Förderkreis Lichtblick feiert sein 20-Jähriges

Jeder Mensch ist auf seine Weise einzigartig

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Lichtblick-Jubiläum auf dem früheren Klostergelände: Zu den musikalischen Gästen gehörten die Big-Band der TGS unter ihrem Dirigenten Michael Unger.

Seligenstadt - Unter dem Motto „Es ist normal verschieden zu sein“ feierte der Förderkreis Lichtblick im Winterrefektorium der früheren Seligenstädter Klosteranlage sein 20-jähriges Bestehen.

Landrat Oliver Quilling, der die Schirmherrschaft übernommen hatte, brachte ein besonderes Geschenk mit: den Landesehrenbrief für Förderkreis-Vorsitzende Johanna Wurzel. „20 Jahre gelebte Inklusion“ lautet das Schlagwort beim Verein „Lichtblick“, der sich seit seiner Gründung im Jahre 1995 zu einem Netzwerk in den Bereichen Wohnen, Arbeiten und Freizeit entwickelt hat. Von 35 Aktiven im Gründungsjahr ist die Zahl der Mitglieder auf knapp 200 angestiegen. „Alle Bereiche arbeiten unparteiisch und überkonfessionell, wobei der Bereich Freizeit ehrenamtlich und unentgeltlich angeboten wird“, betont die Vorsitzende Johanna Wurzel. Dem Förderkreis Lichtblick sei es von jeher ein Bedürfnis, Inklusion („Zugehörigkeit“) zu leben, Behinderung als etwas zum Leben Gehörendes anzusehen, sowie die Menschen zu sensibilisieren und darauf hinzuweisen, dass jeder Mensch jederzeit von einer Behinderung betroffen sein kann. „Wer gibt uns denn das Recht Menschen in Rubriken und Standards einzuzwängen? Meine Tochter hat es mal klar auf den Punkt gebracht, als sie in jungen Jahren von einem sehr ,feinfühligen’ Menschen gefragt wurde: Bist du auch behindert? Sie hat darauf geantwortet: „Ja ich bin behindert, na und?“, so Wurzel vor zahlreichen Gästen in ihrer Ansprache. Die Botschaft laute: „Jeder Mensch ist auf seine Weise einzigartig - mit all seinen Stärken und Schwächen.“ Zu diesem Zweck bietet „Lichtblick“ Kurse verschiedener Art an, um somit möglichst vielen Bedürfnissen gerecht zu werden.

Das Ziel von Lichtblick war und ist es Gemeinschaft zu leben, Inklusion erlebbar zu machen. „Niemand soll im Abseits stehen, jeder ist willkommen. Vielen in unserer Stadt ist unser in 20 Jahren aufgebautes Netzwerk immer noch nicht bekannt. Es wirkt oft im Verborgenen, ist intim und nicht Öffentlichkeitswirksam.“ Der Förderkreis, so Wurzel weiter, sei „stolz auf das, was unser kleiner Verein alles auf die Beine gestellt hat. Erwähnt sei aber auch, dass wir das alles hätten nicht bewältigen können ohne die vielen Unterstützer und Spender, die die Grundlage für unser Tun geschaffen haben. Angefangen bei der Beschäftigungs-GmbH mit ihren Projekten Klostercafé, Hotel Elysee und Schilderwerkstatt, die mit 45 Mitarbeitern unter Geschäftsführer Heiko Mark inzwischen zu einem kleinen mittelständischen Unternehmen herangewachsen ist. Hier haben wir eine Quote an behinderten Mitarbeitern von 56 Prozent.“

An der „Haus Wallstraße GmbH“ beteiligt

Gemeinsam mit der Stadt Seligenstadt ist der Förderkreis mit 20 Prozent an der „Haus Wallstraße GmbH“ beteiligt. Dies sichert Erst- und Wiederbelegungsrecht der Behindertenwohnplätze, deren Betreuung in den bewährten Händen der Behindertenhilfe Stadt und Kreis Offenbach liegt, „und mit der wir ein hervorragendes kooperatives Verhältnis pflegen.“ Landrat Oliver Quilling würdigte in seiner Festansprache das große ehrenamtliche Engagement des Förderkreises und dessen unermüdlichen Einsatz. In seiner Laudatio auf Vorsitzende Johanna Wurzel, die er mit dem Landesehrenbrief auszeichnete, ließ er die Erfolgsgeschichte des Förderkreises Revue passieren. Quilling betonte, der Förderkreis Lichtblick praktiziere schon lange die Inklusion, „während wir uns damit noch schwer tun“.

Auch Seligenstadts Bürgermeisterin Dagmar B. Nonn-Adams hob in ihrem Grußwort die verdienstvollen Initiativen und Projekte des Fördervereins während der vergangenen zwei Jahrzehnte hervor. Johanna Wurzel und ihrem Team komme eine Vorreiterfunktion in der Inklusion-Bewegung zu, ihr Einsatz verdiene höchste Anerkennung. Jürgen Großer von der Behindertenhilfe in Stadt und Kreis Offenbach lobte in seinem Grußwort die langjährige und fruchtbare Zusammenarbeit mit dem Förderkreis. Zwischen den Grußworten trat der Chor „Die Rasselbande“ unter der Leitung von Monika Kling und in Begleitung ihres Mannes Torsten auf. Weitere musikalische Gäste waren die „Irren Typen“ aus dem Hainbachtal, die Big Band der TGS unter ihrem Dirigenten Michael Unger und die Gruppe Ramba Samba von der Turngesellschaft (TGS).

mho

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