sowie einen analphabetischen Erwachsenen. „Sprachförderung ist der Schlüssel zur Integration“, ist die erfahrene Pädagogin überzeugt, und genau daraus nimmt sie auch die Kraft für ihren Einsatz. Sie ist beeindruckt von dem unerschöpflichen Lernwillen der Flüchtlinge und auch von den schnellen sprachlichen Fortschritten bei Samir und Motahar. Burkard Müller, Koordinator des Arbeitskreises, bedankte sich ausdrücklich im Namen der aktiven Ehrenamtlichen bei Bürgermeisterin Dagmar B. Nonn-Adams für die „ehrenwerte Einladung“, die die Arbeit der Helfer sichtbar mache und Anerkennung zeige. Er freue sich, dass die Rathauschefin die Aktiven des Arbeitskreises nie als „Bittsteller“, sondern immer als „wichtige Unterstützer“ wahrgenommen habe: „Integration heißt, jemand mitzunehmen in die Gesellschaft, ihm Wege zum friedlichen Leben mit Allen zu öffnen.“

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„Bei aller notwendigen Organisation darf nicht vergessen werden, dass es sich bei den Flüchtlingen um Menschen mit eigenem Schicksal und mit eigenen Befähigungen und Kompetenzen handelt. Die Politik konzentriert sich sehr auf Quoten, Kopfzahlen und purer Verwaltung. Wir nehmen die Menschen hinter diesen Statistiken an und vergessen nicht, dass es zumeist traumatisierte und in jedem Fall heimatvertriebene Männer, Frauen, Jugendliche und Kinder sind. ,Willkommen in Seligenstadt' zeigt, dass bei uns eine gute Willkommenskultur herrscht“, so die Bürgermeisterin. (mho)

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